Der Mainzer - Die Stadtillustrierte


Die Winzer-Connection

  Winzer-Connection
  Weingut Bischofsmühle
  Wassergasse 64
  55268 Nieder-Olm
  Tel. 0 61 36 / 12 57
weingut-bischofsmuehle@t-online.de
www.weingut-bischofsmuehle.com


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Wein des Monats

Jupp präsentiert die schönsten rheinhessischen Gewächse (Teil 188)

Bischofsmühle: Junger Aufsteiger


Bischofsmühle
Die junge Winzergeneration, die das Weingut mächtig voranbringt: Max Zimmermann und seine Lebensgefährtin Sina.

Wenn man sich vorstellt, dass die Bischofsmühle in Nieder-Olm erst seit 2009 hundertprozentiger Weinbaubetrieb ist, darf man ohne Weiteres vor der Leistung der Betreiberfamilie den Hut ziehen. Zuvor hatte Opa Walter Sieben gerade einmal 5.000 Flaschen per annum produziert, heute sind es, unter der Ägide von Enkel Max Zimmermann, bereits rund 30.000 Bouteilles. Jupp war in der Tat erfreut über so viel aufstrebendes Wesen und berichtet nun en detail:

Was soll ich sagen: Hier geht es mächtig voran. Der Max, der auf dem Hedesheimer Hof in Stadecken und bei Wehrheim in der Pfalz gelernt hat, zieht als Winemaker die Strukturänderung des Betriebs konsequent durch. Das beinhaltet nicht zuletzt die Konzentration auf klassische Rebsorten wie Riesling, Weißburgunder und Grauburgunder. Tatkräftig unterstützt beim sich andeutenden Höhenflug wird der junge Mann von seiner Lebensgefährtin Sina, die zurzeit beim renommierten württembergischen Weingut Aldinger ihr Handwerk vervollkommnet, nachdem sie bereits bei Philipp Wittmann in Westhofen in Ausbildung war.

Opa Walter ist weiterhin im Außenbetrieb aktiv, Max' Mutter Maria und Vater Kersten kümmern sich intensiv um die Gutsschänke, die demnächst vom 12. April bis 5. Mai freitags bis sonntags ab 17 Uhr wieder ihre Tür öffnet.

Höchst kommode Preisstruktur

Die Preisgestaltung in der Bischofsmühle ist übersichtlich und höchst kommod. Beim 2012er Jahrgang liegen die einfacheren Qualitäten bei 4 Euro, die Ortsweine bei 4,50 Euro, und die Lagenstöffchen kosten 6,90 Euro. Bei Selbstabholung im Weingut werden pro Flasche sogar noch 50 Cent Rabatt gewährt. Mit der Abfüllung der Ortsweine ist Ende März zu rechnen, die Lagenerzeugnisse kommen voraussichtlich im Juni auf den Markt.

In puncto Produktion legt Winzer Max großen Wert auf Natürlichkeit und Authentizität. Im Wingert wird mit Pferdemist und Kompost gedüngt, das Lesegut erfährt schonendste Behandlung bis hin zur Fußpressung, auf Schönung im Keller wird komplett verzichtet. Großenteils langes Hefelager gibt gerade den weißen Burgundern Dichte und Tiefe, bei den Rieslingen wird teilweise mit Spontanvergärung gearbeitet. Deutlich wird das Nieder-Olmer Terroir - wenn wir's mal so nennen wollen - durch eine intensive Mineralik der Weine, die wohl von der Kalkunterlage des Lössbodens herrührt. Herausragende Einzellagen in der Großlage Klosterberg sind Hübrich (»Hibberick«) und Geyerschelle.

Formidabler Rivaner

Los geht's mit dem WdM 1, dem 2012er Rivaner Classic, der schon verfügbar ist. Für mich ein klasse Müller-Thurgau mit geschmeidigen 10,5 Gramm Restzucker, der alles das zeigt, was die Rebsorte an Vorzügen zu bieten hat: Leichtigkeit und feinen Kräuterduft bei gleichzeitig kraftvoller Geschmacksfülle. 4 Euro sind, wie oben bereits angeschnitten, für den Zwölfeinhalbprozenter zu zahlen.

Pittoresk pinkig präsentiert sich der 2011er Dornfelder Rosé als WdM zwo. Rote Früchte charakterisieren diesen sehr schönen, feinherben Terrassenwein (12%, 3,70 Euro), dessen Jahrgangsnachfolger als Fassprobe etwas trockener, schneidiger und nicht ganz so farbintensiv wirkt.

Kommen wir zu den 2012er Ortsweinen (je 4,50 Euro), die ich ebenfalls als Fassprobe kennen lernen durfte. WdM 3 ist ein trockener Grauer Burgunder (12,5%), Max' Erstlingswerk bezüglich dieser Rebsorte mit gutem Säuregerüst und runder Fülle aufgrund langer Maischestandzeit und entsprechenden Vollhefelagers. Eine animierende Salznote weist der Weiße Burgunder auf (WdM 4, 12,5%), der diese Charakteristik vom Kalkstein bezieht, und der Riesling (WdM 5, 12%) macht jetzt schon mit einer eleganten Opulenz richtig Freude (7 Gramm Restzucker bei 7,5 Gramm Säure).

Bischofsmühle

Polarisierender Lagenriesling

Der 2012er Lagenriesling ist einer, der polarisieren wird. Die einen werden ihn lieben, andere werden sagen: Das ist nicht meiner. Mich beeindruckt der Fassprobe-WdM 6 (13%, 1,5 Gramm Restzucker, 6,90 Euro) aus dem Hübrich durch seine feine Salzigkeit bei gleichzeitiger, deutlicher Anmutung von Quitte. Er ist der Nachfolger des »Edition Max«-Rieslings aus dem Jahr 2011, der - zu schade - längst ausgetrunken wurd'. Dafür gibt's noch etwas mehr als 200 Flaschen vom 2011er EM-Weißburgunder (WdM 7, 14%, 6,30 Euro) aus der Geyerschelle, den ich nur zu gerne empfehle. Dieser WB, der lediglich einen Tick gebrauchtes Barrique erlebte, brilliert mit Kraft und feinem Schmelz.

Wer es richtig restsüß mag, der sei auf den »Wildfang« hingewiesen, eine 2011er Riesling Spätlese, spontan vergor'n, mit 50 Gramm RZ bei 11,5 Volumenprozenten Alkohol (WdM 8). Der Winzer schildert ihn in seiner Weinkarte als »eigensinnig und ungebändigt« - ich finde ihn einfach sehr angenehm und very smooth.