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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Das Crass
 Wein Wirtschaft Hotel
 Pariser Straße 129
 55268 Nieder-Olm
 Tel. 0 61 36 / 814 48-0
 Fax 0 61 36 / 814 48-48
info@dascrass.de
www.dascrass.de

Öffnungszeiten:
 Di bis So ab 17 Uhr
 Mo Ruhetag


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 39,0 : 5 = 7,8
 
 8 Kochkappen  
 Essen 7,5  
 Trinken 8,5  
 Service 7,5  
 Ambiente 7,5  
 Preis-Leistung 7,5  

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RESTAURANTTEST


Belebung für Nieder-Olmer Gastro-Szene

»Das Crass« bietet eine solide regionale Küche, der hier und da ein wenig Pfiff fehlt. Die Weinkarte verzeichnet sowohl beim Ausschank als auch in der Flasche Überdurchschnittliches.

»Seit einiger Zeit höre ich immer wieder etwas über ein Restaurant in Nieder-Olm, das es erst seit diesem Jahr gibt. Wir sollten es mal ausprobieren.« So sprach Mister X, und schon waren wir in seinem schneidigen SUV unterwegs zu »Das Crass«, das an der Pariser Straße direkt unterhalb des zentralen innerörtlichen Kreisels liegt. Eigentümer des Ensembles, zu dem auch ein Hotel gehört, ist Peter E. Eckes aus der gleichnamigen Getränkehersteller-Familie.

Wenn ich der Lokalität einen Begriff zuordnen sollte, so würde ich sagen: Das ist ein moderner Gasthof - im besten Sinne. Die Räumlichkeiten sind großzügig, um nicht zu sagen weitläufig. Wenn man durch das verglaste Bruchstein-Tor eintritt, eröffnet sich sogleich ein rechteckiger Raum mit Sitzbänken an Wänden und Fenstern, vor denen die einzelnen Tische und Bestuhlungen angeordnet sind. Viel naturbelassenes Holz und weiches, dunkles Kunstleder prägen das Mobiliar, auf urigem Steinboden bewegt sich das flinke Personal, das uns vorweg hausgemachtes Gänseschmalz mit Apfel und Zwiebel sowie zwei Sorten frischen Brotes reicht.

Die Speisekarte präsentiert sich keineswegs übervoll, was Positives in Richtung Qualität ahnen lässt. Mister X entscheidet sich bei der Vorspeise für eine kleine Portion Tagliatelle mit frischen Steinpilzen in Sahne, Frühlauch, Kirschtomaten und Parmesan zu 12,90 Euro; die große kostet 18,90 Euro.

»Dieses Nudelgericht ist angenehm frisch, viele Pilze und die kleinen, leicht angeschwitzten Tomaten in Verbindung mit der perfekt gegarten Pasta machen das Ganze rund und schmackhaft. Dass ich mit Salz und Pfeffer nachwürzen musste, tut dieser Speise - im Übrigen eine recht große Portion - keinen Abbruch. Zudem möchte ich betonen, dass gerade zu der Sahne der von mir ausgesuchte Trepino gut passt. Auch als Seelentröster in dieser Suddelwetter-Zeit taugt er ideal.« Zur Erklärung: Der Trepino ist eine trockene 2012er Cuvée aus Weiß- und Grauburgunder sowie im Barrique gereiftem Chardonnay von Stallmann-Hiestand in Uelversheim zu 5,80 Euro im 0,2er Glas.

Für mich kommt laut Speisekarte dies auf den Tisch: »Gebackener Ziegenkäse & Birne schmiegen sich an krossen Speck, Safranbalsam tupft Römersalat« (9,90 Euro). Was hier so lyrisch angekündigt wird, hält auch einiges: Insgesamt ist dieses Arrangement fein, der Speck hat eine fluffig-krosse Konsistenz, alles ist gut gewürzt. Allein: Mir fehlt der letzte Pfiff.

Keine »Aufwärmschäden«

X geht nun ran an die »knusprige Bauerngans« mit Rotkohl, Backapfel und Klößen, die »täglich frisch aus dem Ofen« kommen soll (22,90 Euro). Diesbezüglich fragt mein immerwährender Begleiter zuvor bei der Bedienung nach und erfährt, dass das Geflügel heute gegen 13 Uhr vorgegart wurde und nun final zubereitet wird. In der Tat: Das Fleisch weist keine »Aufwärmschäden« auf, ist schmackhaft, zart und nur einen Hauch trocken, das Rotkraut wurde gut gewürzt, die Klöße mit Kräutern und Semmelkrümel-Haube sind perfekt, der Bratapfel mit Preiselbeeren hat Biss.

Ich widme mich dem Schnitzel »Rheinhessische Art« vom Weidekalb mit Kartoffel-Gurkensalat und »Dreierlei-Pfeffer-Remoulade« (18,90 Euro). Das Fleisch ist einwandfrei, schön dünn geklopft und mit leicht welliger, feinwürziger Panade. Der Gurkensalat ist grob geschnitten, der Kartoffelsalat mit kleinen Speckwürfeln nicht mein Geschmack, ebensowenig wie die Remoulade. Die Frage, was an diesem Gericht rheinhessisch sei, kann mir der Ober nicht schlüssig beantworten. Der 2014er trockene Grauburgunder von Hauck in Bermersheim (4,40 Euro) harmoniert jedenfalls gut mit meiner Hauptspeise.

Mister X' Mini-Weinprobe

Derweil hat Mister X seine selbst ausgewählte Mini-Weinprobe beendet, die neben dem besagten Trepino einen 2014er Sauvignon blanc von Stallmann-Hiestand (5,60 Euro) und eine Scheurebe von Zimmer-Mengel in Engelstadt (3,80 Euro) - beide trocken - beinhaltete. »Alle diese Weine gefallen mir ausgesprochen gut und machen dem hiesigen Anspruch, eine gehobene Wein-Wirtschaft zu sein, alle Ehre.« Spricht's und signalisiert den Aufbruch.

| Lou Kull

Fazit:

»Das Crass« bringt Leben in die Nieder-Olmer Gastronomie-Szene. Der Service ist freundlich und flott. Dem Essen, das zweifelsohne mit sehr guten Zutaten zubereitet wird, fehlt bisweilen der Pfiff, der eine höhere Benotung rechtfertigen würde. Insgesamt erscheinen uns einige Preise zu hoch. Beim Wein lässt sich nur Bestes sagen: Die Ausschank-Tropfen, überwiegend aus Rheinhessen, sind gut gewählt, das Tableau ist abwechslungsreich und absolut ausreichend. Die Flaschenweinkarte bietet eine sehr große Auswahl, ist übersichtlich und vermittelt alle Informationen, die der Weinfreund wünscht.