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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Goldener Hirsch
 Nackstraße 16
 55118 Mainz
 Tel. 0 61 31 / 210 80 20
post@hirsch-mz.de
www.goldener-hirsch-mainz.de

Öffnungszeiten:
 Di bis Sa 17.30 bis 23 Uhr,
 Küche 18 bis 22 Uhr,
 So und Mo Ruhetag


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 40,5 : 5 = 8,1
 
 8 Kochkappen  
 Essen 8,0  
 Trinken 7,5  
 Service 7,5  
 Ambiente 8,0  
 Preis-Leistung 9,0  

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RESTAURANTTEST


»Goldener Hirsch« keinesfalls altbacken

Das in der Mainzer Neustadt erst im August eröffnete Restaurant überrascht in mehrfacher Hinsicht: Modernität, Qualität und Freundlichkeit sind gute Gründe für einen Besuch.

O je, denke ich so bei mir, als Mister X vorschlägt, mal den »Goldenen Hirsch« in der Mainzer Neustadt, genau: in der Nackstraße, aufzusuchen. Ungetüme von Geweihen erstehen in meiner Phantasie, imaginäre Brunftschreie durchqueren meine Gehörgänge, und ich sehe vor meinem geistigen Auge eine dunkle, fast schwarze Holztäfelung bis kurz unter der Decke, die in früheren Zeiten von altmuffigem Zigarrenrauch so zugerichtet wurde. - Nichts, aber auch gar nichts von alledem offenbart sich, als wir vor dem Restaurant stehen. Die Fassade ist modern-einladend gestaltet, das Innere wirkt stylish-cool, mit nackten hellen Wänden, schwarzen Tischdecken, auf denen weiße Ellipsen sauber angeordnet sind, und mit schwarzen, geradlinigen Lampenleisten aus mittelbraunem Holz. In den Toiletten setzt sich der positive Eindruck fort: Alles ist auf dem neuesten Stand und blitzsauber.

Wir erfahren, dass das Lokal erst zur Jahresmitte vollkommen neu gestaltet worden ist und seit August geöffnet hat. Das an diesem Abend dreiköpfige Bedien-Team besteht ausnahmslos aus sympathischen Frauen, die unaufgeregt heiter Getränke ausschenken und Speisen servieren. Ob des freundlichen Umgangs mit den Gästen und des Eindrucks, dass dem Service nichts zu viel ist, fühlen wir uns sofort wohl.

»So einfach - und so gut!«

X ordert zunächst Crostini mit Tapenade von weißen Bohnen zu 4,90 Euro. Mit gutem Pfeffer und Olivenöl zubereitet, schmeckt ihm die Creme ausgezeichnet, zumal das geröstete Brot mit Rosmarin das Ganze geschmacklich prächtig unterstützt. »So einfach - und so gut!«, lautet der kurze, treffende Kommentar meines Gegenübers.

Ich entscheide mich für den Wacholder-Rehschinken mit in Öl und Thymian eingelegten Oliven und knackigem, frischem Graubrot (7,90 Euro). Dann erfahre, sehe und schmecke ich, dass hier regionale Jäger-Ware auf dem Teller liegt, und bin entzückt, weil es so gut schmeckt.

In der Folge genießt Mister X die in Sahne geschwenkten Nudeltaschen mit Steinpilzfüllung und gebutterten Pilzduxelles, einer Art würziger Farce. Die kleine Variante kostet 7,60 Euro, reicht aber von der Menge her völlig aus, die große Portion beläuft sich auf 9,60 Euro. Zur Deko liegen obenauf einige Champignonscheiben. »Dieses Gericht ist zweifelsohne sein Geld wert. Eine wohlschmeckende, dezente Speise, die vielleicht einen Hauch mehr Raffinesse vertragen könnte«, lobt mein ewiger Begleiter.

Exzellente Blutwurst

Als kleinen Hauptgang nehme ich die gebratenen Blutwurstscheiben auf Weinsauerkraut und Kartoffelstampf (8,90/ 10,90 Euro). Dieses Arrangement ist pikant und offensichtlich ebenfalls aus den besten Zuta­ten gefertigt. Ich bin rundum zufrieden und freue mich über so viel Appetitliches, das uns an diesem Abend gereicht wird.

Solide Weinauswahl

Die Weinauswahl im »Goldenen Hirsch« ist nicht überwältigend, aber solide. Insgesamt stehen acht Weine auf dem Tableau, die in 0,1- oder 0,2-Liter-Größe sowie in der Flasche erhältlich sind. Dem 2012er Sauvignon blanc Spätlese trocken vom Weingut Böhler in Stein-Bockenheim (2,50, 4,80, 14,40 Euro), den Mister X probiert, fehlt etwas die Frische, die mein 2014er Bio-Riesling Kabinett trocken von Schönhals in Biebelnheim (3,20, 6,20, 18,80 Euro) dafür hat.

Das war ein wirklich lohnenswerter Restaurantbesuch, stellen Mister X und ich beim Verlassen des »Goldenen Hirsch« unisono fest. Und das Portemonnaie wurde angenehmerweise auch nicht über Gebühr strapaziert.

| Lou Kull

Fazit:

Der »Goldene Hirsch« war für uns eine echte Überraschung und Entdeckung. Es macht Freude, hier zu sitzen und sich so freundlich bedienen zu lassen. Die Zutaten der Speisen sind qualitativ gut und oftmals aus der Region. Das Preis-Genuss-Verhältnis ist weit überdurchschnittlich gut. Die Weinauswahl dürfte etwas breiter sein, lediglich zwei rheinhessische Weingüter sind gelistet. Von der Altersstruktur der Gäste her ergibt sich ein breitgefächertes Bild. Uns fiel auf, dass sehr viele Frauen zu den Besuchern gehören - und das soll ja immer ein Zeichen für Qualität sein.