Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Gutenberger -
Das vegane Weinlokal
 Kapuzinerstraße 29
 55116 Mainz
 Tel. 0 61 31 / 216 75 16 oder
 01 57 / 30 70 35 64
info@weinlokal-gutenberger.de
www.weinlokal-gutenberger.de

 Öffnungszeiten:
 Di bis Do ab 17.00 Uhr
 Fr und Sa ab 16.00 Uhr
 So und Mo Ruhetag
 warme Küche: 17.30 - 22 Uhr



 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 38,5 : 5 = 7,7
 
 8 Kochkappen  
 Essen 7,5  
 Trinken 8,0  
 Service 8,0  
 Ambiente 7,5  
 Preis-Leistung 7,5  

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RESTAURANTTEST


Vegan mit optischen Zugeständnissen

Im »Gutenberger« in der Mainzer Kapuzinerstraße werden die Speisen aus rein pflanzlichen Zutaten fein zubereitet, Anklänge an die klassische Küche sind aber unübersehbar.

Es ist wohl eine der schönsten Ecken in Mainz: Der »Gutenberger« befindet sich in einem der uralten schmalen Häuser der Kapuzinerstraße, durch die recht kleinen Fenster schaut man direkt auf die prächtige klassizistische Saalkirche St. Ignaz. Eine riesige Platane ziert den kleinen Platz zwischen Häuserzeile und Gotteshaus, bei gutem Wetter stellen die »Gutenberger«-Gastronomen ein paar Tische und Stühle im gehobenen Biergarten-Stil ins Freie, wo der Gast außer dem baulichen Ambiente die mit interessiertem Blick flanierenden Passanten betrachten kann.

Innen ist das Restaurant urig gehalten, mit hoher Wandtäfelung aus dunklem Holz und Fachwerk. Schwere Holztische mit passenden Stühlen verstärken diesen Eindruck, vielleicht mangelt es ein wenig an Helligkeit.

»Nun wollen wir mal probieren, wie veganes Essen aussieht und wie es schmeckt«, lässt Mister X händereibend Neugier und eine gewisse Vorfreude erkennen. Auf der Karte stehen eine Vorspeise, zwei Hauptspeisen, ein Dessert, außerdem diverse Salat-Variationen, zwei bodenständige Zwischenmahlzeiten und unterschiedlichste hausgemachte Tapas.

Diverse Tapas in Schälchen

»Wohlan, ich wähle aus den Tapas zum einen die Cashew-Schnittlauch-Creme mit Knoblauch (4 Euro), zum zweiten das Oliventatar provençal mit Kapern, Pinienkernen und Kräutern der Provence (4 Euro) als auch die deftige Bohnenpastete mit roten Bohnen, Räuchertofu und frischen Kräutern (3,50 Euro). Dies alles wird mir einen guten Überblick über das Gebotene verschaffen«, lässt X verlauten. Ich hingegen begnüge mich mit veganem Zwiebelmett (3,50 Euro). Die Tapas kommen jeweils in einer kleinen Schale, hübsch und appetitanregend anzusehen. »Das Oliventatar präsentiert sich geschmacklich sehr intensiv, die Bohnenpastete dürfte etwas kräftiger gewürzt sein, die Cashew-Schnittlauch-Creme möchte ich als rundum gut bezeichnen«, resümiert mein Gegenüber seine Tapas-Impressionen. Mein veganes Zwiebelmett sieht seinem fleischigen Vorbild verblüffend ähnlich, die Konsistenz ist praktisch identisch. Getragen wird dieses kleine Gericht mit feinem Geschmack von den Zwiebeln.

Im Folgenden ordert mein immerwährender Begleiter den Brezelteller »Meenzer Art« (12,50 Euro) mit zwei Laugenbrezeln, dem besagten Zwiebelmett, Spundecreme und »Eiersalat«. Im Prinzip steht nun ein weiterer Tapas-Teller vor ihm, nur in anderer Besetzung. Das Mett wirkt auf Mister X ganz ähnlich wie auf mich, die Spundecreme findet er nicht besonders vielsagend und den »Eiersalat« weit weniger Vorbild-typisch als das Mett.

Verblüffender »Gyros«-Teller

Ich versuche mich nun an dem veganen »Gyros«-Teller mit Soja-Schnitzen, Tzatziki, Hummus und Krautsalat (13,90 Euro). Von der optischen Übereinstimmung mit einem der Griechenland-typischsten Gerichte bin ich überwältigt, und auch die einzelnen Konsistenzen und Geschmäcker erinnern 1:1 an diese hellenische Speise. Währenddessen lässt Mister X die mit Buchweizen gefüllte und mit Cashew-Creme überbackene Zucchini auftischen, die von Auberginen, Oliven und Tomatensugo begleitet wird (13,90 Euro). »Ein klassisch-schönes, unspektakuläres Gemüse-Gericht«, urteilt X und ist's zufrieden. So weit zu den Speisen, die wir im »Gutenberger« zu uns nehmen.

Renommierte Weingüter gelistet

Nun werden ja auch sämtliche Weine, die auf der Karte des Hauses stehen, als vegan bezeichnet. Laut ausführlicher Information im Angebots-Portfolio des Restaurants, das sich ja ganz bewusst »Weinlokal« nennt, ist es gar nicht schwer, veganen Wein zu erzeugen - der Winzer braucht bloß auf Klärungsmittel tierischer Herkunft zu verzichten und entsprechende pflanzliche Stoffe zu verwenden. Voilà. Im hiesigen Weinverzeichnis finden sich rheinhessische Betriebe wie Neumer, Boller-Klonek, Wedekind, Bernhard-Räder sowie - wer hätte es in Verbindung mit dem Begriff vegan gedacht - Hedesheimer Hof. Von Braunewell und Dinter gibt es einen High-End-Rosé, darüber hinaus ist der Biodynamie-Pionier Zwölberich von der Nahe gelistet.

| Lou Kull

Fazit:

Der Gang zum veganen Restaurant »Gutenberger« lohnt sich. Die einzelnen Speisen auf rein pflanzlicher Basis (oft ist Soja dabei) sind fein zubereitet, wenn wir uns auch das eine und andere Mal kräftigeres Würzen gewünscht hätten. Der Grad der Nachahmung von klassischen Speisen wie Zwiebelmett verblüfft, wirft aber für uns die Frage auf, ob das erstrebenswert ist. Diese Frage stellten wir auch der - sehr freundlichen, aufgeschlossenen und kompetenten - Servicekraft. Ihre Antwort: Ohne diese vertrauten Erscheinungsbilder seien viele Gäste nicht zu veganem Essen zu bewegen. Das klingt plausibel. Die Weinauswahl im »Gutenberger« ist überdurchschnittlich und rechtfertigt das Prädikat »Weinlokal«.