Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

 Restaurant
 Landhaus am Heidenturm
 Hauptstraße 10
 67596 Dittelsheim-Heßloch
 Tel. 0 62 44 / 919 55 44
landhaus-heidenturm@free...
www.landhaus-heidenturm.de

 Öffnungszeiten:
 Mo bis Di und Do bis Sa
 ab 17 Uhr,
 So 11.30 bis 14 Uhr u.
 ab 17 Uhr
 Mi Ruhetag


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 41,5 : 5 = 8,3
 
 8 Kochkappen  
 Essen 8,5  
 Trinken 8,0  
 Service 8,0  
 Ambiente 8,0  
 Preis-Leistung 9,0  

Werbung

RESTAURANTTEST


Neue Gaumenfreuden am Heidenturm

Seit Anfang des Jahres zelebriert Küchenchef Markus Voss in seinem pittoresken Landhaus eine handwerklich hervorragende und zudem kreative Küche, die schlicht Freude bereitet.

Nein, es ist nicht der Nabel der Welt. Wer am frühen Abend auf Dittelsheim-Heßloch zufährt, dringt tief ein in die Ruhe der rheinhessischen Landschaft. Das einzige, was stört, sind die unsäglichen Windkraftanlagen rund um den Ort, die vielleicht dereinst dafür sorgen werden, dass kaum noch jemand freiwillig hierher kommt. Aber lassen wir dieses Schreckensszenario außen vor und widmen wir uns den leiblichen Genüssen.

Derer gibt es jetzt wieder einige - und zwar im Landhaus am Heidenturm, das einige Zeit leer stand und seit circa einem Dreivierteljahr erneut mit Leben erfüllt ist. Küchenchef Markus Voss, der zuvor in der Kreuznacher Gegend aktiv wahr, hat hier etwas aufgebaut, was sich sehen und schmecken lassen kann. Aber eins nach dem andern, ich will schließlich Mister X nicht vorgreifen.

Schöner Freiluftbereich

»Aha«, tönt sein erster Ausruf, als wir von der uniquen Kreuzfahrerkirche, nach der das Restaurant benannt ist, auf das Etablissement zusteuern. Was ein bisschen stört, sind die Abfalltonnen, die den Gast linkerhand begrüßen. Dann aber gelangen wir zu einem Freisitzbereich, der gehobenen Biergarten-Charakter hat. Das typische Mobiliar ist neu, die grüne Farbe auf den Holzsparren der Tische noch völlig unversehrt. Hier nehmen wir Platz, fühlen uns sofort wohl und werden nur ein bisschen gestört vom Durchgangsverkehr, der wenige Meter neben uns signalisiert, dass Dittelsheim-Heßloch doch nicht ganz am Ende der Welt liegt.

Die Begrüßung von Seiten des Chefs ist sympathisch, freundlich und kein bisschen anbiedernd. Er erklärt uns, was er über die Standardkarte hinaus anzubieten hat, und das fruchtet bei uns. Aber der Reihe nach.

Vorweg gibt es ein Schälchen mit Grillgemüse und kleinen Käsebröckchen, dazu wird zweierlei Brot gereicht. Das lässt sich schon einmal recht gut an. Sodann greift Mister X zum Vorspeise-Steinbutt mit Zucchini, Pfifferlingen, Tomate und Schnittlauch (14 Euro). Das Ensemble ist dekorativ auf einer Schieferplatte angerichtet und erfreut des Meisters Gourmetherz: »Der Fisch ist außen gut gebraten, aber innen kein bisschen trocken. Wunderbar.« Mir ergeht es mit meiner Vorspeise nicht anders. Die »Dreierlei Landhaus-Tapas« entzücken mich regelrecht. In kleinen Einmachgläschen angerichtet, kommen sie auch optisch attraktiv daher. Ein Gläschen enthält Landschinken mit Melonensalat, das zweite einen köstlich-würzigen Wurstsalat und das dritte den absoluten Hit: Handkäs-Stückchen mit roten Zwiebeln. Äußerlich ähnelt selbiges kleingeteilter Ananas, geschmacklich ist es einfach eine Wucht. 10 Euro sind dafür angemessen. X haut nun richtig rein und nimmt sich des irischen Rumpsteaks an, das circa 250 Gramm wiegt und regulär 22 Euro kostet. »Das Fleisch ist ein klein wenig trocken, aber keineswegs zäh. Es ist gut gebraten und geschmacklich hervorragend.

Die Dips - argentinische Chimichurri- und Currysoße - sowie die Kräuterbutter passen ausgezeichnet, die Bratkartoffeln könnten aus Mutters Küche stammen«, kommentiert mein immerwährender Begleiter. Heute, am Dienstag, ist im Landhaus am Heidenturm Steaktag, und somit genießt Mister X sein Fleisch von der grünen Insel für 18 Euro.

Schwarzer Heilbutt - die Wucht!

Ich komme zurück auf ein Tagesangebot, das da heißt: Filet vom schwarzen Heilbutt mit geschmorten Chili-Aprikosen und Pfifferling-Risotto (20 Euro). Kurzum: Ich bin begeistert. Allein die optische Komposition aus der zarten orangebraunen Fischkruste mit den fast farb­identischen Aprikosen haut mich schier um. Und dann die Kombination aus der leichten Süße der Frucht und der Chili-Schärfe in einem zarten Gelee! Gar nicht zu reden vom grandiosen Heilbutt-Geschmack!

Anscheinend wirke ich wie paralysiert. »Komm, Lou, nimm deine Gedanken zusammen, und lass' uns fahren«, reißt mich Mister X aus meinen schönsten kulinarischen Schwelgereien. Ja, es ist nicht leicht, sich von diesem Landhaustisch zu trennen.

| Lou Kull

Fazit:

Im etwas abgelegenen Dittelsheim-Heßloch zwischen Alzey und der B9 gibt es gibt es jetzt - glücklichweise - wieder ein gastronomisches Highlight. Das Landhaus am Heidenturm ist zweifelsfrei auch eine längere Anreise wert. Küchenchef Markus Voss hat in kurzer Zeit eine höchst beachtliche Restauration geschaffen. Offensichtlich ist, dass er sein Handwerk versteht und es mit sympathisch-kreativen Ideen anreichert. In seinem Gasthaus geht es angenehm unprätentiös zu. Die Weine stammen in Mehrzahl von erwiesenermaßen hervorragenden Winzern aus der näheren Umgebung - etwa von Erbeldinger in Bechtheim, Uwe und Gerold Spies sowie Ruppert-Deginther aus Dittelsheim-Heßloch. Diesbezüglich bietet sich ein außerordentlicher Termin im Landhaus am Heidenturm an: die 1. Kulinarische Weinparty mit Livemusik am Freitag, 25. September, ab 18 Uhr. Einschließlich Buffet, Weinen und Wasser entstehen Kosten von 59 Euro pro Person.