Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Im Herzen Afrikas
  Gaustr. 38 · 55116 Mainz
  Tel. 06131 380 8111
  Fax 06131 380 0792
info@im-herzen-afrikas.de
www.im-herzen-afrikas.de

  Öffnungszeiten:
  Di bis Sa 18 bis 1 Uhr
  So 16 bis 22 Uhr
  Mo Ruhetag
Reservierung nur telefonisch:
  Mo 12 bis 20 Uhr
  Di bis So 10 bis 23 Uhr



 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 38,0 : 5 = 7,6
 
 8 Kochkappen  
 Essen 7,5  
 Trinken 7,0  
 Service 8,0  
 Ambiente 7,5  
 Preis-Leistung 8,0  

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RESTAURANTTEST


Zwischen Lehmhütte und Kolonialstil

In der Mainzer Gaustraße bietet das eritreische Restaurant »Im Herzen Afrikas« seit Jahresbeginn Exotisch-Schmackhaftes zu kommoden Preisen.

In Mainz findet man immer wieder Überraschendes, wenn es um die gastronomische Landschaft geht. Das kommt Mister X, den ich ohne Übertreibung als kulinarischen Weltenbürger bezeichnen möchte, natürlich entgegen. Da er diesbezüglich sein Ohr stets am Puls der Zeit hat, war er es denn auch, der auf die Idee kam, die Lokalität »Im Herzen Afrikas« zu besuchen. Quasi im Schatten von St. Stephan hat sich damit seit Anfang dieses Jahres ein sehr bemerkenswerter Restaurant-Exot etabliert.

Als wir den recht dunklen Gastraum im Parterre betreten, bin ich noch nicht wirklich begeistert. Es ist heiß und etwas stickig. Die freundliche junge Bedienung bietet uns daraufhin an, über eine halbe Wendeltreppe nach oben zu gehen, wo es weitere Plätze gibt. Diese Empfehlung stellt sich als absolut lohnenswert heraus. Hier können wir an einem langen, groben Holztisch an der Terrassentür im leichten Luftzug sitzen - die Rettung an diesem schwülwarmen Tag. Von hier aus schweift der Blick über ein mäßig attraktives Hofambiente.

Atmosphärisch fühlt man sich wie in einer Mischung aus Lehmhütte und Kolonialstil. Viel uriges Holz wurde als Boden und für die Möblierung verbaut, rauer Putz dominiert die Wände. Auf unserem Tisch stehen mehrere Sukkulenten-Töpfe, als Servietten dienen Kleenex-Tücher in einer dunkelrot-braunen Holzgeflechtschachtel. Deren Inhalt werden wir in der Folgezeit reichlich nutzen, da es »Im Herzen Afrikas« zu den Gepflogenheiten gehört, mit den Fingern zu essen.

Viele Speisen im 7-Euro-Bereich

Die Speisekarte ist angenehm übersichtlich, und es fällt uns sofort die sympathische Preisgestaltung ins Auge. Die überwiegende Zahl der Speisen bewegt sich im 7-Euro-Bereich. Zum Auftakt bestellen wir Hummus mit Fladenbrot (5 Euro) - auf Anraten des Chefs eine Portion für Mister X und mich zusammen. Dieser Tipp ist gut, da die Portion reichlich. Die als vegan ausgewiesene Vorspeise ist hübsch anzusehen und schmeckt hervorragend. Der Hummus besteht aus einer Kichererbsen-Sesam-Paste, Olivenöl und die eritreische Gewürzmischung Berbere aus Chili, Paprika und Bockshornklee geben dem Ganzen den geschmacklichen Pfiff. Das dazu servierte Fladenbrot wirkt ein wenig ledrig.

Wir tun gegenüber dem Chef, der wohl ein Mittdreißiger ist, kund, dass es uns hier gefällt, und kommen so ins Gespräch. Das Original von »Im Herzen Afrikas« besteht schon seit rund 15 Jahren in der Frankfurter Gutleutstraße und wird seit eh und je von derselben Familie aus Eritrea betrieben. Unser Gesprächspartner ist ihr seit Langem freundschaftlich verbunden und führt die Mainzer Filiale mit Küchenpersonal ausschließlich aus dem nordostafrikanischen Land, das 1993 die Unabhängigkeit von Äthiopien errang. Nicht alles, was hier geboten wird, ist - wie er unumwunden zugibt - original eritreisch, aber zumindest größtenteils afrikanisch.

Gemischter Teller verschafft Überblick

Sodann wählen wir den Gemischten Teller, die Spezialität des Hauses, weil wir damit einen guten Querschnitt des Angebots erhalten. Für 10 Euro kann man sich dieses Gericht mit fünf aus zehn Speisen zusammenstellen, die auch solo erhältlich sind. Mister X sucht sich die Nummern 1, 3, 4, 6 und 7 aus, was bedeutet, dass er dies auf dem Teller hat: Zigni Begie (geschnetzeltes Rindfleisch in scharfer Soße), Tzhada Kulwa (Rindfleisch mit gedünsteten Zwiebeln), Dorho (gekochtes Hähnchen in scharfer Tomatensoße), Ful (Bohnen, Paprika, Feta, Zwiebeln, Kreuzkümmel, Öl) sowie Timtimo (Linsen in Tomatensoße mit Zwiebeln). Ich nehme ebenfalls Dorho (Nr. 4), wähle darüber hinaus aber 5, 8, 9 und 10: Bamja (Okra-Gemüse mit Rindfleisch sudanesische Art), Alicha (gekochte Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, Paprika), Hamli (gekochter Spinat, Tomaten, Zwiebeln) und Schiro (gemahlene Kichererbsen in pikanter Tomatensoße).

Auf diese Weise decken wir praktisch das gesamte Hauptspeisen-Tableau ab und können wunderbar gegenprobieren. Dazu gibt es gemischten Salat und das hausgebackene Brot Injera, das zum Aufnehmen der Speisen unerlässlich ist. Hergestellt werden diese gerollten, weichen Fladen aus Weizen- und Maismehl, ihre Struktur erinnert ein wenig an Bienenwaben. Zum guten Schluss wird uns als Gabe des Hauses ein afrikanischer Schnaps serviert, der recht fruchtig schmeckt und in etwa 30 Alkoholprozente hat. »Bemerkenswert«, lässt X nach diesem finalen Genuss verlauten. Er scheint beeindruckt.

| Lou Kull

Fazit:

Im Herzen Afrikas« ist eine Bereicherung für die Mainzer Gastronomie. Sehr schmackhafte, exotische Speisen aus guten Zutaten für kleines Geld - was will man mehr. Gerne hätten wir in der Kategorie »Essen« eine höhere Ziffer als 7,5 gezogen, da es die Speisen und die Küche wirklich verdient haben. Allerdings wären wir in der Vergleichbarkeit mit anderen Restaurants in eine gewisse Schräglage geraten - hier stößt unser Bewertungssystem offensichtlich an Grenzen. Gut gefallen hat uns das von den Gastronomen in Frankfurt selbst gebraute helle Bier mit Namen Pembe (0,33 Liter 3,20 Euro). Von den angebotenen südafrikanischen Weinen hat uns der Viognier (0,2 Liter 6,90 Euro) am ehesten zugesagt, der Sauvignon blanc (4,50 Euro) geht als leicht, blumig und erfrischend durch, den Chardonnay (5 Euro) können wir nicht unbedingt empfehlen.