Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

  Hundertguldenmühle
  Mühle 2 · 55437 Appenheim
  Tel. 0 67 25 / 999 02 10 oder
  0 61 31 / 693 83 63
info@100Guldenmuehle.de
www.100Guldenmuehle.de

  Öffnungszeiten:
  Mi bis Fr ab 17 Uhr,
  Sa ab 13 Uhr,
  So & Feiertage ab 11.30 Uhr,
  Mo & Di Ruhetag


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 40,5 : 5 = 8,1
 
 8 Kochkappen  
 Essen 8,0  
 Trinken 7,5  
 Service 8,0  
 Ambiente 8,5  
 Preis-Leistung 8,5  

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RESTAURANTTEST


Mühlen-Idylle am Fuße des Hundertgulden

Die renommierte Köchin Eva Eppard hat sich in Appenheim ein zweites kulinarisches Standbein geschaffen. Es dominiert solid-ehrliche Küche mit Pfiff.

Appenheim birgt einen Schatz, der bislang ausschließlich von Spitzenwinzern des Ortes gehoben wurde: Aus der Lage Hundertgulden entstehen köstliche Kreszenzen - in der Regel Rieslinge -, die beim Lusttrinker wie beim Experten Wonnegefühle auslösen. Genau dort, am Fuße des Hundertguldenbergs, hat die renommierte Küchenchefin Eva Eppard, die die Kupferbergterrassen in Mainz zu anhaltendem Erfolg führte, sich ein kleines kulinarisches Refugium geschaffen, und zwar in der Hundertguldenmühle. Das alte Anwesen ist mittlerweile bestens restauriert und bildet den malerischen Rahmen für Gaumenfreuden.

Das Gasthaus liegt direkt am rheinhessischen Jakobsweg und ist gar Stempelstation für passierende Pilgerwanderer. Im Außenbereich stehen bei gutem Wetter reichlich Sitzplätze zur Verfügung, am plätschernden Bächlein vorbei betritt der Besucher durch eine uralte Tür mit Bedienungsanleitung(!) die Gaststube. Wir haben Glück, sitzen am einzigen Tisch oben auf der Galerie und genießen den Rundblick ins Lokal.

Hier ist es urig. Fachwerk und schwere dunkle Holzbalken sind die tragenden Teile, gewollt grob verputzte Wände in einem leichten Grau und grüne Gardinen harmonieren prächtig miteinander. Accessoires wie ein großer Kachelofen im Parterre und eine historische halbe Metallschütte an der Wand unserer Galerie setzen weitere rustikale Akzente. Dies tut auch die »Wanderkarte« mit »Kleinigkeiten zum Wein« (zweierlei Flammkuchen und die Wandervesper im Bereich zwischen 7 und 9 Euro), die signalisiert, dass in der Hundertguldenmühle nicht allein feines Publikum erwünscht ist.

Unspektakuläre Vorspeisen

Vorweg wird Mister X und mir Kräuterquark mit Graubrot serviert. Beides ist absolut frisch und geschmacklich ausgesprochen gut. Sodann wählt mein immerwährender Begleiter die gemischte Antipasti-Platte zu 9 Euro. »Ich erkenne diverses gegrilltes Gemüse und Frisée-Salat. Gurke ist dabei, Aubergine, rote und gelbe Paprika. Zudem finden sich in dieser Vorspeise luftgetrockneter Schinken, Ziegenkäse und grobes Meersalz. Das Dressing schmeckt angenehm. Insgesamt wirkt dieses Arrangement unspektakulär, aber sehr solide«, gibt X den ersten Kommentar des Abends ab. Mein Blattsalat mit Balsamico-Dressing und karamellisiertem Ziegenkäse (10 Euro) hinterlässt einen ähnlich unaufgeregten, wiewohl positiven Eindruck.

Im Weiteren widmet sich Mister X dem Rumpsteak vom Hunsrücker Rind mit Spargelgemüse und Rosmarinkartoffeln (19 Euro): »Das Fleisch ist erstaunlich zart, schön medium, wie ich es wollte. Die leicht angebratenen halben Pellkartoffeln sowie die Scheibchen von weißem und grünem Spargel als auch die kleinen Tomaten bilden den passenden Beilage-Rahmen. Das Preis-Genuss-Verhältnis dieser Speise stimmt.«

Exzellenter Mühlenburger

Heute variieren wir mal die Rollen. Während sich X mit dem Probieren einer Hauptspeise zufrieden gibt, gehe ich mit zwei Gerichten in die Vollen. Allerdings muss ich mich nicht der Völlerei bezichtigen lassen, da der »Mühlenburger mit 180 g Rindfleisch von der Metzgerei Weil mit Tomate, Gurke, Cheddar, Bacon, Pommes frites« (11 Euro) unter der Rubrik »Zwischengerichte & Kleinigkeiten« rangiert. Mein Eindruck: Das Fleisch ist von hervorragender Qualität und auf den Punkt gegart. Das Burgerbrötchen hat Knack, die Pommes sind fein. Besonderer Pfiff: Mayo, Ketchup und Dijonsenf werden in kleinen, original Heinz-Töpfchen gereicht.

Fehlt noch die Maispoularde mit mediterranem Gemüse und Rosmarinkartoffeln (17 Euro). Das Geflügelfleisch ist schön saftig, die Haut knusprig, das Gemüse hat einen intensiven Biss. Die dazu gereichte Jus präsentiert sich fruchtig-intensiv und unterstützt den Gesamtgeschmack aufs Beste. »Wohlan«, bleibt Mister X noch zu sagen, »beim nächsten Mal nehmen wir bitte wieder die gewohnte Rollenverteilung ein.« Ich widerspreche nicht, werde aber nach dem gerade erlebten Doppelgenuss darüber nachdenken.

| Lou Kull

Fazit:

Die Hundertguldenmühle von Eva Eppard ist eine schöne, pittoreske Ergänzung der rheinhessischen Gastronomielandschaft und ein echter Zugewinn für Appenheim. Das Ambiente stimmt - hier fühlt sich wohl, wer es zünftig mag, aber auch Gäste, die Edleres gewohnt sind, dürften ihre Freude haben. Die Speisen mit durchweg hochwertigen Zutaten sind handwerklich solide und dabei mit Pfiff zubereitet, der Service zeigt sich unaufdringlich freundlich und kompetent. Die Weinkarte frönt fast ausschließlich den rheinhessischen Gewächsen und dabei besonders jenen aus Appenheim. Da gibt es unter den Flaschenweinen gar eine eigene Abteilung für Rieslinge aus der Lage Hundertgulden (zwischen 16 und 29 Euro), in der die Weingüter Schweickardt, Franz, Gres, Hofmann, Knewitz und Bischel zeigen können, welch unglaubliches Potenzial dieser Appenheimer Weinberg und die hiesigen Winzer haben.