Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Laurenz
  Weinbar Restaurant Vinothek
  Gartenfeldstraße 9
  55118 Mainz
  Telefon: 0 61 31 / 216 86 60
  (ab 16 Uhr)
www.laurenz-mainz.de
mail@laurenz-mainz.de

Öffnungszeiten:
  So bis Do 17 bis 1 Uhr
  Fr und Sa 17 bis 2 Uhr


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 42,0 : 5 = 8,4
 
 8 Kochkappen  
 Essen 8,0  
 Trinken 9,0  
 Service 9,0  
 Ambiente 8,0  
 Preis-Leistung 8,0  

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RESTAURANTTEST


Überraschung in Qualität und Stil

Das »Laurenz« nahe Kaiserstraße und Hauptbahnhof bringt eine neue gastronomische Farbe nach Mainz. Unaufgeregt sympathisch und gut.

Mister X kann man wahrlich nicht vorwerfen, sich in eingefahrenen gastronomischen Mustern zu bewegen. Dafür spricht gerade auch unser jüngster Restaurantbesuch im »Laurenz« in der Mainzer Gartenfeldstraße. Äußerlich mit der Anmutung einer gemütlichen Eckkneipe, offenbart sich hier bereits nach kurzem Aufenthalt kulinarische und vinologische Klasse. Sitzgelegenheiten gibt es bei schönem Wetter auch draußen vor der Tür reichlich, drinnen dürften es rund 30 sein.

Schon der Empfang lässt auf einen frohgemuten Abend hoffen. Der freundliche junge Mann an der Weinbar begleitet uns zu einem freien Tisch, an dem uns eine junge Frau übernimmt, die X und mich während des gesamten Mahls mit natürlicher Unaufdringlichkeit, fröhlichem Gesicht, fixer Bedienung und Sachkunde erfreut. Das erlebt man nicht oft und genießt es daher umso mehr.

Das Ambiente ist angenehm nüchtern, aber nicht kühl. Weiße Putzwände, zur Straßenseite hin - logisch - durch Fenster und ein Backstein-Einsprengsel unterbrochen, graubraune Kunstleder-Sitzbänke, braune, rechteckige Tische in Fassdauben-Optik und grauschwarze Metallstühle, die bewusst und gekonnt eine Kunststoff-Anmutung vermitteln, lassen eine positive Atmosphäre entstehen

Kenntnisreiche Wein-Empfehlungen

Nachdem wir unsere Speisenwünsche vorgetragen haben, bitten wir unsere Bedienung, passende Weinempfehlungen auszusprechen. Das funktioniert prächtig, wie sich während des Essens herausstellt. Mister X probiert an diesem Abend einen trockenen 2014er Sauvignon blanc vom Weingut Weedenborn in Monzernheim (0,2 = 5,70 Euro), der durch Kraft, klare Struktur und moderates Rebsorten-Aroma besticht. Der Vergleichs-Sb von Münzenberger in Zornheim aus dem Jahrgang 2013 (4,30 Euro) ist dagegen der eher beerige und offensivere Wein. In nichts nach steht X' trockene Scheurebe von der Westhofener Winzerin Katharina Wechsler (5,20 Euro), die die immer wiederkehrende Frage rechtfertigt, warum diese Rebsorte in Rheinhessen bislang fast durchweg halbtrocken oder lieblich ausgebaut wurde.

Eher einfach, aber als Essensbegleiter sehr ordentlich präsentiert sich meine 2014er »K+K Der Liter Cuvée« (trocken) von Wechsler und Schätzel (3,50 Euro), beeinduckend der 2013er Silvaner (trocken) von Engel in Flörsheim-Dalsheim (4,60 Euro).

Wohlan, zum Essen. Mister X beginnt mit einer Portion Bauernbrot (1,50 Euro) und einem Kräuterdip (3 Euro) dazu. Sodann löffelt er die Spargelcremesuppe mit Bärlauchöl und Pancetta (7 Euro) aus. Ad 1: »Das Brot ist frisch, der Dip ebenso. Beides überzeugt in Konsistenz und Geschmack.« Ad 2: »Der Spargel in der Suppe ist schön bissfest, die Pancetta (italienischer Bauchspeck vom Schwein, divers gewürzt, Anm. d. Red.) lässt das Ganze allerdings etwas zu salzig erscheinen.« Völlig ohne Tadel präsentiert sich mein marinierter Pulpo mit Focaccia-Brotsalat, Staudensellerie und halbgetrockneten Tomaten (8,50 Euro). Dieses Vorspeisen-Ensemble ist optisch äußerst ansprechend gestaltet, und ich nehme bei seinem Genuss ein herrliches, frisches Sommeressen wahr.

Mister X will's wissen - mit zwei Hauptgängen

Wie wir längst wissen, lässt sich Mister X nicht lumpen, um festzustellen, wie die Speisenqualität des jeweiligen Restaurants zu bewerten sei. Daher nimmt er auch diesmal zwei Hauptspeisen, die ihn - ich nehme es vorweg - sehr zufrieden stellen beziehungsweise entzücken. In die erste Kategorie ordnet er das »Rib Eye« vom Limburger Klosterschwein (300 Gramm) mit lauwarmem Spargelsalat und Schalotten-Confit (24 Euro) ein. Das große Steak ist »ein bisschen trocken, aber ansonsten perfekt«. Und: »Der Koch hat den Mut, ein Stück vom Schwein als Rib Eye anzubieten. Ich muss sagen, die Ausführung rechtfertigt die Idee!« Alsdann widmet sich X der Maispoulardenbrust mit grünem Spargel, Maispolenta und Pesto von getrockneten Tomaten (16 Euro): »Das Geflügel ist wun­derbar saftig, was im Übrigen auch für die Polenta gilt, die ich mit Fug und Recht als Weltklasse bezeichnen möchte.«

Bleibt, meine Gnocchi mit Antipasti-Gemüse, frischem Basilikum und Pecorino (als Vorspeise 7 Euro, als Hauptgang 13 Euro) zu beschreiben. Frisch und angenehm würzig, bravo, köstlich sind die Attribute, die mir dazu einfallen. Ein Blickwechsel von Mister X und mir genügt, um zu wissen, dass wir nicht zum letzten Mal im »Laurenz« waren.

| Lou Kull

Fazit:

Das »Laurenz« ist eine echte Entdeckung und hat die besten Anlagen, der arrivierten Mainzer Gastronomie Beine zu machen. Hier sind jüngere und junge Leute am Werk, die offensichtlich Freude haben an dem, was sie tun. Und sie tun es mit Können. Die Speisen werden mit durchweg frischen, qualitativ hochwertigen Zutaten und handwerklich gut zubereitet. Enorm spricht ihre optische Präsentation an, und sie macht Appetit. Die Weine in Restaurant, Weinbar und Vinothek sind kenntnisreich ausgesucht, vieles, was in Rheinhessen Rang und Namen hat, ist mit von der Partie, ergänzt um einige bemerkenswerte französische Tropfen. Wir applaudieren und hoffen, dass das »Laurenz« beim Mainzer Publikum Furore machen wird.