Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Weinbar und Restaurant
Vis-à-Vis
  Friedrich-Ebert-Straße 53
  67574 Osthofen
  Telefon: 0 62 42 / 501 29 73
www.visavis-osthofen.de
info@visavis-osthofen.de

Öffnungszeiten:
  Mi bis Sa ab 18 Uhr,
  So ab 17 Uhr,
  Mo und Di Ruhetag


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 37,5 : 5 = 7,7
 
 7 Kochkappen  
 Essen 7,5  
 Trinken 8,0  
 Service 7,5  
 Ambiente 8,0  
 Preis-Leistung 7,0  

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RESTAURANTTEST


Optisch ein Genuss

Das Vis-à-Vis in Osthofen punktet mit Restaurant und Weinbar im hippen Weingewölbe, malerischem Innenhof und dekorativen Speisen.

Citrus Osthofen direkt vor den Toren der alten Reichsstadt Worms zeichnet sich zunächst durch eine ungewöhnlich lange Ortsdurchfahrt aus, die aber einiges für sich hat. An ihr, der Friedrich-Ebert-Straße, liegen bemerkenswerte Restaurationen - wie das Vis-à-Vis, das von Burkhard und Christine Spieß betrieben wird, die zur Familie des gleichnamigen Weinguts gehören. Folgerichtig werden im Vis-à-Vis, das Restaurant und Weinbar zugleich ist, zahlreiche Spieß-Weine angeboten - und auch solche von befreundeten Weingütern. Dazu später mehr.

Zunächst einmal sollte der Besucher darauf achten, die schmale Parkplatzeinfahrt zu erwischen. Wenn das geklappt hat, tritt man ein paar Schritte weiter in den Hof des Restaurants ein. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Strahlt die Sonne und reichen die Temperaturen aus, empfiehlt sich ein Plätzchen im Freien, wo auf Pflastersteinen Tische und Stühle aus Holz und Metall in gehobenem Biergartenflair stehen. Eine riesige Stechpalme, alte Olivenknorzen, die prächtig sprießen, und diverse andere dekorative Pflanzen signalisieren südländisches Ambiente.

Wer nach drinnen geht, wird ebenfalls nicht enttäuscht werden - im Gegenteil. Hier eröffnet sich ein feinstrestauriertes Kreuzgewölbe, in dem der Himmel aus blankem Ziegelstein und die rohen Säulen die rustikalen Akzente setzen. Alles andere - Tische, Stühle, Hochlehnersitzbank und vor allem die halbrunde, von indirektem Licht angestrahlte Weinbar - wirkt sehr modern und stilvoll. Die angenehme Atmosphäre setzt sich in den Toiletten fort, die mit feinen Materialien ausgestattet und blitzsauber sind.

Möhren-Mango-Cappuccino und Kräuter-Risotto

Ach ja, wir wollten auch essen, und zwar im lauschigen Hof. Nachdem uns eine Crème mit mediterranem Gemüse und Bärlauch sowie Weißbrot als Appetizer serviert worden ist, bestellt Mister X Möhren-Mango-Cappuccino mit Kokosnuss-Espuma zu 8,90 Euro. »Diese Suppe«, so X, »schmeckt tendenziell süß, und alles wirkt stark geschäumt. Von den Möhren schmecke ich wenig, Mango tritt hingegen deutlich hervor. Der Espuma-Schaum obenauf ist kalt.«

Ich befasse mich derweil mit meinem Kräuter-Risotto, das als Vorspeise 10,90 Euro, als Hauptgang 14,90 Euro kostet. Offensichtlich wurden hierfür viele unterschiedliche frische Kräuter verarbeitet, die Konsistenz ist nicht zu fest und nicht zu klebrig - kurzum: Mir konveniert diese Vorspeise. Sodann geht Mister X das Rumpsteak mit Ofenkartoffel, Sauerrahm und Salat an. Das Fleisch stammt laut Karte von Donald Russell aus Irland, womit Hochwertigkeit signalisiert werden soll. 26,90 Euro sind der Preis für dieses Gericht. X' Kommentar: »Ofenkartoffel, Sauerrahm und Wildkräutersalat sind in Ordnung, das Fleisch könnte etwas saftiger sein, es wirkt ein bisschen trocken.«

Seeteufel-Garnelen-Spieß, italophile Beilagen


Für mich steht als Hauptspeise der Seeteufel-Garnelen-Spieß mit toskanischem Pfannengemüse und Salbei-Gnocchi (24,90 Euro) auf dem Programm. Der Fisch im Arrangement ist saftig und zart, die Schalentiere zeigen sich knackig. Letzteres gilt auch für das Gemüse. Die quaderförmigen, außen ganz leicht angebratenen Gnocchi überzeugen bezüglich Konsistenz und Geschmack ebenfalls.

Da das Wetter an diesem Abend so sommerlich ist, ordern X und ich ein erfrischendes Dessert. Bei meinem Tischnachbarn kommt eine Kugel Passionsfrucht-Sorbet (3 Euro) auf den Tisch, das hübsch anzusehen ist und bei X normale Essfreude auslöst. Mein Kaffee-Eis verhält sich mir gegenüber ähnlich und kostet genausoviel. »Wohlan, meine liebe Lou«, höre ich Mister X sagen und weiß, was die Stunde geschlagen hat: Aufbruch. Seinem Gesichtsausdruck entnehme ich eine Dreiviertel-Begeisterung in Bezug auf das gerade Erlebte.

| Lou Kull

Fazit:

Das Vis-à-Vis überzeugt durch sein Ambiente, das vor allem im Kreuzgewölbe Maßstäbe setzt. Alle Gerichte, die wir probierten, waren sehr dekorativ angerichtet und schön anzusehen. Gleichwohl fehlte bisweilen geschmacklich und in der Konsistenz der letzte Pfiff. Den hätten wir bei den stattlichen Preisen allerdings erwartet. Insgesamt sind uns die Speisen - siehe etwa das irische Rumpsteak und das Fisch-Meeresfrüchte-Gericht - für das Gebotene zu teuer. Die Weinkarte ist zu loben, neben Gewächsen aus dem Familiengut werden auch solche von Weinreich, Hirschhof, Karl May, Gutzler und Winter angeboten, was für ein gesundes Selbstbewusstsein der Familie Spieß in puncto eigener Weinqualität spricht. Wir probierten von Spieß den 2012er trockenen Osthofener Goldberg Riesling und die trockene 2013er Cuvée aus Chardonnay und Weißburgunder, die mit 3,50 respektive 2,60 Euro im 0,1-Liter-Glas preislich nicht sehr günstig sind, qualitativ aber überzeugen. Wem danach ist, der findet im Vis-à-Vis auch eine Reihe interessanter Edelbrände. Der Service ist zurückhaltend und wirkt manchmal ein wenig angestrengt.