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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Citrus Restaurant und Bar
  Rheinstraße 2
  55116 Mainz
  Tel.: 0 61 31 / 21 67 15
  Fax: 0 61 31 / 50 43 45
www.citrus-mainz.de
info@citrus-mainz.de

Öffnungszeiten:
  So bis Do 10 bis 1 Uhr
  Fr und Sa 10 bis 2 Uhr

 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 37,0 : 5 = 7,4
 
 7 Kochkappen  
 Essen 7,0  
 Trinken 7,5  
 Service 7,5  
 Ambiente 8,0  
 Preis-Leistung 7,0  

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RESTAURANTTEST


Modern genießen in historischen Hallen

Das »Citrus« gegenüber der Fort-Malakoff-Passage bietet eine ideenreiche Küche, die nicht immer perfekt ist, und ein außergewöhnliches Bar-Ambiente.

Citrus

»Wahrscheinlich werden wir heute hauptsächlich auf junge Leute treffen«, bereitet mich Mister X auf unseren Restaurantbesuch vor, als er mit seinem SUV elegant die enge Kurve zum Parkhaus nimmt. In der Tat ist das Publikum im »Citrus« beim ersten Blick in die Runde eher neueren Geburtsdatums, wenngleich die 30- bis 40-Jährigen im Verlauf des Abends recht stattlich vertreten sind. Gegen 18 Uhr, als wir eintreten, besteht noch große Platzauswahl, zwei Stunden später ist die Halle rappelvoll.

Apropos Halle: Die Gäste sitzen hier in einem hohen Sandsteingewölbe, das Historie ahnen lässt. Und genau so ist es. Dereinst Teil der Mainzer Befestigungsanlagen, diente das Gebäude ab Mitte des 19. Jahrhunderts dem Betrieb der Hessischen Ludwigsbahn und später als städtische Fruchthalle. Die Kombination aus altem Gemäuer und moderner, fast ein wenig stylischer Einrichtung macht zweifelsohne einen Reiz für den Besuch der Restauration aus. Schwarze Sitzbänke in Leder­anmutung mit hohen Rückenlehnen sowie gleichfarbige Stühle und Tische, mit Klavier- oder Bootslack gestrichen, und Hochsitze vor einer riesigen Spiegelwand sind prägende optische Elemente - ebenso wie die hippe mehrarmige Lampe im Zentrum des Geschehens.

Das »Citrus« gliedert sich in zwei Abteilungen - den Restaurant- und den Barbereich. An der Bar fällt zu allererst der wie ein Paternoster ständig rotierende Flaschenregalaufzug ins Auge, der etliche unterschiedliche Getränke transportiert. Cocktails, Longdrinks und sonstige Specials füllen allein zwei DIN-A3-Seiten, die in Gesellschaft des übrigen Getränkeangebots gerollt im Glas stehen.

Marokkanischer Linsensalat

»Nun wollen wir aber mal was essen«, raunt Mister X schon ein wenig ungeduldig zu mir herüber. Im Gegensatz zu den überdimensionierten Getränkekarten wird uns das Speisentableau in DIN A5 und auf kleine Holztafeln geklemmt, die in dem besagten schwarzen Lack ge­halten sind, gereicht. Es gibt im Restaurant eine Frühstücks-, eine Mittags- und eine sogenannte Eventkarte, sodann die abendliche Speisekarte und zurzeit »Citrus grüßt den Frühling« - aus den beiden letztgenannten bedienen wir uns.

»Das klingt spannend!«, höre ich Mister X sagen, »Erbsensuppe püriert mit Ingwer, gerösteten Mandelstiften und lauwarmem Brot mit Kräuterfrischkäse.« Spricht's und bestellt die 7,90-Euro-Vorspeise. Ich wähle vorweg den Marokkanischen Linsensalat mit Tomaten, roten Zwiebeln, Cornichons, Koriander und Salatbouquet; der dazugehörige Ziegenkäse ist laut Karte mit Bio-Blütenhonig karamellisiert, alles zusammen kostet 11,50 Euro. Gemeinsam nehmen X und ich als Ergänzung Bruschetta mit frischer Burrata (Mozzarella) und Rucola-Pesto zu 9,50 Euro.

»Die Idee zu diesem Suppengericht ist gut, allein die Umsetzung nicht perfekt«, merkt X bezüglich seines Erbsen-Arrangements an. Und weiter: »Vom Ingwer ist kaum etwas zu schmecken, die Mandelstifte dominieren geschmacklich, insgesamt ist die Suppe - auch mangels Würze - ein bisschen langweilig. Dennoch: Lob an die Küche für den interessanten Einfall!« Mein nordafrikanischer Linsensalat erfreut mich, schmeckt er doch frisch und erfrischend. Alle Zutaten sind ganz fein gehackt, das zusätzliche Ensemble mit unter anderem Rucola und fein in Streifen geschnittenen Blattsalaten gibt sich knackig, der Ziegenkäse probiert sich angenehm mild und kräftig zugleich. An der Bruschetta fällt uns auf, dass das Brot etwas aufgeweicht ist und die rohen Zwiebeln leider den feinen Burrata-Mozzarella in den Hintergrund drängen.

Formidable Lammkoteletts

Bei den Hauptspeisen widmen wir uns ausschließlich fleischigen Genüssen. X nimmt sich der »Marrokanisch gewürzten Lammkoteletts mit gegrilltem Riesen-Pimento, feinen grünen Bohnen in Senfsauce & Gurken-Joghurt-Dip auf pikantem Pitabrot« (18,90 Euro) an. Das Fleisch sei exquisit, wird mir von gegenüber zugetragen, innen schön rosa und saftig. Allein die marokkanischen Gewürze dringen nicht bis zu Mister X' Wahrnehmung vor. Ich bin derweil mit dem Citrus-Burger beschäftigt, der als hausgemacht angekündigt wird, frischen Salat, rote Zwiebeln, Tomate und Gewürzgurke zwischen den Brötchenhälften enthält und von Pommes frites und Krautsalat in einer weißen Sauce begleitet wird (11,90 Euro). Leider ist das Fleisch megafein durch den Wolf gedreht und zu einer engen Masse gepresst. Der Geschmack reißt mich auch nicht von der Sitzbank. Aber insgesamt ist dieses Gericht für mich in Ordnung.

Zum guten Hauptspeisen-Schluss leisten wir uns das Wiener Schnitzel mit Gurken-Dill-Salat, Pommes frites und Preiselbeeren (17,10 Euro). Das Fleisch ist gut, die Panade könnte für unser Gefühl noch ein bisschen buttriger sein. Der Gurkensalat wirkt einen Hauch wässrig, da hätte es hilfreich sein können, ihn in Stifte zu schneiden. Doch das ist Kritikastern auf hohem Niveau. Als Nachspeise ordern wir die Citrus-Tarte zu 3,90 Euro, die auf der Karte als »Hausmarke« ausgewiesen ist. Leider fehlt uns der intensive Zitronengeschmack, und insgesamt erinnert und das süße Dreieck eher an einen Käsekuchen.

| Lou Kull

Fazit:

Das »Citrus« ist zweifelsohne eine interessante Location, die von vormittags bis in die Nacht ein vielfältiges Speisen- und Getränke-Portfolio vorhält. Die Küche arbeitet ideenreich, und alle Speisen, die wir gesehen haben, sind appetitlich angerichtet. Das geschmackliche Zusammenspiel der einzelnen Komponenten klappt allerdings nicht immer. Insgesamt finden wir die Gerichte recht teuer, was sich besonders auf die Vorspeisen bezieht. Das Getränkeangebot sucht seinesgleichen, wobei der Gast nicht unbedingt auf Cocktail & Co. zugreifen muss - die kleine feine Weinauswahl mit Kreszenzen der rheinhessischen Spitzenwinzer Gutzler, Fleischer und Gehring erfreut.