Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Nickl's Speisekammer
im Weingut Johanninger
  Hauptstraße 4-61
  55546 Biebelsheim
  Tel. 06701 4289823
  oder 01515 4725247
www.nickls-speisekammer.de
info@nickls-speisekammer.de

Öffnungszeiten:
  Do bis Sa ab 18 Uhr
  So 12 bis 14 und ab 18 Uhr
  zusätzlich mittwochs 3., 10.
  und 17. Dezember ab 18 Uhr


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 41,0 : 5 = 8,2
 
 8 Kochkappen  
 Essen 8,0  
 Trinken 8,5  
 Service 8,5  
 Ambiente 8,0  
 Preis-Leistung 8,0  

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RESTAURANTTEST

Highlight im Hinterland

Nickl's Speisekammer in Biebelsheim erfreut durch eine Küche mit guten Zutaten und kreativen Ansätzen sowie eine romantische Lage am Ortsrand von Biebelsheim.

Nickl's Speisekammer Mister X ist immer wieder ein Quell der Überraschung. Und in der jetzigen Jahreszeit, da man des Abends und auf schmalen Wegen oft nicht so genau erkennt, wo man sich gerade befindet, ist das Aha-Erlebnis umso größer, wenn das Fahrtziel erreicht wird. So wie jüngst, als X und ich in seinem SUV in den Parkplatz von Nickl's Seisekammer in Biebelsheim nahe Bad Kreuznach einbogen.

Biebelsheim liegt direkt auf der Nahtstelle von Rheinhessen und Nahe, das Weingut Johanninger, auf dessen Gelände sich das genannte Restaurant befindet, bearbeitet Lagen in beiden Anbaugebieten. Das Anwesen erstreckt sich beidseits der Straße, am höchsten Punkt des Ortes. Die Aussicht auf das Umland muss tagsüber herrlich sein - das schließen wir aus den weit tiefer liegenden Lichtern, die uns entgegen funkeln.

An wunderschön restaurierten, alten Backsteingebäuden vorbei betreten wir den Restauranttrakt, der in einem sehr angenehmen Mix aus Modernität und ländlichem Stil gehalten ist.

Acht Menü-Positionen

Carpaccio

Die Speisekarte besteht aus insgesamt acht Positionen, aus denen man sich ein Fünf-Gänge-Menü mit etwas kleineren Portionen zusammenstellen kann, das 45 Euro kostet. Jeder weitere Gang wird mit 7 Euro berechnet. Einzelne Speisen gibt es auch als Solo-Hauptgerichte, etwa ¼ Oldenburger Gans, knusprig gebraten, mit Blaukraut und Kartoffelkloß zu 25 Euro.

X und ich entscheiden sich für die Fünf-Gänge-Version. Zuvor wird uns ein Salat vom Gänseherzen im Glas gereicht, des Weiteren probieren wir selbstgemachtes Gänseschmalz mit Zwiebeln und Äpfeln. Als Unterlage für das Schmalz dienen zwei hausgebackene Brotsorten. Dies empfinden wir als köstlichen Einstieg in den Abend.

Knusprige Frühlingsrolle

Frühlingsrolle

Wohlan. X beginnt sein reguläres Menü nunmehr mit den Frühlingsrollen von der Hähnchenbrust, die von »pikanter Sojasauce« assistiert werden. Er schildert den Teig als knusprig, das Fleisch, das mit Kresse und Sojasprossen kombiniert ist, als angenehm in Konsistenz und Geschmack, die Sauce als fruchtig. Mein Carpaccio vom Hirschrücken mit Roche Baron und Preiselbeeren erweist sich als wundervolle gegenseitige Aromenergänzung, besonders dann, wenn die drei Bestandteile gemeinsam auf der Gabel landen.

Auch die Garnelen mit Steinpilz-Chutney und Pak-Choi-Gemüse erfreuen Mister X. Die Meeresfrucht sei außen knusprig und innen saftig - vorbildlich eben. Parallel genieße ich das Sauerkraut-Rahmsüppchen mit Speck und Blutwurst-Tarte. Die Suppe erschmecke ich als sensationell: cremig, leicht säuerlich und intensiv.

Beim dritten Gang verhalten sich X und ich unisono. Wir wählen beide das Filet vom Wolfsbarsch auf Miesmuschelragout. Der Fisch hat eine krosse Haut, ist ansonsten saftig. Fein gehackte Karöttchen und Zwiebeln begleiten ihn. Die Sauce zeigt einen deutlichen Muschelton. »Dieses Ensemble wirkt harmonisch, allerdings fehlt ihm ein wenig der Pfiff, den ich mir wünschen würde«, bescheidet Mister X.

Auch beim folgenden Gang beschreiten wir gleiche Wege, sprich: Hüben wie drüben kommt das Schaufelstück vom US-Beef mit Trüffel-Risotto auf den Tisch. Das Fleisch zeigt sich in einem zarten Rot, das Risotto mutet süßlich-würzig an, ein wenig Knoblauch - gut eingewoben - ist zudem im Spiel.

Schlusspunkt nicht au point

Kommen wir zum Schlusspunkt. Den setzt bei Mister X die oben bereits erwähnte Gans. »Hierbei geht, wie ich leider anmerken muss, die teilweise zu dunkle, angetrocknete Schnittfläche zu Lasten des Gesamteindrucks«, kritisiert X und fügt an: »Sicherlich ist es immer schwierig, eine so kleine Portion Gans auf den Punkt zu präsentieren, sie muss früher vorbereitet sein und wird zumeist ein zweites Mal aufgebacken«, zeigt er ein gewisses Verständnis für die Küche.

Auch mein Abschlussgang stellt mich nicht wirklich zufrieden. Bei dem Schweizer Raclette »ganz klassisch« mit Gürkchen und Perlzwiebeln ist der Käse bestenfalls lauwarm und lässt sich gummiartig ziehen. Die Kartoffel, die links unter dem Käse ruht, schmeckt völlig salzlos und somit fad. Das reißt die Birne rechts nicht mehr raus. Dazu kommt, dass das Ganze auf einer Schieferplatte serviert wird. Da geht jeder Messerschnitt akustisch durch Mark und Bein. Nach diesem von Nickls »Amuse gueule Menü« genannten Parforceritt durch die hiesige Küche sind wir wohlgesättigt. »Ein schönes Konzept - hier im Hinterland«, kommentiert X und fordert mich mit unnachahmlicher Kopfbewegung zum Gehen auf.

| Lou Kull

Fazit:

In Biebelsheim haben Frank und Monika Nickl nach Engagements im Millennium in Ingelheim und in Wasems Kloster Engelthal einen Platz gefunden, an dem sie in vollkommener Selbständigkeit schalten und walten können. Das Konzept mit der Menükarte finden wir gut, es bietet dem Gast die Möglichkeit, in einer überschaubaren Zeit viele verschiedene Geschmackseindrücke zu erhalten, ohne sich am Ende übersättigt zu fühlen. Offensichtlich verwendet Küchenchef Frank Nickl sehr gute Zutaten, und er hat kreative Ideen, die er zur Freude der Gäste auch wirkungsvoll umsetzt. Seine Frau Monika leitet den Service auf charmant-unaufgeregte Art. In allem spürt man, dass sie Gastronomie-Profi ist. Die Verbindung von Nickl's Speisekammer mit dem Weingut Johanninger scheint gelungen zu sein, was sich auch auf die Weinauswahl auswirkt. Wir haben den Sauvignon blanc (6,20 Euro für 0,2), den Grünweiß (Sauvignon blanc und Silvaner, 4,50 Euro) sowie die Cuvée rot (4,20 Euro) und den Pinot noir (7 Euro) des hiesigen Betriebs zum Menü probiert und fanden probate, qualitativ hochwertige Essenbegleiter vor. Über das breite Angebot an Ausschankweinen auch anderer renommierter Weingüter hinaus entfaltet die Flaschenweinkarte einen eigenen Reiz: Hier sind Kreszenzen aus Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, der Schweiz und Übersee versammelt, die so manchen Weinliebhaber mit der Zunge schnalzen lassen.