Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Landgasthaus & Hotel
Mainzer Hof
  Binger Straße 41
  55262 Heidesheim
  Tel.: 0 61 32 / 71 15 83
  Fax: 0 61 32 / 71 19 37
www.mainzerhof.de
info@mainzerhof.de

Öffnungszeiten:
  Montag-Samstag 17-23 Uhr
  sonn-/feiertags 11.30-14 Uhr
  und 17 bis 23 Uhr
  kein Ruhetag


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 33,0 : 5 = 6,6
 
 6,6 Kochkappen  
 Essen 6,5  
 Trinken 6,5  
 Service 7,0  
 Ambiente 6,5  
 Preis-Leistung 6,5  

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RESTAURANTTEST

Noch ein echtes Gasthaus

Der »Mainzer Hof« in Heidesheim versetzt optisch in frühere Zeiten zurück, die Küche ist vom Grunde her solide, sollte aber mit Hilfe kleiner Verbesserungen zulegen.

Mainzer Hof Heidesheim gehört zu den rheinhessischen Ortschaften, die, wenn man sie auf der Hauptstraße durchfährt, nicht zu enden scheinen. So geht es mir jedenfalls, als mich Mister X in seinem stattlichen SUV von der Hauptstadt kommend Richtung »Mainzer Hof« in der Gemeinde am Rhein chauffiert. Das »Landgasthaus & Hotel« - so wird es von den Betreibern avisiert - liegt direkt an der Binger Straße und bietet einen nicht allzu großen Parkplatz links des Hauptgebäudes. Ein umgedrehtes Holzschild am Eingang signalisiert, dass es im Sommer einen Toskana-Garten gibt, der klassische Gasthaus-Charakter erschließt sich sofort beim Eintreten.

Wie von einer Empore schreiten wird drei, vier Stufen hinunter in den riesigen Gastraum. Hier muss in früherer Zeit das Zentrum des abendlichen örtlichen Lebens gewesen sein. In meinem imaginären Ohr höre ich draußen die Peitsche des Kutschers knallen. »Halloooo, Lou«, reißt mich X aus meinen Gedanken, »wollen wir uns nicht setzen?« Er hat Recht. Wir nehmen Platz an einem der urigen Holztische, von dem aus wir das gesamte Geschehen überblicken können. Hochlehnerstühle ohne Armlehnen in schwarzer Lederoptik bringen einen Hauch Modernität ins Ambiente, die hellen Bodenfliesen sind zeitlos. In der Mitte des hallenartigen Raums sitzt niemand, alle haben sich in die Nischen am Rand zurückgezogen. Das bedeutet lange Wege für die beiden weiblichen Bedienungen.

Mainzer Hof

X lässt sich empfehlen

Mister X hält sich zunächst an die »Empfehlungen« in der Speisekarte und bestellt das Rinder-Carpaccio zu 10,90 Euro. »Das Fleisch ist in Ordnung, ich schmecke deutlich Zitronensaft und Essig. Die Spritzer Balsamico dienen eher zur Dekoration denn zur gezielten Geschmacksbeeinflussung. Rucola und Parmesanstifte geben diesem Gericht einen gewissen Pfiff«, lautet sein Resümee.

Ich neige zum gebratenen Schafskäse mit Tomaten, Oliven, Paprika, Knoblauch, Kräutern und Baguette (9,90 Euro) aus der Rubrik »vegetarisch«. Dieses Ensemble ist geschmacklich nicht schlecht, allerdings ertrinkt der Käse fast in lauwarmem Olivenöl. Erst als ich ihn samt Garnitur aus dieser Soße heraushebe und auf einen anderen Teller umbette, setzt so etwas wie Essvergnügen ein.

Mainzer Hof

Zander küsst Lachs

Mister X versucht es als Hauptgang mit dem Arrangement »Zander küsst Lachs« (17,90 Euro), das von Blattspinat, Rosmarinkartoffeln und einer »feinen Rieslingsauce« begleitet wird. Nach den ersten Bissen hellt sich seine Miene auf: »Der Lachs ist gut angebraten, der Zander schön auf der Haut gegart. Für einen Dorfgasthof finde ich es beachtlich, ein derartiges Gericht auf der Karte zu führen.« Allerdings entpuppt sich die Sauce als säuerliche Bechamel-Paste. Zuvor Gesagtes gilt auch für mein »Wildedelgulasch« mit Spätzle und Preiselbeeren zu 18,90 Euro. Welcher Gasthaus-Koch müht sich schon mit einem Schmorgericht ab? Das Fleisch ist sehr zart und faserig, aber leicht zerkocht, die Soße ist dunkel. Ein kleiner Wermutstropfen ist der schmale ölige rote Rand um sie herum. Die Spätzle wurden leicht angebraten.

Mainzer Hof

Bezahlen schwierig

»Ach ja«, lässt Mister X vernehmen, während er sich mit seiner Serviette den Mund abtupft. »Die Rechnung bitte.« Das Bezahlen erweist sich nun allerdings als nicht so einfach. Sowohl EC- als auch Kreditkarte werden von dem ambulanten Übertragungsgerät abgewiesen. »Vielleicht hat ja der Sturm da etwas durcheinandergebracht«, versucht die freundliche Bedienung die Situation zu retten. Auch die telefonische Beratung mit ihrem Chef bringt keine Besserung, schließlich begleichen wir unsere Zeche in bar.

Fazit:

Das Landgasthaus »Mainzer Hof« hinterlässt bei uns eine zwiespältige Erinnerung. Einerseits haben wir gemerkt, dass die Küche durchaus noch leistungsfähiger wäre, wenn die Karte verschlankt würde - dann könnte die Küche mehr Aufmerksamkeit auf gewisse Feinheiten legen und die Qualität steigern. Die Teller, die hier gereicht werden, sind oft überreichlich gefüllt, weniger wäre mehr. Es fällt uns zum Beispiel auf, dass an den Nebentischen ein Großteil der Beilagen zurückgeht.

Mainzer Hof Insgesamt sind die Speisen - jedenfalls die, die wir probierten - für das Gebotene zu teuer. Der Service im »Mainzer Hof« ist freundlich und bemüht, wirkt aber nicht immer eins mit der Küche, will sagen: Hier arbeiten zwei Abteilungen nebeneinander, die enger ineinander greifen dürften. Das rustikale, leicht retromäßige Ambiente wird den einen gefallen, die anderen dürfte es eher abschrecken. Die Ausschankweine auf der Karte stammen überwiegend von Winzern, die nicht zur ersten rheinhessischen Garde gehören. Ein trockener Blanc de noir, den wir probierten (3,80 Euro für 0,2 Liter), hatte Bittermandel im Aroma, der mit Gold prämierte trockene Weißburgunder (4,50 Euro) war in Ordnung.

| Lou Kull