Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Hintz & Kuntz
  Römerstraße 54
  55116 Mainz
  Tel. 0 61 31 / 144 47 07
www.hintzundkuntz.de


Öffnungszeiten:
  Dienstag - Samstag 10-1 Uhr
  Sonntag & Montag 10-24 Uhr

 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 36,0 : 5 = 7,2
 
 7 Kochkappen  
 Essen 7,0 
 Trinken 7,5 
 Service 7,0 
 Ambiente 7,5 
 Preis-Leistung 7,0 

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RESTAURANTTEST

Modern, frisch, jung - einfach angenehm

Bei »Hintz & Kuntz« treffen sich die Generationen, schauen - wenn sie möchten - auf den Dom, essen auch mal etwas Ausgefallenes und schlürfen Lomorados.

Hintz & Kuntz Mister X ist, wie wir wissen, immer für eine Überraschung gut. Als wir an einem jener letzten schönen warmen Tage des Spätsommers durch Mainz schlendern, verrät er mir lange nicht, wo unser heutiges Ziel sein wird. Es geht am Dom vorbei, darauf am Gutenberg-Museum - und dann bleibt der Meister stehen. In großen Lettern steht da über der breiten verglasten Front geschrieben: »Hintz & Kuntz«.

Aha. »Nun, meine liebe Lou, dann wollen wir mal«, spricht X, und schon sitzen wir vor dem Gebäude zwischen lauter freundlich dreinblickenden Menschen jugendlichen und jungerwachsenen Alters, inmitten von Best-Agern und Jung-Senioren. Offensichtlich zieht die Offenheit dieses Ortes alle an. Aber das allein kann es nicht sein.

»Ist das ein Schreibfehler da oben an der Hauswand?«, frage ich Mister X keck. »Nein, nein«, bemüht sich mein Begleiter, die vermeintliche Schreibschwäche der Gastronomen ins Positive zu ziehen, »das T in Hintz und Kuntz ist ein gezielt gesetzter Gag.« Na dann.

Während X im Speisen- und Getränke-Tableau stöbert, gehe ich auf Entdeckungstour durchs Innere des Anwesens. Hier schaut es nach den 50er Jahren aus. Herzförmige Tischchen, die an die Nierentische jener Zeit erinnern, und entsprechende Sesselchen sowie ein ansonsten modernes Ambiente lassen Vergangenheit und Moderne verschmelzen. Vielleicht ist das der Kunstgriff der Gastronomen, der die Location für viele so attraktiv macht.

Fast schon avantgardistisch

Auf dem Weg nach oben, Richtung Toilette, wird's architektonisch und wandgestalterisch fast schon avantgardistisch, lediglich die bildliche Darstellung der Geschichte des Hauses als Binding-Gastro-Dependance führt wieder ein wenig ins Rhein-Main-Urtypische zurück. Die Toilettenanlagen sind übrigens pieksauber, und eine junge Frau wischt gerade ordentlich durch.

Als ich am Freisitz zurückbin, weist mich Mister X sogleich auf eine Spezialität des Hauses hin. »Schau mal, hier gibt's die Mainz-weit berühmten Lomorados.« Das sagt mir zunächst nichts, aber mein schlauer Begleiter klärt mich umgehend auf. »Also: Bei den Lomorados handelt es sich um köstliche, hausgemachte Limonaden, die im »Lomo« am Ballplatz - sozusagen die Mutter-Restauration des ¸Hintz & Kuntz' - kreiert wurden.« Nochmals aha.

»Nun möchte ich aber was Gutes essen«, drängle ich ein wenig. X hat natürlich die passende Antwort parat und ordert »Tapas aus deutschem Lande«, und zwar in der Hähnchen-Pfirsich-Variation »in pikanter Kokosmilchsauce« (4,20 Euro). »Ja, diese kleine Vorspeise sagt mir zu. Ich finde sie sogar ein wenig asiatisch angehaucht, auch in der Darbietung in diesen kleinen weißen Schalen«, kommentiert der Kenner. »Fehlen nur noch die Stäbchen«, retourniere ich etwas schnippisch.

Tapas

Ich greife ebenfalls in die Tapas-Abteilung, und zwar mit marinierten Garnelen, roten Zwiebeln und wiederum »pikanter« Tomatensauce (4,50 Euro). Ich gebe gerne zu, selten so viele Garnelen in einem Gericht mit so begrenztem Volumen gesehen zu haben. Das Ganze schmeckt recht scharf, von den Garnelen muss ich teilweise die harte Schale abpflücken.

Vielzahl von Tapas-Versionen

Mit meinem Apetizer bin ich noch nicht zu Ende, da wird meinem Vis-à-vis bereits die nächste Tapas-Variation aufgetischt: Rindfleisch und Gemüse, geschmort in Dornfeldersauce (4,50 Euro). »Tja, liebe Lou, ich möchte einfach mal schauen, wie ideenreich die unterschiedlichen Tapas hier angelegt sind. Und in der Tat: Mit dieser Kreation ergibt sich wiederum ein ganz neues Geschmacksbild. Kresse und Rosmarin setzen dabei nicht unerhebliche Akzente«, begründet X sein ungewöhnliches Vorgehen.

Dem Tafelspitz widmet sich die Küche im »Hintz und Kuntz« ebenso in vielfältiger Weise. Es gibt ihn als Vorspeisensalat mit grüner Sauce, Himbeeressig-Walnuss-Vinaigrette, Rauke und Pfirsich für 6,90 Euro und in drei Hauptgang-Erscheinungsbildern zu je 10,90 Euro. Mister X wählt die klassische Version mit Meerrettichsauce, Wurzelgemüse und Kartoffeln in Bouillon. Bis darauf, dass sich Sauce und Bouillon mit der Zeit nicht sehr malerisch miteinander vermischen, ist's mein Co-Esser zufrieden: »Der Tafelspitz ist qualitativ gut und schmackhaft, wenngleich an der einen und anderen Stelle einen Tick zu zäh. Das Gemüse stellt sich erfreulich bissfest dar.«

Wiener Schnitzel

Ich verspeise derweil ein Wiener Schnitzel, also vom Kalb, mit Zitrone, Pommes frites und Salat (15,90 Euro). Die Panade ist originalgerecht gewellt, das Fleisch vielleicht etwas zu trocken. Auf der Zitrone fehlt die klassische Garnitur aus Kapern im Sardellenröllchen. Der Beilagensalat ist schön drapiert, das Dressing passend, er enthält Radieschen, Karotten, Gurkenscheiben, Lollo rosso und bianco, Tomate und Granatapfel.

Currywurst nicht notwendig

Fast möchte ich es nicht glauben, aber es stimmt: Vor Mister X baut sich nun noch eine Currywurst mit Pommes zu 5,90 Euro auf. »Die Sauce ist offensichtlich selbstgemacht, wirkt auch anfangs frisch, wird dann aber ein bisschen matt. Wurst und Pommes möchte ich schlichtweg als normal bezeichnen.« Dieser Ausflug ins Imbiss-Essen hat sich für meinen immerwährenden Begleiter nicht so recht gelohnt, trübt den positiven Gesamteindruck vom »Hintz & Kuntz« aber keineswegs wesentlich. »Eine nette Location habt ihr hier«, raunt er der Bedienung beim Bezahlen etwas zu gewollt jugendlich zu. Sie kontert mit einem charmanten Lächeln.


Fazit:

Das »Hintz & Kuntz«, ein Ableger des Lomo am Ballplatz der Brüder Ivecen, hat in der Tat seinen Reiz. Es strahlt Offenheit und Modernität mit einem zarten Mobiliar-Rückgriff auf die 50er Jahre im Innern aus. Hier kommen Jung und Alt zusammen. Der Blick von den Außentischen direkt vis-à-vis zum Dom ist schon beeindruckend und ein Pfund, mit dem das Lokal wuchern kann. Die Bedienungen sind jung, flott, freundlich und bemüht. Bezüglich des Essens freuten wir uns, bodenständige Qualität einerseits und einen Schuss Kreativität andererseits zu entdecken. Hippe Getränke sind eine Spezialität des Hauses, die Weinkarte erzählt, dass man es mit dem Rebensaft im »Hintz & Kuntz« nicht so wichtig nimmt.


| Lou Kull