Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Landhaus Dubs
  Am Mühlpfad 10
  67574 Osthofen
  Tel. 0 62 42 / 912 52 05
  Fax 0 62 42 / 912 52 06
landhaus@dubs.de
www.dubs.de


  Öffnungszeiten:
  Öffnungszeiten:
  12 bis 14 Uhr und
  18 bis 22 Uhr,
  samstags ab 18 Uhr,
  Dienstag Ruhetag


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 45,5 : 5 = 9,1 Kochkappen
 
 9 Kochkappen  
 Essen 9,5 
 Trinken 9,5 
 Service 8,5 
 Ambiente 9,0 
 Preis-Leistung 9,0 

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RESTAURANTTEST

Beim Pionier der regionalen Top-Küche

Wolfgang Dubs hat die rheinhessische Spitzengastronomie geprägt wie kein anderer. Sein Landhaus in den Weinbergen ist schon fast ein magischer Ort.

Dubs »Ich freu' mich«, höre ich Mister X sagen, als wir in Mainz losfahren. Merkwürdig, mein Lieblings­essens­begleiter wirkt mental aufgeräumt und entspannt wie selten, seine Gesichtszüge sind von Milde geprägt. Dann erzählt er mir schwärmerisch von Wolfgang Dubs, der vor vielen Jahren als erster überhaupt der rheinhessischen Gastronomiewüste Leben eingehaucht habe. Er sei sozusagen der Urvater der hochklassigen Küche in unserer Region. Na, jetzt bin ich aber mal gespannt.

Die Anfahrt zum Dubsschen Anwesen gestaltet sich vielversprechend: Das Landhaus befindet sich in Alleinlage inmitten der Weinberge, ein riesiges Zeltdach überspannt die Terrasse, auf der man vortrefflich die Müh' und Last des Alltags vergessen kann. Die Möblierung ist in graubrauner Bastoptik gehalten, eierschalenfarbene Damastdecken liegen auf zumeist großen Tischen, an denen zumindest sechs Personen kommunikativ tafeln können. Der Service wirkt bei der Platzwahl zunächst etwas sperrig, wird mit der Zeit aber gelassener, und es huscht dann schon mal ein Lächeln übers Gesicht.

»Ist das nicht klasse«, höre ich X sagen, »hier gibt's ein tägliches Stammessen für 9 Euro 80! Heute sind Gemüsesuppe und Kohlroulade dran.« In der Tat, das klingt günstig, zumal bei Betrachtung der stattlichen krautummantelten Hackfleischrollen, die an diversen Tischen aufgetragen werden. Wir allerdings entscheiden uns für andere Köstlichkeiten.

Dubs

Meerrettich-Quark als Gruß

Als Gruß aus der Küche sendet Meister Dubs einen Meerrettich-Quark sowie Olivenöl und grünes Kräutersalz, dazu Weißbrot. Ein gelungenes Entrée. Mister X nimmt sodann die Karotten-Ingwersuppe mit Chili und grillierten Garnelen zu 7,80 Euro: »Genau so habe ich mir das Essvergnügen hier vorgestellt. Die Suppe hat eine perfekte Konsistenz, die einzelnen Zutaten sind für sich genommen sensorisch deutlich erkennbar und gehen gleichzeitig miteinander eine brillante Symbiose ein. Geschmacklich ausgezeichnet, dieses Arrangement.«

Auch ich bin bezüglich meiner Vorspeise hoch zufrieden - nein, eigentlich regelrecht begeistert. Da gerade Matjeszeit ist, hat Wolfgang Dubs eine entsprechende Zusatzkarte mit fünf typisch nordischen Gerichten zusammengestellt, aus der ich »Holland-Matjes auf Katenbrot mit roten Zwiebeln und Honig-Dill-Senfsauce« (7,50 Euro) wähle. Die Präsentation dieser Speise ist ein Fest für die Augen, und ich esse hier und heute wohl die zartesten Matjes meines Lebens.

»Wohlan«, lässt X vernehmen, als er sich mit großen Augen nun seinen Kalbsnierchen in Estragonsenf-Schaum mit Kartoffelschmarren (19,80 Euro) widmet. »Formidabel«, klingt es zwischen zwei Bissen zu mir herüber. »Die Nierchen sind au point, der feine Schaum und die knusprige Kartoffelzubereitung begleiten die Innereien aufs Beste«, führt Mister X seine Analyse fort.

Dubs

Auch kalt eine Köstlichkeit

Für mich kommt nun ein Gericht auf den Tisch, das eigentlich als Vorspeise zu 16,80 Euro avisiert ist. Die weibliche Bedienung hatte mir den Tomaten-Brotsalat mit gegrillten Scampi aber nach den Matjes empfohlen, gemäß der Richtlinie: kalte Vorspeise, warme Hauptspeise. Hmmm, wahrnehmbar haben weder Salat noch Schalentiere eine höhere Temperatur als der zuvor aufgetragene Fisch. Es sei jedoch verziehen, da auch so alles über die Maßen köstlich mundet.

Wie jeder richtig gute Restaurateur lässt Wolfgang Dubs seine Speisekarte nicht ausufern. Fünf Vorspeisen, eine Suppe, eine vegetarische Speise, zwei Fisch- und vier Fleischgerichte genügen vollauf, um seine Küchen-Virtuosität zu zeigen und den Gast rundum zu erfreuen. Dazu das mittägliche Stammessen und - momentan - die Matjeskarte. Nicht zu vergessen das Sonntagstableau!

Dubs

Zweites großes Thema: Wein

Ein zweites großes Thema für Gastronom Dubs ist offensichtlich der Wein. X und ich sind gerade im Begriff aufzustehen, da hält uns der Chef mit dem Satz zurück: »Ihr müsst unbedingt noch was Frisches probier'n!« Dieser Ausspruch sorgt augenblicklich dafür, dass wir in unsere Bastsessel zurückplumpsen. Pinot noir rosé brut 2012 - in unseren Gläsern perlt nun ein unglaublich rassiger Sekt, der so recht zu diesem heißen Sommermittag passt. Der herausragende Tropfen stammt aus Dubsscher Produktion, ebenso wie einige Weiß- und Rotweine, die in der hauseigenen Vinothek erhältlich sind.

Jetzt ist meine Neugier geweckt, und ich schaue mir die Weinkarte des Restaurants intensiv an. Sie liest sich wie ein Kompendium des qualitativ hochwertigen Rheinhessenweins, praktisch alles von Rang und Namen ist dabei. »Und sieh' dir das an, liebe Lou, Dubs führt allein 17 Weiße, drei Rosé und elf Rote als offene Weine. Dieser Mann weiß einfach, was des Feinschmeckers Herz zum Essen erfreut«, jubelt Mister X, dessen Euphorie ich mittlerweile uneingeschränkt teile.

Dubs

Fazit:

Wolfgang Dubs ist ein Unikat. Wer bestimmte Standards bezüglich Essen und Trinken im Hinterkopf hat, sollte sich vor dem Besuch im Landhaus davon verabschieden. Der Maître hat eine ganz eigene Handschrift, die der Gast einfach nur auf sich wirken lassen sollte, um anschließend beglückt von hinnen zu gehen.

Besonderen Charme verbreitet die Tatsache, dass Dubs um das Zusammenspiel von Essen und Wein so gut Bescheid weiß wie kaum ein anderer. Hier ist ein Gastronom mit Herzblut bei der Sache, der sein großes Können in einer traumhaft schönen Umgebung voll ausspielt.

| Lou Kull