Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

LaGallerie
  Gaustraße 29
  55116 Mainz
  Tel. 0 61 31 / 696 94 14

genuss@lagallerie-mainz.de
www.lagallerie-mainz.de

Öffnungszeiten:
  Di bis Sa 11.30 bis 14.30 Uhr
  und 18 bis 23.30 Uhr
  So und Mo Ruhetag

 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 44,0 : 5 = 8,8 Kochkappen
 
 9 Kochkappen  
 Essen 9,0 
 Trinken 9,0 
 Service 9,0 
 Ambiente 8,5 
 Preis-Leistung 8,5 

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RESTAURANTTEST

Großartige Küche in der Gaugass'

Bei LaGallerie stimmt nicht nur das Handwerk - hier wird der Gast auch mit illustrer Kreativität erfreut. Kurzum: Essen und Trinken auf hohem Niveau.

LaGallerie Mister X hat einen strammen Schritt drauf. Anscheinend weiß er sehr genau, was er will. Schließlich stehen wir vor dem Restaurant LaGallerie in der Gaustraße, von wo aus durch eine Häusernische der Blick auf die Kirche St. Stephan mit den Kirchenfenstern von Chagall fällt. Drinnen ist klare Modernität angesagt. Schwarze, lederbezogene Sitzbänke umrahmen das Mobiliar, die Tische sind ebenfalls in dunklem Ton gehalten, helle Stofftischdecken und -servietten bilden einen zarten Kontrast. Die Theke im Barstil wirkt zusätzlich stylisch.

X hat dafür im Moment nicht den rechten Nerv. Ihn interessiert die Speisekarte. Jene ist klar gegliedert und erfreulicherweise nicht überfrachtet. Da wir uns mitten in der Saison des königlichen Gemüses befinden, wählt mein Begleiter vorweg die Spargelcremesuppe mit Schwarzwälder Schinken-Praline und Schinkenchip für 8,50 Euro. Sein Kommentar: »Samtig, schaumig die Suppe, geschmacklich großartig die Einlage!« Darüber hinaus erfreut ihn, dass das Süppchen elegant aus der Kanne eingeschenkt wurde.

LaGallerie

Fein austariertes Pulpo-Carpaccio

Mich hingegen begeistert eine feste Speise, das Carpaccio vom Pulpo, also Tintenfisch, mit gebratenem Spargel für 14,50 Euro. So etwas fein Austariertes ist selten auf meinen Teller gelangt, demgemäß genieße ich es umso mehr. Während ich noch die hauchdünnen, marmorierten Carpaccioscheiben bewundere, hat sich X eine weitere Vorspeise kommen lassen, die thematisch zu seiner ersten passt: »Spargel in der Parmesanhülle, gebacken mit Zitronen-Gewürzlachs und Avocado-Melissenmousse« (14,50 Euro) steht auf der Karte und wird genau so geliefert. »All dies ist perfekt angerichtet, besonders der Fisch entzückt mich«, höre ich von gegenüber und freue mich mit.

Beinahe hätte ich vergessen zu erwähnen, dass wir vor den Vorspeisen exquisites griechisches Olivenöl in einer hippen Metalldose serviert bekamen, begleitet von einem ausgezeichneten Kräuter-Pfeffer-Salz und Weißbrot. Zudem erhielten wir als Gruß aus der Küche Spargel in Bresaola-Röllchen und Rucola. Superb.

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Hohe Schule mit Adlerfisch

Was nun kommt, ist die hohe Schule der Küchenleistung. X hat Folgendes geordert: Adlerfisch-Filet mit geräuchertem Kartoffelmousselin und Kerbelsauce (26,50 Euro). »Das Fischfleisch ist exorbitant, gut gebraten und schön fest, das Püree schmeckt angenehm rauchig. Eine perfekte Speise«, höre ich von vis-à-vis und freue mich wiederum mit. Gleichwohl erquicken mich die gesmokten Ochsenbäckchen, die in Spätburgunder geschmort wurden und auf eben dem genannten Kartoffelmousselin angerichtet sind, nicht minder. Kurzkommentar für dieses 19,50-Euro-Gericht: handwerklich perfekt mit rauchiger Raffinesse.

»Nun wohl«, entfährt es Mister X, der in seinem Begeisterungsschwall nicht einzuhalten in der Lage ist. Es gelüstet ihn nach der gefüllten Perlhuhnbrust auf Trüffelrisotto und Balsamicojus für 17,50 Euro. »Das Fleisch ist zart und saftig, das Risotto würzig und durch die Sommertrüffel zusätzlich aromatisch. Ein Streifchen gebratener Speck hätte dem Ganzen den letzten Pfiff gegeben«, vernehme ich von der anderen Tischseite.

LaGallerie

So was noch nicht erlebt

Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass ich X so noch nicht erlebt habe. Ein Schuss Glückseligkeit huscht über sein Gesicht, und er scheint mit sich absolut im Reinen zu sein. »Lass' uns noch ein wenig lustwandeln durch unser herrliches Mainz«, animiert er mich zu einem Spaziergang. Das LaGallerie entfaltet offensichtlich magische Kräfte.

Fazit:

Das LaGallerie unter Küchenchef Christoph Rubel ist eine Bereicherung für die Mainzer Gastronomie-Landschaft. Eher unscheinbar von außen, entfaltet sich im Innern exquisites Können, das sich auch in der formidablen Weinkarte äußert. Da ist vieles zu finden, was in deutschen Anbaugebieten Rang und Namen hat, ergänzt durch französische, italienische, österreichische und Übersee-Kreszenzen. Rheinhessen ist prominent vertreten mit Battenfeld-Spanier, Wagner-Stempel, Peth-Wetz, Gutzler und Keller. Die Preise für die Weine sind angemessen. Der Service im LaGallerie ist absolut professionell und angenehm unaufdringlich. In jeder Bewertungskategorie lässt sich guten Gewissens sagen: empfehlenswert.

LaGallerie
| Lou Kull