Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Restaurant Zum Schwanen
  Friedrich-Ebert-Straße 40
  67574 Osthofen
  Tel. 0 62 42 / 91 40
  Fax 0 62 42 / 91 42 99
info@zum-schwanen-osthofen.de
www.zum-schwanen-osthofen.de

  Öffnungszeiten:
  Mo bis Fr 12-14 und 18-22 Uhr
  Sa 18-22 Uhr,
  So und feiertags Ruhetag
  bzw. Öffnung nach Absprache

 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 41,5 : 5 = 8,3 Kochkappen
 
 8 Kochkappen  
 Essen 8,5 
 Trinken 8,0 
 Service 8,5 
 Ambiente 8,5 
 Preis-Leistung 8,0 

Werbung

RESTAURANTTEST

Exquisite Landhaus-Küche

»Zum Schwanen« in Osthofen bietet handwerkliche Spitzenklasse mit individuellem Pfiff. Endlich war unsere Suche nach den Gewürzen erfolgreich.

Zum Schwanen Osthofen überrascht mit seiner optischen Größe und mit knapp 9.000 Einwohnern - zumindest denjenigen, der noch nicht hier war. Und es ist verkehrsmäßig einiges los. Auf der Hauptdurchgangsroute, die von Westen nach Osten gesehen zunächst Friedrich-Ebert- und dann Rheinstraße heißt, brummt es ordentlich. Das Landhotel »Zum Schwanen«, das direkt an dieser Trasse liegt, bildet da mit den zurückgesetzten Gebäuden und seinem lauschigen Innenhof einen herrlichen Kontrapunkt, sozusagen einen Hort der Ruhe. Ruhig und entspannt geht es auch im zum Hotel gehörenden Restaurant zu.

Es ist kurz nach 6 Uhr abends mitten in der Woche. Mister X und ich sitzen an einem der gemütlichen Tische, die sich geschmeidig in das fein-rustikale Landhaus-Ambiente einfügen. Die Wände sind weiß verputzt, den Boden bilden creme-braune Steinplatten, als Sitzgelegenheiten dienen schwarze Lederbänke und nougatfarbene Bastsessel.

X wirkt fröhlich und freut sich offensichtlich aufs Essen: »Nun, ich werde zunächst die Spargelcremesuppe mit Morcheln zu 6 Euro 50 nehmen, sodann die Schweinenierchen in Senfsauce mit Rübenstiel-Kartoffelstampf. 14,90 Euro für das aus der Speisekarten-Rubrik "Typisch Rheinhessisch" stammende Gericht erscheinen mir recht kommod - sofern es klassisch-gut zubereitet sein sollte.«

Zum Schwanen

Köstlicher Ringelbete-Salat

Ich hingegen wähle als Vorspeise aus der Sparte »Unsere kulinarische Ouvertüre« den Ringelbete-Salat mit Birne, Wildkräutern, Aprikosensalsa und Saté vom Kaninchenrücken (9,90 Euro), danach lasse ich mir auf der Haut gebratenen Wolfsbarsch an Spargelrisotto (24,90 Euro) bringen. Nicht unterschlagen möchte ich, dass uns vorweg ein köstlicher Kräuterquark mit zweierlei Brot und als Gruß aus der Küche eine nicht minder schmackhafte Schinkenterrine mit Bärlauchpesto serviert wurden.

X setzt beim Genuss der Vorspeise zur positiven Kritik an: »Die Suppe ist leicht und cremig und schmeckt intensiv nach Spargel. Ich erkenne auch kleine grüne Spargelstückchen darin. Die Morcheln verbreiten einen klar wahrnehmbaren wiewohl zurückhaltenden Geschmack, der den des Spargels nicht beeinträchtigt.« Wie ich meinen Mister X kenne, ist dies ein Adelsprädikat für die Küche. Von meinem Ringelbete-Salat bin ich schlichtweg begeistert. Auf einer schmalen, länglichen weißen Porzellanplatte serviert, erlebe ich ein Potpourri, dessen einzelne Bestandteile individuell gewürzt sind und im Ganzen doch hervorragend harmonieren. Ein Hochgenuss ist die filettierte Birne, die offensichtlich in Rotwein eingelegt wurde und an der ich Gewürze wie Koriander und Zimt vermute.

Zum Schwanen

Schweinenierchen rheinhessisch

»Gottseidank haben wir nach langer Odyssee endlich einmal wieder einen Restaurationsbetrieb gefunden, in dem die Speisen richtig gut gewürzt werden«, schwärmt X und löffelt sich die Schweinenierchen aus der Vorlegeschale vollends auf den Teller. Wie er sagt, sind sie bissfest und harmonieren gut mit der Senfsauce. Die Innerei ist nicht rot und somit exakt wie bestellt.

Mein Wolfsbarsch kommt auf fischförmigem Porzellan. Das Wassertier ist außen knusprig und innen saftig. Beim Risotto finde ich den Reis ein wenig zu feinkörnig, was vom exzellenten Geschmack der mit weißen und grünen Spargelstücken gestalteten Beilage locker wettgemacht wird.

Zufrieden mit meinem Magen und der Welt schaue ich auf der Speisekarte schon mal nach, was ich mir beim nächsten Besuch im »Schwanen« bestellen könnte. Das Gratin von Langostino und Jakobsmuschel auf Blattspinat mit Rosmarinpolenta (12,50 Euro) vielleicht? Oder die warme Munkelvaria­tion mit Crème brûlée vom Spargel, Blätterteig-Lachs, Mini-Quiche, Flammkuchen und Ziegenkäseblume (11,50 Euro)? Es könnten auch die Milchlammkeule an Rosmarinsauce mit rotem Zwiebelkonfit und pikantem Gemüse-Korinthen-Bulgur (22,50 Euro) sein oder die Rheinhecht-Klößchen in Rieslingsauce auf Kartoffel-Lauchgemüse (15,90 Euro).

»Werde bitte nicht unmäßig«, raunt mir Mister X zu, als er meine immer größer werdenden Augen beim Nachbetrachten des Speisen-Tableaus sieht. »Wir kommen bestimmt wieder, meine Liebe, schon allein der wundervollen Gewürzeindrücke wegen«, schmunzelt mein Begleiter und fordert mich mit einer lässigen Handbewegung zum Gehen auf.

Zum Schwanen

Fazit:

Der »Schwanen« in Osthofen verströmt eine höchst angenehme Atmosphäre, der Service ist aufmerksam, freundlich und dezent-humorvoll. Das Essen zeugt von einer sehr soliden Herstellung mit besten Zutaten und Liebe zum Detail. Hier bekommt man einen angemessenen Gegenwert für sein Geld, wobei sich das Restaurant schon im höheren Preissegment bewegt. Die Weinkarte erfreut durch eine Auswahl bester Weingüter aus der näheren Region. Namen wie Erbeldinger, Buscher, May, Wittmann und Sander stehen für makellose Qualität.

Zum Schwanen Schön finden wir, dass sich das Haus traut, nicht nur gängige Rebsorten zu präsentieren. So stehen beispielsweise eine trockene Schwarzriesling Spätlese und eine milde Heroldrebe auf der Karte. Bei einem etwas breiteren Weinangebot mit Kreszenzen auch aus anderen deutschen Anbaugebieten und mit dem einen oder anderen internationalen Gewächs hätten wir eine noch höhere Note als 8,0 vergeben.

| Lou Kull


Der Preis der Glaubwürdigkeit

Nicht immer sind die vom MAINZER getesteten Restaurants mit der Bewertung zufrieden. Stimmen die Ergebnisse unserer Testesser nicht mit der Selbsteinschätzung der Inhaber überein, kann passieren was im Falle des »Grünewald Genießertreff« geschah: Jegliche Zusammenarbeit mit dem MAINZER wurde eingestellt. Das bedauern wir sehr. Aber: Wir lassen uns nicht den Mund verbieten.

Übrigens: Der »Grünewald Genießertreff« ist von Mo-So geöffnet und hat keinen Ruhetag.