Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

  Grünewald Genießertreff
  Lotharstraße 24
  55116 Mainz
  Tel. 0 61 31 / 669 34 84
  Fax 0 61 31 / 669 34 85

gruenewald.geniessertreff@
  t-online.de

www.gruenewald-
  geniessertreff.de


  Öffnungszeiten:
  Di bis Sa 8.30 bis 21.30 Uhr
  So und Mo 9 bis 18.30 Uhr
  warme Küche durchgehend
  ab 11 Uhr
  Mo Ruhetag


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 35,0 : 5 = 7,0 Kochkappen
 
 7 Kochkappen  
 Essen 7,0 
 Trinken 6,5 
 Service 7,5 
 Ambiente 7,0 
 Preis-Leistung 7,0 

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RESTAURANTTEST

GUTE BISTRO-KOST IN DER LOTHARSTRASSE

»Grünewald Genießertreff« hat ein riesiges Speisenangebot. In puncto Zubereitung entdeckten wir bisweilen kleine Schwächen.

Grünewald Das gastronomische Angebot in Mainz ist in der Tat außergewöhnlich vielfältig. Ich danke es Mister X, dass er mich jeden Monat mit auf kulinarische Entdeckungs­reise links des Rheins nimmt und mich auf diese Weise an allen erdenklichen kulinarischen Erscheinungsweisen teilhaben lässt. Vor kurzem besuchten wir den »Grüne­wald Genießertreff« in der Lotharstraße, die ja bekanntlich von der Großen Bleiche abzweigt und Fußgängerbereich ist.

Tritt man von der Straße durch die Eingangstür ins Innere, erschließt sich linkerhand das dazugehörige Delikatessengeschäft, rechts geht es zum Restaurant, das sieben Tage die Woche geöffnet ist.

Die Einrichtung erinnert teilweise an einen amerikanischen Diner - mit creme­farbenen, langgezogenen Kunstlederbänken -, insgesamt dann aber eher an ein Bistro, wofür auch die kleinen dunklen Holztische sprechen, an denen passende Stühle - wiederum mit dem besagten Cremekunstleder bezogen - stehen. Dunkelrote Stoffdeckchen zieren die Tischchen.

An den Wänden hängen Originale und Drucke des Mainzer Malers Hans Jörg Jacobi, der Ansichten der Stadt in »explodierenden Farbkompositionen« (O-Ton Website des Künstlers) festgehalten hat. Während X philosophiert, was auf dem einen und dem anderen Bild zu sehen sei, studiere ich Grünewalds Speisekarte.

Grünewald

Genusswert der Suppen unterschiedlich

Die Tomatensuppe (5,50 Euro) für vorneweg reizt mich besonders, da sie »mit einem Schuss Gin« avisiert wird. Der Schuss ist ein Schüsschen, was mich jedoch nicht weiter stört, da ansonsten alles passt. Die Suppe ist püriert, schön geschmeidig im Fluss, heiß und von einer angenehmen, leichten Säure.

Mister X hat nach seiner Gemäldebetrachtung hurtig gewählt und widmet sich zunächst der Kartoffelsuppe »mit reichhaltiger Wursteinlage« (5,80 Euro). Die Wurst ist von Wiener Art, die Suppe besteht aus einer Brühe mit Kartoffelstücken, und »leider fehlt alles das, was eine solche Speise schön macht, nämlich Gewürze und Kräuter«, bemängelt mein Gegenüber.

Zum Trost bestellt X dann noch das Krabben-Rahmsüppchen (6,80 Euro), das »bezüglich aller Komponenten zufriedenstellt, außer dass der Koch zu tief in den Salztopf gegriffen hat«.

Ich verkürze mir derweil die Zeit bis zur Hauptspeise mit einem schmackhaften und gut angemachten Beilagensalat, der unter anderem Eichblatt- und Feldsalat sowie Radieschen beinhaltet.

Perfekt: Frankfurter Nationalgericht

X und ich mögen es auch weiterhin leicht. Der Meister labt sich an dem Vegetarischen Omelett mit Tomaten, Blattspinat, Zucchini und Champignons zu 9,50 Euro. Dieses Ensemble sieht sehr appetitlich aus - wie alle Speisen, die wir hier zu Gesicht bekommen - und reißt X gar zu zweifachem Lob hin: bezüglich des üppigen Spinatanteils und des guten Würzzustands.

Von meinem Frankfurter Teller (10,80 Euro) - »vier Landeihälften mit delikater Frankfurter Grüner Sauce und gebutterten Pellkartoffeln« - bin ich durchweg erbaut: Die Soße, die in einem kleinen Töpfchen gereicht wird, ist perfekt nach Originalrezept umgesetzt, die Kartoffeln haben exakt die richtige Konsistenz, und das Ganze ist hübsch garniert mit einem orangen Kürbisstück, Perzwiebel, Eichblatt- und Feldsalat.

Zur Abrundung ergebe ich mich nun aber doch noch der Fleischeslust. Auf meinem Teller liegen zwei sehr kleine Wiener Schnitzel - also vom Kalb -, dazu werden Bratkartoffeln und »feines Gemüse« gereicht, alles zusammen für 15,80 Euro. Das Fleisch ist etwas trocken, sehr bissfest, und ihm fehlt der typische Buttergeschmack. Beim Gemüse vermisse ich eine gewisse Knackigkeit, außerdem erinnere ich mich daran, dass zu diesem Schnitzelklassiker eigentlich etwas Preiselbeere und eine Sardelle auf Zitronenscheibe gehören.

Grünewald

Scholle »Finkenwerder« zur Abrundung

Mister X beschließt seine Speisenfolge mit Schollenfilet Finkenwerder Art (15,50 Euro), das von Speck, Zwiebeln, Gemüse und Bratkartoffeln begleitet wird. »Die beiden dünnen Fischfilets sind kross gebraten, aber angenehmerweise nicht trocken, dem Speck hätte eine längere Verweildauer in der Pfanne gutgetan, die Zwiebeln finde ich zu glasig, die Soße, die dem Krabben-Rahmsüppchen ähnelt, ist versalzen, das Gemüse immerhin schön farbig«, resümiert Mister X.

»Nun brauche ich Bewegung«, flüstere ich X zu, der mit einem letzten Serviettenwisch das Mahl nun auch offiziell beendet. »Du hast Recht, liebe Lou«, antwortet mein Begleiter frohgemut, »lass' uns geh'n, vielleicht entdecken wir einen verlockenden gastronomischen Betrieb fürs nächste Mal.«

Fazit:

Der »Grünewald Genießertreff« ist sicherlich eine gute Adresse für solide Bistro-Kost. Unserer Meinung nach fällt das Speisenangebot aber zu umfangreich aus, als dass jedes einzelne Gericht wirklich individuell hochklassig zubereitet sein könnte.

Auf dem Tableau stehen allein 31 verschiedene Frühstücksvariationen, es gibt sieben kalte und sechs warme Vorspeisen, fünf Kartoffel-Käse-Gratins, acht Pasta-, sieben Geflügel- und elf Fleischgerichte, dazu drei Angus-Steakzubereitungen. Acht Mal Fisch, fünf Mal Vegetarisches, neun Mal Diverses sowie 18 Salatkompositionen »der Extraklasse« vervollständigen die Speisekarte.

Der »Hochwertigen Teespezialitäten« gibt es bei Grünewald zehn, der Ausschankweine (zwischen 3,60 und 4,20 Euro für 0,2) ebenfalls. Letztere stammen von drei Produzenten, dem Weingut Gröhl aus dem rheinhessischen Weinolsheim, den Winzern von Erbach (Rheingau) und einem nicht näher benannten Erzeuger vom badischen Kaiserstuhl. Dazu kommen sechs Sekte und ein Champagner sowie 25 deutsche und internationale Flaschenweine. Leider fehlen auf der Karte bei den meisten Positionen die Jahrgangsangaben.

| Lou Kull