Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

  Millennium - Das Restaurant
  Bleichstraße 1
  55218 Ingelheim
  Tel. 0 61 32 / 711 20 70
  Fax 0 61 32 / 711 20 71
post@das-millennium.de
www.das-millennium.de

  Öffnungszeiten:
  Di bis Fr und So 12-14
  und 18-24 Uhr
  Sa 18 bis 24 Uhr
  (Küche jeweils bis 22 Uhr)
  Mo Ruhetag


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 44,5 : 5 = 8,9 Kochkappen
 
 9 Kochkappen  
 Essen 9,0 
 Trinken 9,0 
 Service 8,0 
 Ambiente 8,5 
 Preis-Leistung 9,0 

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RESTAURANTTEST

MILLENNIUM: DIE REINE KULINARISCHE FREUDE

Bei Paride Nicoli (Mimmo) im Norden Ingelheims wird handwerklich perfekt, mit Kreativität und friaulischem Regionalitätsbewusstsein gekocht.

Jackob Nanu, will Mister X mit mir einen Ausflug in den Rheingau unternehmen? Jedenfalls fährt er in Ingelheim zielstrebig Richtung Fähre. Doch schätzungsweise 500 Meter vor dem Kai hält er an. »Meine liebe Lou, von unserem heutigen Restaurantbesuch verspreche ich mir einige außergewöhnliche Genüsse. Küchenchef Paride Nicoli, der zuvor im LaGallerie in der Gaustraße wirkte, dürfte auch hier im Millennium sein Können ausspielen«, vermittelt mir X Vorfreude. Ich bin gespannt.

Das Restaurant macht einen cool-eleganten Eindruck, wirkt ein wenig businessmäßig, und ein Großteil der Kundschaft besteht wohl auch aus Geschäftsleuten. Dezente Pastelltöne von hellem Grau bis Eierschale dominieren. Vorweg wird uns ein herrlich dichtes Weißbrot serviert, dazu gibt es Butter, schwarze Oliven und eine würzige Paste aus getrockneten Tomaten. Sodann folgt ein Gruß aus der Küche, bestehend aus einer Auberginenterrine mit Käsesauce und diversen Salatblättchen. Der Grundstein ist gelegt, meine Vorfreude wird positiv bestätigt.

Jackob

Business-Menü zu kommoden Preisen

In der Zwischenzeit hat uns der Chef am Tisch mit dem heutigen Business-Menü vertraut gemacht, das er mit drei (21,50 Euro) oder vier Gängen (28,00 Euro) anbietet. X und ich erliegen unisono der Verlockung und stellen unsere Vierer-Speisenfolge individuell zusammen. Mein Begleiter wählt zunächst fein marinierten Lachs mit lila Zwiebel-Confis und kleinem Salat, für mich soll es »Insalata di Pere con Rucola e Montasio« sein, also Rucolasalat mit geraspelten Birnen, Montasiokäse und Walnüssen.

»Beide Vorspeisen geben einen deutlichen Fingerzeig auf die hiesige Küche. Sie erscheint handwerklich perfekt mit einem ordentlichen Schuss Kreativität und der Betonung italienischer Regionalität, sprich: das Friaulische steht Pate, wie wir besonders am Käse deines Gerichts erkennen«, analysiert X auf den Punkt, sodass ich sprachlos bin. Als Zwischengang nehmen wir beide Pasta mit Salsiccia, jener unnachahmlich pikanten italienischen Wurst, sowie Mangold und einer weiteren Käsespezialität aus dem Friaul, die, wie Paride Nicoli erläutert, ein gutes halbes Jahr in Sahne eingelegt war. Die Pasta ist knackig und bissfest, im Ganzen ergibt sich ein köstliches Zusammenspiel der Einzelbestandteile.

Jackob

Skrei großartig zubereitet

Während danach Mister X seine Leber mit Zwiebeln genießt, spreche ich dem Skrei, jenem feinfleischigen Winterkabeljau, zu, der im Millennium in Perfektion zelebriert wird. Saftig und zart gleitet der Fisch über die Zunge, begleitet von Kartöffelchen und Löwenzahnsprossen. Derart wohlgestimmt wird uns nun noch das Dessert serviert: selbst hergestellter Nusskuchen mit Feige-Halbgefrorenem. Großartig - so in etwa schmeckte der Nusskuchen, den meine Oma in meinen Kindertagen buk.

Ein stiller Blick zwischen X und mir verrät, dass wir soeben einen wundervollen kulinarischen Moment erlebt haben. »Ich denke, wir sollten öfter den Weg hierher nach Ingelheim finden«, gebe ich meiner Freude vernehmlich Ausdruck. Mister X nickt zufrieden und schaut versonnen durch die große Fensterfront, als wolle er sagen: Hier ist gut sein, hier bleibe ich.

Jackob

Fazit:

Im Millennium in Ingelheim zu speisen, ist die reine Freude. Hier stimmt einfach alles - vom cool-stylischen Ambiente über eine stets aufmerksame, aber nie aufdringliche Bedienung bis zu Küchenchef Paride Nicoli - Kosename: Mimmo - , der offensichtlich mit Freude und Liebe kocht. Handwerkliche Perfektion, gepaart mit einem ordentlichen Schuss Kreativität und regionalen friaulischen Akzenten ist das Erfolgsrezept des Restaurants, dem auch noch die »Weinstube Weingeist« angegliedert ist, in der sich laut Internetaussage des Betreibers Rheinhessen, der Rheingau und der Norden Italiens treffen. Der Stil ist hier bewusst deftiger als im Restaurant gehalten.

Das Preis-Genuss-Verhältnis im Millennium stimmt, wie wir schon beim Business-Menü gesehen haben: Die Antipasti bewegen sich zwischen 5 (Bruschetta als pomodoro) und 12 (Trota della Regione in Rosso = hausgebeizte Taunusforelle in Meerrettich-Schaum) beziehungsweise 14 Euro (Cialsons = gefüllte Tortellini mit Kartoffeln, Pflaumen, Feigen, Rosinen, Quittengelee und geräuchertem Ricotta). Die fleischigen Hauptspeisen liegen in der Regel bei 15 (Kalbsmedaillons mit Schinken und Käse, gratiniert) bis 19 Euro (in Rotwein geschmorte Lammhaxe mit Orzotto und Ratatouille). Fischgerichte werden dem Marktangebot entsprechend offeriert.

In Sachen Wein ist der Besucher im Millennium ebenfalls bestens aufgehoben. Bei den offenen Kreszenzen gibt es eine breite Auswahl vor allem aus norditalienischen Anbau­-ge­bieten und von rheinhessischen Spitzenwinzern, die 0,1er-Preise liegen zwischen 2,50 und 4 Euro. Die Flaschenweinkarte bietet nahezu alles, was das Herz begehrt. Rheinhessen bewegt sich hier im Preissegment zwischen 14 und 49 Euro, Italien rangiert in der Spanne von 19 bis 150 Euro.

| Lou Kull