Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

  Restaurant Fisch Jackob
  Fischtorstraße 7
  55116 Mainz
  Tel. 0 61 31 / 22 92 99
seit1897@fischjackob.de
www.fischjackob.de

  Öffnungszeiten:
  Mo bis Do 11 bis 14.30 Uhr
  Fr 11 bis 15 und 17 bis 21 Uhr
  Sa 11 bis 15 und 17 bis 21 Uhr


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 39,0 : 5 = 7,8 Kochkappen
 
 8 Kochkappen  
 Essen 8,0 
 Trinken 7,5 
 Service 8,0 
 Ambiente 7,5 
 Preis-Leistung 8,0 

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RESTAURANTTEST

EINE PERLE GLEICH HINTERM DOM

Bei Fisch Jackob in der Fischtorstraße ist das Essen einfach, gut und ehrlich - mit 1a-Materialqualität. Die Stimmung: heiter, gelassen, freundlich.

Jackob »Ja, meine liebe Lou, heute möchte ich dir eine echte Mainzer Institution näherbringen«, gibt X seiner Vorfreude Ausdruck, als wir vom Fischtorplatz aus, wo sein SUV geparkt ist, über die wie immer höchst verkehrsbelebte Rheinstraße springen. »Hier stand einst das Fischtor, ein Turm, der den Fischmarkt markierte und durch den man zum alten Mainzer Hafen gelangte. 1847 wurde das Bauwerk abgerissen«, doziert Mister X in unnachahmlicher Manier. Nach ein paar Schritten haben wir das Restaurant Fisch Jackob auf der rechten Straßenseite erreicht, links daneben befindet sich das dazugehörige Geschäft mit Essgelegenheit im Stehen. Da die Bäume zu dieser Jahreszeit blattlos sind, grüßt der Dom majestätisch und in voller Pracht herüber.

Es ist Mittagszeit, das Lokal fast bis auf den letzten Platz besetzt. »Siehst du, auch andere haben längst entdeckt, dass sich hier vortrefflich speisen lässt«, kommentiert X. Im Gastraum schauen wir in lebendige Seniorengesichter, die Stimmung ist angeregt und heiter, man plaudert ausgelassen. Wir erwischen noch einen kleinen Tisch und wundern uns, dass hier so mancher Besucher von der umtriebigen, aber keineswegs hektischen Bedienung stilsicher mit Namen angesprochen wird. Hinzu kommt eine unaufdringliche Einrichtung mit etwas älteren, relativ dunklen Holzmöbeln und hellen Wänden, einer Theke, die mit Kacheln Delfter Art verkleidet ist und die eine Bierzapfanlage aus blank geputztem Kupfer ziert. Nebelhorn und zwei Schiffslaternen auf einer kleinen Trennwand inmitten des Raums unterstreichen das maritime Thema, um das es hier geht: Fisch.

Jackob

Viele Speisen in groß und klein

Mein Begleiter nimmt zum Auftakt »Jackobs Fischsuppe (mit Einlage)« als kleine Portion. In dieser Version kostet sie 5,40 Euro, in groß 7,60 Euro. Es sei angemerkt, dass die meisten Speisen bei Fisch Jackob in zwei Größen angeboten werden. Meistens macht das einen Unterschied von 3 bis 4 Euro aus. »Bravo, die Suppe ist schön konzentriert, das Fischfleisch in ihr ist fein. Man merkt, dass in diesem Unternehmen permanent frischer Fisch verarbeitet wird«, formuliert X einen Merksatz. Ich labe mich derweil an der »Empfehlung des Küchenchefs«. Diese setzt sich aus zwei Gängen zusammen. Starter ist ein Kartoffelsüppchen mit Nordseekrabben (4,50 Euro). Ich bin davon ähnlich angetan wie Mister X: Die Suppe hat eine hervorragende Konsistenz, ist sämig, und die Krabben sind von der Menge und dem Geschmack her deutlich wahrnehmbar. Das folgende »Rotbarbenfilet natur gebraten mit Schwarzwurzelgemüse und Kartoffeln« zu 13,80 Euro erfreut mich in toto nicht minder. Das Fischfleisch (zwei ordentliche Stücke) schmeckt ausgezeichnet, ist auf den Punkt zubereitet. Köstlich auch das Gemüse in einer echten Mehlschwitze. Die Kartoffeln - leider - haben teilweise eine leicht ledrige Haut und sind nicht ganz durch. Die Tellergarnitur besteht aus Zitronenscheibe, Tomate und Dill.

Jackob

Reichlich Edelfische und Hummerkrabbe

X hat sich inzwischen »Jackobs Fischteller« zueigen gemacht. Wieder wählte er die kleine Portion, die 15,90 Euro kostet (groß: 21 Euro, teuerstes Gericht auf der Karte). »Prächtig. Ich sehe hier eine Hummerkrabbe sowie je ein Stück Zander, Lachs und Seeteufel. Mit Kräutern der Provence gebraten, ergibt sich ein wunderbar leichtes, mediterranes Essen. Der dazu gereichte Eichblattsalat wird ergänzt durch frisch geriebene Radieschen und Möhren, Tomate und Gurke, alles in Essig und Öl. Eine runde Sache.« Spricht's und schaut zufrieden drein.

Ich schaue Mister X an und frage ihn ein wenig schmeichlerisch: »Zeigst du mir wieder mal so eine eindrucksvolle Mainzer Institution, mein Lieber?« Der Gesichtsausdruck verrät es: Er fühlt sich in der Tat gebauchpinselt. »Natürlich gerne, beste Lou. Ist es nicht schön, sich auch mal am Bodenständigen zu erfreuen?« Ich nicke.

Jackob

Fazit:

Wir wollen nicht im Vergangenen schwelgen, aber manchmal ist es doch gut, wenn sich etwas Bewährt-Althergebrachtes über den Zeitenwandel hinweg erhalten hat. Seit 1897 macht die Mainzer Familie Jackob in Fisch. Außer dem Restaurant und dem Geschäft in der Fischtorstraße gibt es noch einen Laden in Mombach. Wer Fisch liebt, ist im Restaurant bestens aufgehoben. Die Qualität von Material und Verarbeitung erscheint durchweg einwandfrei. Raffinesse sieht anders aus, wird hier aber auch gar nicht erwartet.

Das Speisenangebot ist reichhaltig, in ihm kommt der Brathering nach Art des Hauses mit Röstkartoffeln (one size: 8,50 Euro) genauso vor wie etwa Lasagne von Edelfischen mit Spinat oder Italienische Bandnudeln mit Steinpilzen, Lachs und Shrimps in Weißweinsauce, beides zu 10,50 / 8 Euro. Interessant liest sich auch »Pochiertes Salmfilet, Safransauce, Keta Kaviar, Reis, Salat« für 16,50 / 11,90 Euro.

Die Tagesempfehlung hieß zur Zeit unseres Besuchs »Schollenfilet gebraten, Remoulade, Kartoffeln« und kostete 9,40 Euro. Die neun Ausschankweine, die es auch im Piffchen gibt, werden in 0,2 mit 3,20 bis 3,90 Euro berechnet - sechs kommen aus Rheinhessen, drei aus dem Rheingau. Kurzum: Wir haben uns bei Fisch Jackob einfach wohl gefühlt. Hier passt alles, ist stimmig. Ein durch und durch reeller Restaurantbetrieb.

| Lou Kull