Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Wasems Kloster Engelthal
  Haus des Weines
  Edelgasse 15
  55218 Ingelheim am Rhein
  Tel. 0 61 32 / 23 04
www.klosterengelthal.de
restaurant@klosterengelthal.de
  Öffnungszeiten:
  Mo und Di, Do - Sa ab 17 Uhr,
  sonn- und feiertags 12-14 Uhr,
  Mi Ruhetag, Betriebsferien bis
  einschließlich 12. Januar 2014


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 37,0 : 5 = 7,4 Kochkappen
 
 7w Kochkappen  
 Essen 7,0 
 Trinken 7,5 
 Service 7,0 
 Ambiente 8,0 
 Preis-Leistung 7,5 

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RESTAURANTTEST

GASTHAUS IN FEINST RESTAURIERTEN MAUERN

Wasems Kloster Engelthal in Oberingelheim ist ein Fest für die Augen. Die Küche bietet Solides. Empfehlung: Mehr Pfiff, bessere Ausgangskontrolle.

Wasems Mister X und ich sind nicht zum ersten Mal hier. Ich erinnere mich gut, als wir vor anderthalb Jahren herrlich entspannt draußen im Klosterhof saßen und uns die sommerlichen Sonnenstrahlen auf den Pelz brennen ließen. Nun ist es Winter, und als wir pünktlich zum Gastronomiestart um fünf Uhr nachmittags das wundervoll restaurierte Kreuzgewölbe betreten, herrscht draußen bereits Dunkelheit.

Unseren Zweiertisch haben wir übrigens nur mit knapper Not und zu dieser frühen Stunde erheischen können, abends ab 19 Uhr ist die Restauration von Wasems Kloster Engelthal oft ausgebucht.

»Noch ist es leer um diese Zeit. Ich hoffe, die Küche befindet sich dennoch bereits auf Betriebstemperatur «, argwöhnt X. Vorweg wird uns Kräuterquark mit zwei Sorten Brot gereicht. »Nicht schlecht, diese Kleinigkeit zum Eingewöhnen«, lobt mein Gegenüber. Das folgende Riesling-Kräutersüppchen mit gebackenem Scampi-Bonbon (6,90 Euro) mundet ihm gleichermaßen: »Diese Suppe ist leicht, luftig aufgeschlagen, mit vielen, gut schmeckbaren Kräutern.«

Wasems

Crostini kalt und weich

Solche Freude stellt sich bei meiner Vorspeise, den (drei) Crostini mit Rillette von Flusskrebsen und Forellenkaviar zu 7,50 Euro, leider nicht ein. Die Brotscheiben sind kalt und haben nicht die Spur einer Chance, knusprig zu sein, weil vollkommen durchgeweicht. Es dauert reichlich mehr als zehn Minuten, bis sich die Bedienung blicken lässt und mir die Chance zur Reklamation gibt. Die junge Frau ist mit der Situation offensichtlich überfordert, bietet aber Ersatz an, den ich nun nicht mehr haben will.

Mit den Hauptgängen greift eine neue, offensichtlich professionelle weibliche Gastronomiekraft ins Geschehen ein. Ich klage noch einmal mein Vorspeise-Leid, werde verstanden mit dem, was ich bemängele, ernte Worte des Bedauerns, und am Ende stehen die Crostini nicht auf der Rechnung.

Wasems

Skrei aus hohem Norden

X widmet sich nun dem Winterkabeljau mit Fenchelgemüse und Pinienkernrisotto (17,20 Euro) zu. Da sogar er diesmal um eine Antwort auf meine Frage »Was ist das eigentlich, Winterkabeljau?« verlegen ist, weil ihm der Fachbegriff nicht einfällt, muss er googlen. »Alle Jahre wieder begibt sich der besondere Kabeljau auf seine lange Reise von der kalten Barentssee hoch im Norden zu den südlicheren Gewässern rund um die Lofoten. Die Einwohner der Inseln gaben ihm den Namen Skrei, was soviel wie Wanderer bedeutet«, zitiert Mister X das Internet und fügt an, dass diese seit Jahrhunderten in Norwegen geschätzte Fischspezialität sich durch besonders zartes, weißes Fleisch auszeichne. An der Zubereitungsart und dem Geschmack der Speise nörgelt er herum, da der Fisch fest und trocken ist.

Fleisch schön rosa

Für mich steht zeitgleich Hirschkalbsrücken auf Rahmwirsing und Steckrübenpüree (22,50 Euro) auf dem Programm. Das Ganze ist handwerklich gut gemacht, die drei üppigen Fleichstücke sind innen angenehm rosa. Allerdings bin ich kein Fan davon, wenn verschiedenfarbige Soßen, so wie hier vom Wirsing und vom Fleisch, ineinander verlaufen. Insgesamt fehlt mir hierbei ein bisschen der Pfiff.

Wasems In der Zwischenzeit, es ist jetzt viertel vor sieben, hat sich das Wasemsche Kreuzgewölbe gut gefüllt. Der Lautstärkepegel ist deutlich angestiegen, fröhlich-beherzte Stimmen klingen durch den Raum. So könnte es in einer mittelalterlichen Schänke zugegangen sein. X schmunzelt wissend zu mir herüber und munkelt: »Nun scheint die hiesige Gastronomie auf Betriebstemperatur zu sein.« Ich lächle zurück und weiß seine großartigen Analysefähigkeiten wieder einmal zu schätzen.

Fazit:

Wasems Kloster Engelthal ist zweifelsohne ein Juwel. Was die Winzerfamilie seit dem Erwerb der Reste eines ehemaligen Zisterzienserinnen-Domizils in den vergangenen vier Jahren geschaffen hat, verdient höchste Anerkennung. Zum »Global Award Great Wine Capital 2012«, dem 1. Rang beim Gestaltungspreis der Stadt Ingelheim, dem »International Wine Tourism Award 2012« und dem »Best of Wine Tourism Award 2013« kam eine Nominierung für den »Architekturpreis Wein 2013« hinzu, und schließlich darf sich das Anwesen mittlerweile auch »Höhepunkt der Weinkultur« nennen. Letztgenannte Auszeichnung wird vom Deutschen Weinstitut (DWI) in Mainz verliehen. All das weist darauf hin, dass hier in Oberingelheim nicht allein die Architektur eine Rolle spielt, sondern vor allem auch der Wein.

Das Weingut Wasem ist eine traditionell hoch geschätzte Adresse, in der Vinothek in den Klostermauern dürfen die heimischen Erzeignisse probiert und gekauft werden. Entsprechend ist die Weinkarte der Gastronomie - ausschließlich - mit hauseigenen Kreszenzen bestückt. Die Palette reicht im Ausschank vom einfachen Silvaner für 2,40 Euro (0,2) bis zum anspruchsvollen Ingelheimer Frühburgunder für 6,30 Euro. Die Flaschenweinkarte beginnt preislich beim Classic-Rivaner (11,50 Euro) und endet beim Cabernet Sauvignon Rosé Eiswein für 34,50 Euro.

Die Küche in Wasems Kloster Engelthal hat solides Gasthaus-Niveau, wobei zu wünschen wäre, dass die Speisen mit etwas mehr Pfiff angerichtet würden. Darüber hinaus empfehlen wir eine intensivere Ausgangskontrolle für das, was die Küche Richtung Gastraum verlässt. Dies als kleinen Hinweis für den seit August 2013 hier tätigen Küchenchef Berno Lammers, der im Übrigen größtenteils auf Grundprodukte aus der Region setzt.

| Lou Kull