Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Espenhof
  Landhotel & Weinwirtschaft
  Poststraße 1
  55237 Flonheim-Uffhofen
  Tel. 0 67 34 / 96 27 30
  Fax 0 67 34 / 94 04 50
www.espenhof.de
landhotel@espenhof.de
  Öffnungszeiten:
  Di bis Sa 17.30 bis 22 Uhr
  Sonn- und Feiertage
  12 bis 14 und 17 bis 22 Uhr
  Mo Ruhetag
  (Öffnung auf Anfrage)



 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 44,5 : 5 = 8,9 Kochkappen
 
 9 Kochkappen  
 Essen 9,0 
 Trinken 8,5 
 Service 9,0 
 Ambiente 8,5 
 Preis-Leistung 9,5 

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RESTAURANTTEST

DA MACHT SICH SOGAR BEI X ENTZÜCKEN BREIT

Der Espenhof war bisher schon ein ausgezeichnetes Restaurant. Unter dem neuen Küchenchef Kai Pfadenhauer scheint eine neue Kreativität eingezogen zu sein.

Espenhof Die Ecke in Uffhofen, wo sich Landhotel und Weinwirtschaft Espenhof befinden, ist besonders idyllisch: das Gebäude aus altem Bruchstein, das Kopfsteinpflaster auf dem Weg zum Parkplatz, die Kirche direkt vis-à-vis. »Ich vermute«, flüstert mir Mister X in der abendlich menschenleeren Gasse auf dem Weg zum Eingang zu, »dass es nicht allein das äußerlich Malerische ist, das diesen Ort so attraktiv macht. Hier werden wir, wie ich hoffe, wahre Gaumenfreuden erleben.« Ich bin höchst gespannt.

Drinnen ist es geschmackvoll gemütlich. Durchgehend helles Vollholz prägt den Eindruck, die Wände sind unaufdringlich kunstvoll gestaltet, in Erdfarben, die die Assoziation zur rheinhes­sischen Landschaft wachrufen. Nach den eingangs gereichten Schmalzbällchen mit dreierlei Brot kommt X direkt zur Sache und bestellt bei dem - wie sich im Verlauf des Abends erweisen wird - bestens geschulten Ober die »Suppe des Tages nach Markteinkauf« zu 5,80 Euro. »Diese auf Kartoffelbasis kreierte Vorspeise mit Kresse und krossen Speckstreifen möchte ich als locker-schäumig, zugleich sämig und insgesamt leicht bezeichnen.« Kurzum: Mein Begleiter ist sehr zufrieden.

Espenhof

Spannendes Gaumenspiel

Ich bin entzückt von meinem Saiblingtatar mit Pumpernickel-Eis (13,80 Euro). Ein wenig Salat ist auch dabei, der den Fisch wundervoll ergänzt. Das herzhafte Tatar und das cremige, gleichwohl würzige Eis entwickeln zudem gemeinsam ein spannendes Gaumenspiel. Summa summarum eine leichte, kreative Speise. Die Wildconsommé mit Steinpilzmaultaschen (7 Euro), die sich auch im »Großen Weinmenü« (drei bis sieben Gänge zu 38 bis 75 Euro) findet und die wir sozusagen als Übergangsvorspeise nehmen, haut uns angesichts des zuvor Genossenen nicht vom Stuhl, ist aber handwerklich perfekt zubereitet.

Weiter geht es mit großer Küche. Die geschmorte Lammhaxe fällt fast vom Knochen, so zart uns saftig ist das Fleisch. X nickt anerkennend. Nach den ersten Bissen ist er nicht mehr zu halten. »Einfach nur köstlich«, entfährt es dem sonst so kritisch-zurückhaltenden Essensbeurteiler, und ich meine festzustellen, dass er sich in eine Art Euphorie hinein isst. In hohen Tönen lobt er die angebratenen Chorizostreifchen in dem Gemüse aus weißen Bohnen und Paprika, das die Unterlage für die Lammhaxe bildet. 18,90 Euro sind für diesen Genuss in der Tat ein kommoder Preis.

Der mir servierte Rehrücken ist unfassbar zart, die leicht krachende karamellisierte Haselnusskruste und der buttrige Sellerie verströmen eine leichte Süße und gehen exorbitant harmonisch miteinander um. Auch hier gilt: 23 Euro für dieses kulinarische Meisterwerk sind keinesfalls zuviel.

»Ich will's wissen«, höre ich plötzlich Mister X mit forschem Unterton sagen. Er ordert das 200-Gramm-Entrecôte vom Simmentaler Rind mit Kartoffelkuchen und Rotweinzwiebeln zu 19,20 Euro (300 Gramm für 21,50 Euro). »Ich lasse mich nur selten zu solchen Lobeshymnen hinreißen, wie du weißt, liebe Lou, aber auch dieses Gericht überzeugt mich über die Maßen. Das Fleisch ist auf den Punkt gegart und von immenser Zartheit. Allein diese köstlichen Zwiebeln sind eine gesonderte Erwähnung wert.«

Espenhof

Essbarer Waldboden

So, und jetzt kommt's. X schwelgt derartig, dass er sogar bereit ist, ein Dessert zu nehmen, was er mir zumeist wegen »unaufschiebbaren Termins« oder »Es ist genug jetzt« verweigert. Was kommt, ist der »Essbare Waldboden« (11 Euro). Diesbezüglich fällt mir allein die Beschreibung »sensationell« ein. Hier hat es die Küche doch tatsächlich fertiggebracht, den herbstlichen Waldboden in unseren Forsten mit feinen Gourmet-Zutaten auf einem länglichen Teller abzubilden. Die beiden »Steinpilze« bestehen jeweils aus einem Stängel Brownie, auf dem ein Baiser-Hut sitzt. Den Boden stellt geraspelter Brownie dar, das Moos ist aus gezupftem Pistazienteig und die Äste sind aus Zartbitterschokolade nachgebildet. Die Krone setzt dem Ganzen der stattliche Klecks Steinpilzeis auf, das ich so schnell nicht vergessen werde.

Nun bin ich diejenige, die ein wenig zum Aufbruch drängt, da ich tatsächlich noch etwas vor habe. X hängt derweil paralysiert in seinem Stuhl, und ich habe redlich Müh', ihn zum Gehen aufzurichten. »Ein Traum«, höre ich ihn leise hauchen, während ich ihn untergehakt zum Parkplatz führe.

Espenhof

Fazit:

Der Espenhof hat unter dem neuen Küchenchef Kai Pfadenhauer sein hohes Niveau gehalten und in puncto Kreativität sogar noch zugelegt. Die Zusammenstellung der Zutaten nach Slow Food-Philosophie lohnt sich allemal, man schmeckt es den Speisen an, dass sie aus bestem Material sind. Achten sollten Gäste auch immer auf saisonale Angebote, zurzeit sind im Espenhof, klar, Gänsegerichte en vogue. Wir erleben hier eine wundervolle Symbiose, die es so selten zu entdecken gibt: Der herausragende Restaurantbetrieb wird von einem Weingut begleitet, das exzellente Tropfen zum Essen stellt. Beispielhaft zu nennen sind die Weine, die wir verkostet haben: der herrlich dichte 2007er Pinot gris La Roche, der feine, etwas leichtere 2012er Chardonnay -S-, der barocke 2009er Pfaffenberg Merlot -SL- und der elegante 2012er Merlot blanc. Die Preise für die Orts- und Lagenweine bewegen sich zumeist im gehobenen 4-Euro-Bereich für 0,2, sind also absolut angemessen. Bemerkenswert auch die Raritätenliste, die bis in die 70er Jahre zurückreicht und preislich ebenfalls solide gehalten ist. Der Espenhof gehört zweifelsohne zur Spitze der rheinhessischen Gastronomie.

| Lou Kull