Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Schneiders Haasekessel
  Dr.-Martin-Luther-King-Weg 17
  55122 Mainz
  Tel. 0 61 31 / 304 60 99
  Fax 0 61 31 / 304 61 03
www.haasekessel.de
info@haasekessel.de
  Öffnungszeiten:
  Mo bis So 17 - 24 Uhr,
  Di bis So auch 11.30 - 14.30 Uhr


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 35,0 : 5 = 7,0 Kochkappen
 
 7 Kochkappen  
 Essen 7,0 
 Trinken 6,5 
 Service 7,0 
 Ambiente 7,0 
 Preis-Leistung 7,5 

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RESTAURANTTEST

IM SCHATTEN DES ALTEN STADIONS

Da wo früher die Erste der 05er kickte, wird in dem ambitioniert betriebenen Gasthof »Schneiders Haasekessel« solide und bisweilen mit einem Tick Kreativität gekocht.

Hasekessel Ach du meine Güte, denke ich bei mir, als Mister X' SUV vom Martin-Luther-King-Weg auf den Riesenparkplatz des alten 05er-Stadions abbiegt. Hat er etwa ein intimes Stelldichein mit mir in der verwaisten VIP-Lounge vor? Oder will er mit mir an diesem eiskalten Herbstabend mit frierendzittrigen Händen auf der Stehtribüne Grog trinken und von alten Ligazeiten träumen? Nichts von alledem. X führt mich stattdessen in »Schneiders Haasekessel«, ein von außen hübsch anzusehendes, freistehendes Häuschen im Schatten der weiland glorreichen Arena.

Drinnen ist moderngediegene Einfachheit angesagt. An mittelbraunen Holztischen stehen schwarze Holzstühle mit roten Kunstlederbezügen vor beigen Wänden. An den kleineren Tischen kann sich der Gast auf großen roten Sesseln niederlassen, Trockenbautrennwände teilen den Gastraum in überschaubare Bereiche. Auf den Tischen liegen dunkle Kunststoffsets, die Herzdeko auf Sand im Glas wirkt bemüht.

Hasekessel

Kürbis variantenreich

»So, dann wollen wir mal die hiesige Küche auf ihre Leistungsfähigkeit hin überprüfen«, raunt X und greift zur Speisekarte. Sein Blick bleibt an dem Stichwort »Kürbiscappuccino« hängen, das er bestellenderweise mit Inhalt füllen lässt. »Gut gewürzt, tendenziell sämig, sehr schmackhaft«, lautet Mister X' Urteil, der zudem lobt, dass diese preiswerte Vorspeise - sie kostet 3,80 Euro - mit weißer Schaumkrone stilgerecht in einem hohen Cappuccino-Glas angerichtet ist. »Kürbiskerne ersetzen in diesem Fall optisch die Kaffeebohnen«, weiß er zudem zu berichten.

Ich bin nicht weniger angetan von meiner Kürbismousse mit Flusskrebsfleisch zu 9,80 Euro. Dieses Ensemble ist ein echter Hingucker in puncto Formen und Farben, der interessant-würzige Geschmack des zu großen Tropfen geformten Kürbis­puddings mit zarten Balsamicospuren überrascht und erfreut. Eine gelungene, schon ein wenig kreative Vorspeise. Das gelbe Herbstfruchtfleisch ist in »Schneiders Haasekessel« eine gern verwendete Zutat, die unter anderem auch zu Kürbis-Dinkel-Talern mit Joghurt-Kräuter Quark und Rohschinken (9 Euro) sowie hausgemachten Kürbisgnocchi mit Garnelen in Tomaten-Knoblauchbutter (21,50 Euro) verarbeitet wird.

Hasekessel Als Hauptgang ordert mein immerwährender Begleiter Kalbslebergeschnetzeltes in homemade Knoblauchbutter mit Reis und einem frischen gemischten Salat, der großartig knackig auf dem Teller liegt und reichlich Rohkost, zum Beispiel frisch geriebenen Radi, enthält. Allein das Dressing dürfte ein wenig raffinierter sein. »Die Leber ist angenehm medium gebraten, innen noch ein wenig rot und schmackhaft. Der aus einer umgestürzten Tasse stammende Reis enthält hübsch anzusehende dunkle Körner, ein Salbeiblatt hätte diesem Gericht gutgetan«, resümiert X seine Speise, die 16 Euro kostet.

Mein Tessiner Schweineschnitzel in Kräuter-Käse-Panade mundet mir sehr gut, wobei ich vor allem die wohlschmeckend-würzige Kruste hervorheben möchte. Die leichte Soße wirkt angenehm, die dazu gereichten Fließband-Kroketten erinnern mich an das Sonntagsessen mit meinen Eltern in den Sechzigerjahren. Preis: 12,80 Euro.

Ein düsteres Déjà-vu

Kaum habe ich den letzten Bissen zum Mund geführt, drängt X mit unruhigem Fingertippen auf seine Armbanduhr zum Aufbruch. Folglich wird es nun wieder einmal nichts mit meinem Dessert. »So, und nun warte ich nur noch auf richtige Eiseskälte, damit ich mit dir, liebe Lou, drüben im alten Stadion auf der Stehtribüne eine steifen Grog nehmen und von alten 05er-Zeiten schwärmen kann!« Was mir X beim Verlassen des Haasekessels begeistert in Aussicht stellt, klingt für mich wie ein düsteres Déjà-vu. War meine Vorahnung also doch nicht so abwegig ...

Hasekessel

Fazit:

»Schneiders Haasekessel« ist ein Gasthof, der mit Engagement und solider Küche betrieben wird, die sich hier und da auch einmal einen kreativen Ausflug leistet, wie wir etwa beim Herbstthema Kürbis festgestellt haben. Ansonsten finden sich im Preisbereich von 10 bis 20 Euro reichlich Fleischgerichte vom Schwein und Hähnchen auf der Karte, aber auch Cordon bleu und Schnitzel vom Kalb sowie argentinisches Rumpsteak. Hacksteak und Strammer Max erinnern an bodenständigen Fußballfangeschmack. Der Service des Hauses ist unaufdringlich bemüht und nett. 13 rheinhessische Posten zu circa 3 bis 4 Euro in 0,2 verzeichnet die Weinkarte des Hauses. Die beiden Tropfen, die wir probierten, mundeten diametral entgegengesetzt: Der trockene Graue Burgunder von Doll & Göth in Stadecken erfreute, der halbtrockene Niersteiner Oelberg-Riesling von einem Lörz­weilerer Gut zog uns hingegen vor lauter Kellermuff fast die Schuhe aus.

| Lou Kull