Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

  Konoba. Croatian Restaurant.
  Gutenbergplatz 2
  55116 Mainz
  Telefon 06131 6987747
info@konoba-mainz.de
www.konoba-mainz.de
  Öffnungszeiten:
  Mo bis Fr 11.30 bis 14.30 Uhr
  und 17 bis 23 Uhr
  Sa, So und an Feiertagen
  11.30 bis 24 Uhr


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 38,0 : 5 = 7,6 Kochkappen
 
 8 Kochkappen  
 Essen 7,0 
 Trinken 8,0 
 Service 7,5 
 Ambiente 8,0 
 Preis-Leistung 7,5 

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RESTAURANTTEST

EIN HAUCH ADRIA AM GUTENBERGPLATZ

Das »Konoba« hat eine großartige Lage, an einem warmen Sommertag entsteht so etwas wie mediterranes Flair. Hier kann man gediegen kroatisch essen und trinken.

Konoba Diesmal geht der Ort des gemeinsamen Essens auf meine Idee zurück! Mister X' Fundus an interessanten Adressen schien zu versiegen, und so sprang ich ein. Kürzlich hatte mir eine gute Wiesbadener Freundin erzählt, dass sie von einer Frankfurter Bekannten gehört habe, dass es in Mainz ein nettes neues kroatisches Restaurant gebe, irgendwo mittendrin. Nach kurzer Recherche war mir klar, dass es nur das »Konoba« am Gutenbergplatz sein konnte. Ich erzählte es X und er ließ sich darauf ein.

»Eine offensichtlich nicht schlechte Wahl«, entfährt es meinem Begleiter, nachdem wir das Treppenhaus mit indirekter blauer Stufenbeleuchtung passiert haben und nun in dem großen, luftigen Gastraum stehen. Anscheinend rechnet der Gastronom in erster Linie mit kleinen Besuchereinheiten, da es hauptsächlich in braun-schwarz gehaltene Zweiertische gibt, die bisweilen zu einem Viererensemble zusammengeschoben sind. Der Hit aber ist die ums Eck reichende, deckenhohe Glasfront, die komplett geöffnet werden kann. So fühlt man sich im Sommer drinnen wie draußensitzend. In Gänze freiluftig ist es auf der Balkongalerie an einem der Zweiertischchen, wo sich uns an diesem heißen Mittwoch ein quasimediterranes Flair eröffnet. Der leise Wind, der sich zartrauschend in den Kronen der Platanen auf der Ludwigsstraße bricht, das vom Sonnenlicht angeregte lebhafte Geplapper der dahinschlendernden Menschen, der Blick auf Staatstheater, Gensfleisch und die Domspitze - all dessen werden wir gewährtig vom ersten Stock über der Eisdiele aus.

Zurück zu den harten Fakten. Der Service ist reserviert-freundlich, toleriert ohne erkennbare äußere Unmutszeichen unser endloses Herumkruschen in der Speisekarte - wann geht man schon mal kroatisch essen - und bringt vorweg ein formidabel fruchtiges Olivenöl des Landes, in das wir ein sehr weiches, dichtes Weißbrot tunken, das sich im Mund fast von selbst auflöst. Später tauscht der aufmerksame Ober - ohne dass wir etwas moniert haben - einen fälschlich servierten Wein sofort unter Bedauern aus.

Konoba

Minimalistische Suppen

Wir wollen sehen, was die kroatische Küche in puncto Suppen zu bieten hat, und bestellen gleich drei verschiedene, die wir uns gegenseitig zum Probieren anreichen: Dalmatinische Fischsuppe mit Reis (4,50 Euro), Dalmatische Gemüsesuppe (kostet das Gleiche) und Rindersuppe mit hausgemachten Nudeln (3,50 Euro). Durchgehendes Fazit: Die Suppen sind eher minimalistisch gehalten, was die Würzung und die optisch auffälligen Inhaltsstoffe angeht, aber insgesamt schmackhaft. »Ich denke, dass diese Suppentypizität einer historisch nicht von Wohlstand verwöhnten ländlichen Region entspringt«, kommentiert X mit überzeugend wirkender Miene.

Die Hauptspeisen kommen beeindruckender daher. Mister X wählt die Dorade vom Grill mit Spinat, Mangold, Kartoffeln und einer so genannten dalmatinischen Soße für 17,50 Euro. »Ausgezeichnet. Dieser im Ganzen vorgelegte Fisch mutet absolut mittelmeerisch an, er hat eine knusprige Haut, ist innen zart und saftig. Die Oliven-Kräuter-Soße mundet sehr gut dazu. Eine bemerkenswerte Idee ist dieses aus Mangold, Spinat und kleinen, warmen Kartoffelstückchen ineinander verwobene Rondell. Nicht schlecht.« X ist's also zufrieden.

Mein Dalmatinischer Rinderschmorbraten nach Art des Chefkochs mit hausgemachten Gnocchi (15,50 Euro) leistet exakt das, was er verspricht: Die drei stattlichen Fleischscheiben sind vom leisen, langen Köcheln zart, die Soße hat die perfekte Konsistenz, ebenso wie die Nocken. Alles in allem ein solides, gediegenes Geschmackserlebnis.

Konoba

Makellose Cevapcici

Natürlich wollen wir, sind wir schon einmal beim Kroaten, das Lokal nicht verlassen, ohne die landestypischen Hackfleischstangen probiert zu haben. Die Cevapcici vom Grill (11,50 Euro), es sind acht Stück, schmecken tatsächlich nach dieser Zubereitungsart, die Pommes frites dazu sind einwandfrei, ebenso die kleine, scharfe Chilizubereitung und der Beilagensalat mit Vinaigrette-Dressing.

»Ach ja, war er nicht schön, dieser kleine Ausflug an die Adria«, flüstere ich X zu, als wir das »Konoba« verlassen. »Ja, liebe Lou, du hast Recht«, bestätigt mich mein immerwährender Begleiter. »Aber lass' uns noch einmal im Spätherbst hierher gehen, wenn schwerer Nebel über der Stadt liegt«, merkt er noch beiläufig an. Mir ist nicht ganz klar, was X damit meint.

Konoba

Fazit:

Das »Konoba« ist zweifelsohne eine Bereicherung für die gastronomische Szene der Landeshauptstadt. Die Lage ist brillant, und gerade an Hochsommertagen kann man es sich hier gut gehen lassen - fast wie im Urlaub am Meer. Das Essen bei unserem Besuch war durchweg geschmacklich gut und handwerklich in Ordnung. Kreative Ausreißer haben wir bei den von uns bestellten, insgesamt vielleicht ein wenig zu teuren Speisen nicht festgestellt. Bemerkenswert ist das Weinangebot im »Konoba«, was schließlich so viel wie Weinkeller oder Weinschänke heißt. Die offenen, trockenen Weine, die wir verkosteten, sind von überdurchschnittlicher Qualität: der Malvazija IGT aus Istrien (2,50 Euro für 0,1) ebenso wie der Kutjevo Chardonnay IGT aus der Provinz Slawonien (3 Euro), der kroatische Grasevina Riesling IGT (2,50) und der Sauvignon blanc Henri Bourgeois von der Rhone (3 Euro). Die Flaschenweinkarte umfasst 55 Positionen mit hochwertigen deutschen, kroatischen und weiteren internationalen Tropfen zwischen 19 und 285 Euro.

| Lou Kull