Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

  Sandhof Dirk Maus
  Sandhof 7
  55262 Heidesheim am Rhein
  Tel. 0 61 32 / 436 83 33
  Fax 0 61 32 / 436 83 34
info@Dirk-Maus.de
www.Dirk-Maus.de
  Öffnungszeiten:
  Mi bis So 18-22 Uhr,
  Sa und So auch 12-14 Uhr,
  Mo und Di Ruhetag


 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 49,0 : 5 = 9,8 Kochkappen
 
 10 Kochkappen  
 Essen 10,0 
 Trinken 9,5 
 Service 10,0 
 Ambiente 9,5 
 Preis-Leistung 10,0 

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RESTAURANTTEST

EIN HOCHGENUSS FÜR LEIB UND SEELE

Bei Dirk Maus im Sandhof taucht der Besucher in eine einzigartige Welt ein - was leben wir doch in einer gesegneten Gegend

sandhof Mister X ist im Grunde ein lieber Mensch und er möchte nur mein kulinarisch Bestes. »Warte, bis wir auf der Terrasse bei Dirk Maus sitzen - du wirst schlichtweg begeistert sein«, stellt mein immerwährender Begleiter in Aussicht, als wir auf sommerlich-staubiger Straße an der Bahnstrecke entlang Richtung Sandhof fahren, der etwas außerhalb der Heidesheimer Bebauung liegt. Gut angekommen, braucht es nicht lange, um festzustellen, dass X Recht hat.

Die Terrasse ist ungeheuer geräumig und geht fließend in eine große Wiesenfläche über, die das angrenzende Wohngebiet angenehm auf Distanz hält. Unter riesigen weißen Sonnenschirmen herrlich schattig sitzend, schweift der Blick über eine uralte Bruchsteinmauer hinüber zu den Anhöhen des Rheingaus. Ich empfinde schiere Freude, in dieser großartigen Kulturlandschaft sein zu dürfen, die direkt vor meiner Haustür liegt. »Dirk Maus hat in dieses Anwesen enorm viel Arbeit und natürlich auch Geld investiert«, reißt mich X auf seine legendär informelle Art aus meinem Tagtraum. »Ich vermute«, vernehme ich im Weiteren, »dass der Maître nach seinen beruflichen Mainzer und Essenheimer Stationen Maus im Mollers und Domherrenhof hier seinen Anker geworfen hat.« Die Geschichte der Anlage geht zurück auf das 12. Jahrhundert, zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde hier ein Mühlenbetrieb aufgenommen. In den vergangenen Jahrzehnten verfielen die Gebäude zusehends, bis Dirk Maus alles von Grund auf sanieren ließ. In diesem Frühjahr wurde das Restaurant im Sandhof eröffnet.

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Sehr urig und doch elegant

Naturstein und Holz dominieren im Inneren, wo sich auf einer Galerie der kleine Bereich des Gourmetrestaurants befindet, während das Gros des Raums dem Landgasthaus zugeordnet ist. Wir sitzen wie gesagt auf der Terrasse der zweitgenannten Abteilung, wo die in einer langen Edelstahltheke bevorrateten kühlen Getränke den ganz kurzen Weg zu den Tischen nehmen. Aufs Beste bedient werden wir von Tina Falke, die das Restaurant leitet, während ihr Lebensgefährte Dirk mit seinem Küchenteam für höchste leibliche Genüsse sorgt. Ein Lohn seiner Leistungen ist ein Stern im Guide Michelin.

Scheinbar en passant erfreut uns das Haus mit kleinen Grüßen aus der Küche, etwa zartschmelzender Gänsestopfleber in einer hauchdünnen Kruste mit Pfefferkirschen. Außerdem wird Gazpacho, jene herrlich kühle spanische Suppe, gereicht, wozu sich die Orangenbutter auf frischem Brot ausgezeichnet macht. Das Sauerkirsch-Sorbet mit einem leichten Edelbrand-Schaum tut ein Übriges zu unserem uneingeschränkten Wohlbefinden - schon die erste Gaumenberührung stellt unmissverständlich klar: Das isses und besser geht's nicht.

sandhof X und ich wollen ausgiebig von den hiesigen kulinarischen Wohltaten probieren. Wir nehmen uns daher ein ziemlich umfangreiches Programm vor. X ordert das Sommer-Menü zu 41 Euro, das er in Absprache mit der Restaurantleitung völlig unproblematisch abwandelt: Zum Entrée gibt es einen Sommersalat mit Himbeeren und Entenbrust, wobei Frische, Süße und Säure ein wunderbares Wechselspiel entfalten. Sodann würde normalerweise Kalbsfilet mit Riesengarnele, Mango, jungem Lauch und Kartoffeln folgen, das X durch einen superb angerichteten Steinbeißer mit seinem typischen hellen, festen Fischfleisch ersetzt. Das Finale seines Menüs bestreitet eine Erdbeervariation mit Mousse, Eis und Früchten, in der Aromen und wiederum Süße und Säure kongenial miteinander spielen.

Für mich wird das Klassik-Menü (34,50 Euro) aufgetragen. Es startet mit megadünn geschnittenem, feinwürzigem Fleischwurstcarpaccio, garniert mit Schnittlauch, Schalotte und Salat. Anstelle der nun vorgesehenen geschmorten Kalbshaxe mit Pfifferlingen und Nudeln übernehme ich aus dem Sommer-Menü das oben genannte Kalbsfilet. Es sind zum einen die Zartheit, zum zweiten der deutliche Eigengeschmack eines gemeinhin eher ausdruckslosen Fleisches, die mich überraschen und begeistern. Die Sacherterrine mit abgezogenen Kirschen und Vanille zum Abschluss des Menüs ist geradezu unbeschreiblich wundervoll: Hier hat jemand detailverliebt gewirkt und dabei eine gewisse trockene Konsistenz mit Saftigkeit zu einem uniquen Wahrnehmungserlebnis komponiert.

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Da kann man anderswo lange suchen

Aufgrund dessen, dass X und ich zwischenzeitlich das Kalbskotelett mit Pfifferlingen und hausgemachten Tagliatelle (39 Euro) und den Blutwurststrudel auf Rahmsauerkraut (18,50 Euro) sowie den Kabeljau mit grüner Haut, rotem Mangold und Oliven-Couscous (24,50 Euro) kosten dürfen, gelangen wir zu der unumstößlichen Überzeugung: Alles was Dirk Maus zubereitet, bewegt sich auf höchstem Niveau, nicht zuletzt dadurch, dass zutatentypischer Geschmack deutlich herausgearbeitet und raffiniert interpretiert wird. Darüber hinaus findet eine virtuose Jonglage mit Konsistenzen statt.

»Duuu«, schnurre ich beim Verlassen des Sandhofs X an, »ich glaube, du magst mich wirklich. Sonst hättest du mich wohl kaum in dieses großartige Restaurant geführt, nicht wahr.« Mein Begleiter überlegt einen kurzen Moment und antwortet dann unnachahmlich: »Es ist mir immer eine Freude, dir, liebe Lou, wahres Plaisir zu bereiten. Allerdings habe ich mich mit dem heutigen Besuch bei Dirk Maus in die Bredouille manövriert. Was soll ich dir nach diesem Erlebnis noch präsentieren?« »Ach, das Leben ist ein Auf und Ab«, mache ich X Mut. Er lächelt.

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Fazit:

Dirk Maus ist einer der Großen in der Küche. Mit dem Sandhof hat er sich wohl seinen Lebenstraum erfüllt, und die Freude darüber schmeckt man seinen Speisen an. Allerbeste Zutaten, mit Liebe, Talent, Können und Raffinesse zubereitet, ergeben kulinarische Resultate, nach denen man anderswo lange suchen muss. Der Service ist erstklassig, Tina Falke leistet auf diesem Gebiet hervorragende Arbeit, wie sie besser nicht sein kann. Das Anwesen Sandhof versetzt den Besucher in eine eigene Welt und macht einen aufmerksam auf die einzigartige Region, in der wir leben. Die Weinkarte von Dirk Maus ist übersichtlich und dezidiert abgestimmt auf seine Küche. Von rheinhessischen Top-Gütern bis zu internationalen Spitzen hat er ein formidables Tableau zusammengestellt. Alles, was wir hier an Speisen probiert haben, ist absolut preisgerecht und nicht teurer als anderswo - nur besser eben. Berührungsängste mit Dirk Maus' Gastronomie sind völlig fehl am Platz: Hier wirken bodenständige Menschen mit dem ausgeprägten Wunsch, der Sinnenfreude zu ihrem guten Recht zu verhelfen.

| Lou Kull