Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

  Gutsschänke Battenheimer Hof
  Rheinstraße 2
  55294 Bodenheim
  Tel. 06135 70940 ab 16 Uhr
j.egger@battenheimerhof.com
www.battenheimerhof.com
  Öffnungszeiten:
  Di bis So ab 17 Uhr
  Montag Ruhetag

 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 41,0 : 5 = 8,2 Kochkappen
 
 8 Kochkappen  
 Essen 8,0 
 Trinken 8,5 
 Service 8,5 
 Ambiente 8,5 
 Preis-Leistung 7,5 
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Restauranttest

EIN HAUCH ÖSTERREICH UNTERM KASTANIENBAUM

Ein Hauch Österreich unterm Kastanienbaum Der Battenheimer Hof in Bodenheim bietet handwerklich hochwertige Küche in charmant-ländlicher Umgebung und eine herausragende Flaschenweinkarte

Battenheimer Hof

An diesem Tag ist die Welt eine andere als sonst. Die Hitze dröhnt regelrecht, noch am frühen Abend zeigt das Thermometer in Bodenheim 34 Grad Celsius an. Ziemlich mürbe ob dieses Klimas schleichen Mister X und ich vom Parkplatz des Battenheimer Hofs zum Gutsschänkenbereich im Freien. Glücklicherweise hatten wir reserviert und uns ein laues Plätzchen unter der riesigen alten Kastanie gesichert. Hier ist es wundervoll, nicht zuletzt, weil ein permanentes Lüftchen für erträgliche äußere Umstände sorgt.

Ort der Ruhe und inneren Einkehr

Das Ambiente beruhigt, entspannt. Uralte Steinbänke und schmiedeeisernes Mobiliar mit tiefrotbrauner Holzauflage fügen sich auf wunderbare Weise ins Gesamtbild ein, das ich mal als elegant-urig bezeichnen möchte. Hast scheint hier ein Fremdwort zu sein. An diesem Ort der Ruhe und inneren Einkehr kommt auch X an diesem heißen Tag so langsam wieder zu sich. Einen Anteil an der Wiederbelebung könnte der 2009er Siefersheimer Silvaner von Wagner-Stempel haben (0,1 für 5 Euro), der die Rebsorte brillant widerspiegelt, aber nicht zu üppig wirkt. Im direkten Vergleich punktet mein 2011er Grüner Sylvaner von Battenfeld-Spanier in Hohen-Sülzen (0,1 für 4 Euro) mit Kraft, Energie und Franken-ähnlicher Stilistik.

Battenheimer Hof Der Moment ist gekommen, X hebt an: »Ich wähle aus den auf der Schiefertafel avisierten Tagesempfehlungen die Pasta mit Seeteufel zum Entrée.« Die 9,90-Euro-Speise besteht aus drei flachen Nudeln in der Art von Ravioli, die mit dem Fisch fein gefüllt sind. »Die Pinienkerne, frisches Grünes und ein gutes Maß Weißweinnote geben diesem Gericht Pfiff«, erzählt mein immer lebendiger werdender Begleiter frohgemut. Ich meinerseits freue mich über den Frühlingssalat von »Steins Kräutergarten« mit Granatapfelvinaigrette, karamellisierten Feigen und gezupftem Ziegenkäse (9,50 Euro). Dieses Ensemble wirkt angenehm frisch, die Salatsauce verführt mehrfach dazu, eine der drei Brotvariationen darin zu tunken, die uns zuvor gereicht worden sind.

Test auf Authentizität bestanden

Da X erfahren hat, dass das Lokal unter österreichischer Leitung von Johannes H.B. Egger steht und die Authentizität des Gebotenen prüfen möchte, wählt er als Hauptspeise Backhendl auf Kartoffel-Gurken-Kren-Salat, wozu außerdem grüner Blattsalat gereicht wird (12,90 Euro). Resümée: »So liebe ich es, in dieser Speise wird die Küche unseres Nachbarlandes original und nicht domestiziert präsentiert, das Geflügel ist knusprig und saftig zugleich, der Meerrettich bringt pikante Lebendigkeit ins Spiel.«

Schön zudem, dass sich der Austria-Aspekt des Battenheimer Hofs nicht auf die Speisen begrenzt. Wer auf die Flaschenweinkarte schaut und hier mit dem Auge verweilt, zählt ein Tableau von sage und schreibe 101 Positionen, innerhalb dessen eine Rundreise zu gehobenen Kreszenzen der österreichischen Anbaugebiete möglich ist. Den zweiten Schwerpunkt bildet Rheinhessen, daneben werden anspruchsvolle Tropfen beispielsweise aus Italien offeriert. »Eine Weinkarte von außergewöhnlicher Klasse«, merkt X kurz und bündig an.

Auf meinen Teller kommt nun Piccata Milanese, klar: vom Kalb, auf geschmolzenen Kirschtomaten mit Basilikumtagliatelline (19,50 Euro). Das dünne, rosafarbene, extrem zarte Fleisch wird von einer luftigen Panade umspielt, beides zusammen ist von grandioser Saftigkeit. Und obwohl mein Hunger eigentlich nur für eines der beiden Fleischstücke reicht, esse ich alles ratzekahl auf. Diese Zubereitung ist einfach zu gut, um etwas liegen zu lassen.

Battenheimer Hof

Basiskarte und tägliche Highlights

Die Standardkarte in der Gutsschänke Battenheimer Hof ist angenehm übersichtlich - mit drei verschiedenen Salaten (8,90 bis 12,90 Euro, Beilagensalat 3,50 Euro), einer Suppe (6,50 Euro), drei Vorspeisen (9,50 bis 10,50 Euro), zwei vegetarischen Gerichten (je 11,50 Euro) und sieben Mal »Fleischeslust« (9,80 bis 19,90 Euro). Hinzu kommen die Tagesempfehlungen, die an unserem Besuchstag außer den Pasta mit Seeteufel Folgendes verheißen: Rinderhüfte (17,90 Euro), österreichisches Almochsenfilet (27,50 Euro) und Dorade (18,90 Euro). Erläutert werden uns die Gerichte von der mit angenehm natürlichem Charme ausgestatteten Bedienung, die Freude an ihrer Arbeit ausstrahlt.

Im Gehen schauen wir mal in den Restaurantraum und das Gewölbe hinein. Auch hier geht es rustikal-elegant zu, womit der Stil der Terrasse stimmig fortgeführt wird. »Dieser Besuch hat gut getan, liebe Lou«, höre ich einen sichtlich erholten Mister X sagen. »Hier waren wir mit Sicherheit nicht zum letzten Mal«, zwinkere ich meinem Lieblingsmitesser zu.

Battenheimer Hof

Fazit:

Wenn es ein Restaurantbetrieb schafft, an einem Tag, an dem sich die Menschen vor Hitzelähmung kaum bewegen können, Entspannung, Erholung und Plaisir zu bringen, muss schon was dran sein. Die Gutsschänke Battenheimer Hof wirkt wie eine Oase in der Betriebsamkeit des Rhein-Main-Gebiets und passt hervorragend zum angrenzenden Landhotel. Besonders gut neben der Küche, die sich auf die Zubereitung traditioneller Gerichte - teils mit österreichischen Anklängen - prächtig versteht, gefiel uns die großartige Weinkarte. Im weiten Umkreis dürfte es kaum anderswo möglich sein, derart intensiv in die Weinwelt des südlichen Nachbarlandes einzutauchen. Was zudem richtig guttat, war die sympathische Unaufgeregtheit und Souveränität der weiblichen Bedienung.

| Lou Kull