Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

  Pankratiushof
  Bürgermeister-Keim-Straße 1
  55129 Mainz-Hechtsheim
  Tel. 06131 957780
  Fax 06131 957779
info@pankratiushof.de
www.pankratiushof.de
  Öffnungsz.: Mo-Fr 11-15 Uhr
  und nach Absprache;
  Reservierungen unter
  Tel. 06131 957778

 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 40,0 : 5 = 8,0 Kochkappen
 
 8 Kochkappen  
 Essen 8,5 
 Trinken 7,0 
 Service 8,5 
 Ambiente 7,0 
 Preis-Leistung 9,0 
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Restauranttest

OFFENSICHTLICHE FREUDE AM EIGENEN TUN

Liebe Hechtsheimer, der Pankratiushof ist viel zu gut, als dass ihr ihn für euch allein haben sollt. Sorry, in Zukunft werdet ihr euch an die Stadt-Mainzer gewöhnen müssen

humbertus

Als X und ich in seinem SUV so durch die Hechtsheimer Gassen rollen, wird mir klar, dass der Ort einen eigenen kleinen Kosmos bildet. Hier gibt es alles, was der Mensch braucht, das Leben scheint wesentlich gelassener dahinzugehen als jenseits des Hügels im Zentrum der Landeshauptstadt. In dieses Bild passt der Pankratiushof perfekt.

Der Gastronomiebetrieb ist in eine alte Scheune integriert und wird von den Betreibern folgerichtig als Scheunen-Restaurant apostrophiert. Als wir eintreten, sind alle Tische besetzt, es herrscht fröhliche Stimmung. Die freundliche Bedienung empfiehlt uns, an einem Tisch hinten am Fenster Platz zu nehmen, wo eine Dame sitzt, die uns wie selbstverständlich als gebetene Mitgäste empfängt. Die Einrichtung ist rustikal, die Stühle aus Wurzelholz passen nicht so ganz zu den hellrotbraunen Tischplatten, das Besteck ist in grünkariertes Baumwolltuch gerollt, welches wiederum von einer Papiermanschette mit hauseigenem Schriftzug und Logo zusammengehalten wird.

Ohne großes Aufheben wird ein Korb mit vier verschiedenen Sorten Brot auf den Tisch gestellt, von denen wir später erfahren, dass sie selbstgebacken sind. Dazu gibt es eine schmackhafte Paprikacreme. »Ich muss sagen, ich bin angetan«, äußert sich Mister X nun mit Zeitverzögerung. Anscheinend hatte er die Impressionen, die hier über ihn hereinbrachen, erst einmal zu verarbeiten. In der Tat beeindruckt dieses - nur in der Mittagszeit und nur unter der Woche geöffnete - Lokal mit heiterem, bunten Treiben, wie man es von deutschen Restaurants nicht unbedingt gewohnt ist.

humbertus

Wein im realen Viertel

Die Weinkarte hat zur Zeit unseres Besuchs lediglich sechs aktive Positionen, stellt jedoch, zumal für den mittäglichen Genuss, zufrieden. Mit Fleischer, Zehe-Clauß und Stenner sind ausschließlich Hechtsheimer Weingüter präsent. Hier wird der Rebensaft im realen Viertel, also 0,25 Liter, ausgeschenkt, die Preise bewegen sich von 3,90 bis 5,20 Euro. Mein trockener Stenner-Silvaner und X' Ries­ling Classic von Fleischer harmonieren mit unseren Speisen. Das Spargelcremesüppchen mit Wildkräuter-Mohnpesto (alle Suppen: kleine Portion 4,30 Euro, große 7,50 Euro) verursacht auf X' Gesicht ein wohlgefälliges Lächeln: »Herrlich cremig, wundervoller Spargelgeschmack, ein kreativer Einfall, dieses Pesto.« Mehr Lob von Hochwürden geht nicht. Da will ich mit meiner Fenchel-Parmesansuppe mit Garnelen nicht nachstehen. Dieser hauchzarte Aromeneindruck des südländischen Gemüses entzückt mich schlichtweg und das Meeresgetier schmeckt ebenfalls vorzüglich. Beide Suppen werden in charmant abgeschrägten, großen weißen Tassen serviert, was zusätzlich einen Augenschmaus hervorruft.

»Da will ich doch noch mal tiefer in die hiesigen Vorspeisen einsteigen«, lässt mein begeisterter Mitesser verlauten und bestellt den lauwarmen Auberginensalat mit Minze, Kreuzkümmeljoghurt und Orangenfilets (5,90 Euro). Ich kenne ihn nicht wieder. Der Pankratiushof lässt aus meinem eingefleischten Grantler einen smart-begeisterten Menschen werden, der sein kleines, fein angerichtetes Mahl so kommentiert: »Göttlich wäre als Beschreibung dieser Speise zu hoch gegriffen, aber höchstköstlich trifft ohne Weiteres zu. Die einzelnen Komponenten passen großartig zueinander. Dies so zu komponieren, verlangt ein gewisses Maß an Kreativität.«

Der gute Eindruck setzt sich bei den Hauptspeisen nahtlos fort. X will's erst mal ländlich, ordert mit Basilikum und Gorgonzola gefüllte Semmelknödel auf Gemüse von zarten Spargelköpfen und kernigen Walnüssen (9,90 Euro). »Saftig-frisch, sahnig-schlotzig«, ist von meinem Gegenüber zu vernehmen, dem momentan nichts hinzugefügt werden sollte. Mein Zitronenhühnchen aus dem Ofen, mit Oliven und Thymian geschmort auf Reisnudelrisotto mit Parmesan (12,90 Euro) ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich auch eigenwillig-starke Einzelkomponenten, wenn man's als Koch denn kann, zu einem homogenen großen Ganzen zusammenfügen lassen.

humbertus

Alles stimmt auf den Punkt

Die rosa gebratenen Rumpsteak-Streifen auf warmem Salat vom Wok-Gemüse (Grünspargel, Möhren, Sprossen, Zuckerschoten) mit Glasnudeln, frischem Koriander und Sesamdressing (12,90 Euro), die X aus schierer überbordender Begeisterung jetzt noch zu sich nimmt, bestätigen die durchgehend hervorragende Küchenleistung im Pankratiushof: »Die Gemüse sind angenehm bissfest, die circa 15 Millimeter starken Rinderfiletstreifen auf den Punkt gegart.«

»Ich will nicht mehr weg von hier«, muss sich Mister X mein abschließendes Statement anhören. Auslöser dafür sind die auf einem runden Silbertablett dargebotenen vier Desserts aus eigener Pankratius-Konditorei. Ich nehme die Himbeer-Biskuit-Rolle, X den gedrehten Rhabarberjoghurt. Als Abbinder wählen wir Espresso, zu dem drei verschiedene Zuckersorten und Süßstoff gereicht werden. »Ich bleibe mit dir hier«, höre ich von vis-à-vis...

humbertus

Fazit:

Der Pankratiushof in Hechtsheim stellt das dar, was wir heutzutage allzu oft vermissen: ein gemütliches Restaurant mit zufriedenen, gelassenen, fröhlichen Gästen und freundlichen Mitarbeitern, die großen Spaß an ihrer Arbeit haben und diese Begeisterung spürbar nach außen tragen. Die Küchenleistung ist handwerklich perfekt, hinzu kommen kreative Ideen jenseits des Schnickschnacks, wodurch unsere Essensbewertung diesmal höher ausfällt, als für beste Gastrobetriebe dieser Kategorie üblich. Die Qualität der Zutaten stimmt durchweg, das Preis-Leistungs-Verhältnis geht in Richtung sensationell.

| Lou Kull