Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

  »Humberto« RestoBar
  Holzhofstraße 14A
  55116 Mainz
  Tel. 06131 9713854
info@humberto-mainz.de
www.humberto-mainz.de
  Mo bis Do 17 bis 23 Uhr
  Fr 12 bis 1 Uhr, Sa 17 bis 1 Uhr
  So und Feiertage 17 bis 23 Uhr

 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 38,0 : 5 = 7,6 Kochkappen
 
 8 Kochkappen  
 Essen 7,0 
 Trinken 7,0 
 Service 7,5 
 Ambiente 6,5 
 Preis-Leistung 7,0 
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RESTAURANTTEST

TRASHIG-STIMMIG UND LATEINAMERIKANISCH

Wo sind wir denn hier gelandet? Nach einem ersten kleinen Schock fühlen wir uns im »Humberto« wohl - wegen der ausgezeichneten Fleischgerichte

humbertus

Hmm, wie finde ich das denn? Von außen wirkt das »Humberto« in der Holzhofstraße wie eine nicht besonders gemütliche Eckkneipe, vielleicht liegt das an den großen, kahl erscheinenden Fensterfronten. Drinnen laufe ich erst einmal gegen eine stilistische Schockwand. Irgendwie hat hier jemand mal angefangen, etwas zu gestalten, und ist mittendrin so nachhaltig gestört worden, dass nix so richtig fertig wurde.

Also: Die Decke, deren einstige Verschalung des Betons man teilweise noch erahnen kann, ist gülden gestrichen. Dafür zieren allerhässlichste Steinplatten aus den 60er Jahren den Boden. An den Fenstern hängt eine Art Chiffongardinen in Blau, für die ganze Front hat's aber nicht gereicht. Man sitzt hier auf Brauereistühlen mit Kuhkissen oder in plüschigen Sesseln, die Wände sind mit allerlei bunten Installationen hobbykünstlerischer Art verziert, ein weiß gestrichenes Küchenbüfett aus einer längst vergangenen Epoche bildet einen interessanten Kontrast zur farbknallenden Theke.

humbertus »Trashig-stimmig«, entfährt es Mister X, und ich kann nur sagen, er hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Dieses Ambiente reizt aber offensichtlich nicht allein Studenten zum Eintritt. Das Publikum ist gut gemischt, auch Mittelalte und Ältere sind dabei, überwiegend aber Frauen. Wer sich über Essen und Trinken informieren möchte, schlägt uralte Plattencover auf, wie zum Beispiel »Stand by me« von Ben E. King. Hier kann der geneigte Gast auch Grüße oder andere Bemerkungen reinkritzeln - wie's beliebt.

Klare Ansagen

Das Tableau ist angenehm übersichtlich und verständlich. Es gibt Tapas/Appetizer (Pintxos, das Stück ab 1,50 €), Snacks & Quickies zwischen 3,80 (Portion handgeschnittene Fritten, doppelt frittiert, inklusive Saucen) und 10,50 € (Carpaccio oder Sushi de Carne), Grass-fed Beef / Premium Cuts vom 200-Gramm-Roastbeef für 15,80 € bis zum ganzen, am Stück gegrillten Filet (1,2 Kilo, 95 €), Burger (250 Gramm, 8,50 bis 11,50 €), Burger-Specials (7,50 bis 18,50 €), zweierlei Frikadellen (je 7,50 €), ein Salat-Duo (9,50/9,80 €), Beilagen, Extratoppings und Saucen.

humbertus Das verwendete Fleisch stammt gemäß der Beschreibung auf der Karte von glücklichen, freilaufenden Kühen aus Uruguay und wird direkt importiert. Bueno. X startet mit Pintxos - laut Karten-Info »Die aufwändigere Form der Tapas: kalte und warme aufgespießte Häppchen«. Bei seiner Variante handelt es sich um eine Baguettescheibe mit Kräutercreme, Wachtelei und Rinderfilet.

Er findet dieses Arrangement »ungewöhnlich, recht interessant« und »geschmacklich in Ordnung«. Das sich für ihn anschließende Sushi de Carne, »hauchdünnes Filet, gefüllt mit Gemüsereis«, verschafft Mister X hingegen kein Plaisir: »Man kann diese fünf Röllchen, die ich für eindeutig überteuert halte, leicht mit Fisch-Sushi verwechseln, sie sind geschmacklich schwer zuzuordnen und wirken ein wenig muffig.«

humbertus Meine Provoleta (6,50 €) geht gar nicht. Angekündigt war ein gegrillter, leicht fließender Käse, zu dippen mit Weißbrot. In der Tat erhalte ich eine salzige, zähe Masse, die sich wie Gummi Arabicum verhält.

Kernkompetenz

Mit den Hauptspeisen jedoch dreht das »Humberto« voll auf. Die Küche zeigt nun, wo ihre Kernkomptenz liegt: beim Fleisch. Ich nehme gleich zwei Burger hintereinander, zuerst den Humberto bacon (9,90 €), dann den Diablo zu 11 €. Für beide gilt: Das Hackfleisch ist perfekt auf den Punkt gegart, luftig, fettarm und von schmeckbar hoher Qualität. Auch das Drumherum wie Salat, Tomate, Gurke, Zwiebeln sowie im einen Fall Cheddar Cheese, im anderen Peperoni und die BBQ-Sauce Chimichurrie stimmt. »Brillant, einfach köstlich«, reportiert X über sein Ribeye (Entrecôte), das in der 300-Gramm-Ausgabe 23,70 und als 500-Gramm-Mastercut-Stück 39,50 € kostet.

»Hasta la vista«, grummelt X, als wir das Lokal verlassen. Ich glaube, mein immerwährender Begleiter wird noch länger an diesem Abend über unseren Besuch nachdenken.

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Fazit:
Das »Humberto«, das im Mai die Aktion »Beef 'n Burger for lovers« fährt - was immer darunter zu verstehen ist -, hat Charakter, auch wenn der etwas schrill ausfallen mag. Unsere Vorspeisen erlebten wir als schwach bis mäßig, während die Fleischgerichte bezüglich Material und Zubereitung erstklassig waren. Über Holzkohle gegrillt, kommt das uruguayische Rind in Perfektion auf den Teller - und dieser Umstand hat dem »Humberto« die Durchschnittsnote von sieben Kochkappen gerettet.

Die Weinauswahl des Hauses ist beachtlich und reicht preislich bei den zwölf argentinischen Kreszenzen von 5,50 € für einen 2010er Viognier Reservado im 0,2-Liter-Glas bis zu 27 € für einen 2006er Malbec in der gleichen Gebindegröße. Schön: Immerhin stehen drei rheinhessische Weine auf der Karte, und zwar von Gres in Appenheim, der durchweg hervorragende Qualität liefert.

| Lou Kull