Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant

Restaurant Mainzer Golfclub
  Oberer Mombacher Weg 4
  55257 Budenheim
  Tel. 06139 2930-21
  Fax 06139 2930-29
  Mobil 0177 6803817
gastro-catering@gmx.net
www.mainzer-golfclub.de
  Öffnungszeiten: tägl. 12-22 Uhr

 Wertungstabelle: 
 Gesamturteil
 38,0 : 5 = 7,6 Kochkappen
 
 8 Kochkappen  
 Essen 6,5 
 Trinken 7,5 
 Service 8,0 
 Ambiente 7,0 
 Preis-Leistung 8,0 
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RESTAURANTTEST

EHRLICH-GUTE KÜCHE IM GOLFCLUB

In Jörn Stolls Restaurant werden, wie er sagt, ausschließlich regionale Zutaten stets frisch verarbeitet / So ganz nebenbei entwickelt sich hier ein kleines Bier-Mekka

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Was hat X vor? Will er mich diesmal von seinen sportlichen Qualitäten überzeugen? Was kann es sonst bedeuten, wenn wir auf dem Parkplatz des Mainzer Golfclubs in Budenheim vorfahren. »Nun, du magst dich wundern, dass ich dich ausgerechnet hierher führe, werte Lou. Keine Angst, ich habe nicht vor, den Schläger zu schwingen. Vielmehr wurde mir von einer Insiderin zugetragen, dass es sich durchaus lohne, das hiesige Golfrestaurant, das nun unter neuer Leitung steht, zu besuchen. Voilá, nous sommes arrivés«, retourniert mein nahezu allwissender Begleiter die Gedanken, die ich noch gar nicht ausgesprochen hatte.

Wir betreten das Etablissement durch eine Eingangshalle, wo auf Kunstrasen zu Übungszwecken eingeputtet werden kann. Linker Hand eröffnet sich dann L-förmig der Restaurantbereich. Gelb und Grün sind die Farben, die sich im Wechselspiel überall widerspiegeln: an den Säulen, auf den Stühlbezügen, den feinen Stoffschals und den Frühlingspflanzen, die die Tische schmücken. Die dritte Farbe, Dunkelbraun, ist den Holzteilen von Stühlen und Tischen vorbehalten.

Fünf Gerichte, ein Dessert

»Lou, du scheinst zu träumen«, maßregelt mich X mit seiner berühmt hochgezogenen Augenbraue. Nun gut, zurück in der - auch nicht zu verachtenden - Realität, studiere ich gemeinsam mit meinem ewigen Begleiter die Speisekarte. Sie ist zur Zeit unseres Besuchs auf fünf Gerichte zuzüglich ein Dessert begrenzt, soll aber mit der Zeit auf 15 bis 20 Posten erweitert werden, wie uns Geschäftsführer Jörn Stoll berichtet.

golfclub Unserer Meinung nach müsste das nicht sein, wenn die avisierten Speisen das halten, was zum Entrée der Karte versprochen wird: »Hausgemachtes statt Aufgewärmtes, leckere, bodenständige sowie ausgefallene internationale Küche! Kein Fast-Food, keine Gerichte aus der Tüte, ohne Geschmacksverstärker - dafür regionale und saisonale Produkte. Alle Speisen werden von uns aus hochwertigen Grundstoffen - ausschließlich von regionalen Bauern, Metzgereibetrieben und aus Ökohaltung - immer frisch zubereitet.«

Ich nehme es vorweg: Das, was wir gegessen haben, war durchweg erste Sahne, so einfach und treudeutsch sich die Gerichte anhören. Allein die »ausgefallene internationale Küche« haben wir nicht entdeckt - kann ja noch kommen. X nimmt die unter »Unser Klassiker« firmierende Speise: kaltes, zartrosa gebratenes Roastbeef vom Charolais-Rind, dazu Sauce Remoulade und Bratkartoffeln für 16,80 Euro (halbe Portion 12,80). Hier ist mein Tischgegenüber in seinem Element, bekleidet er doch den Rang eines französischen Botschafters des Charolais-Rindes in Deutschland - mit Amtskette und allem Tschingderassabum. »Erstklassig«, murmelt X, »an diesem Gericht kann man nichts besser machen.«

golfclub Mich lockt das Schnitzel »Wiener Art« vom Schweinerücken, in der Pfanne gebraten, dazu Kartoffelsalat (9,80/6,80). So etwas habe ich, ehrlich gesagt, noch nicht erlebt: Als das Schnitzel angereicht wird, duftet mir ein Mix aus zart-frischer Panade und leckerem Fleisch fein entgegen. Der Geschmack des ganz dünn geklopften Schnitzels ist entsprechend, der Kartoffelsalat mundet ebenfalls köstlich. Zum Finale nehmen X und ich den formidablen Schokoladenkuchen mit Vanille-Waldhonig-Parfait (5,80 Euro).

Ausgezeichnet präsentiert sich auch die Getränkesituation im Restaurant des Mainzer Golfclubs. Im Ausschank sind vier Weißweine aus Rheinhessen von Huff und Fleischer zwischen 3,20 und 4,80 Euro für 0,2, die auch als Flaschengebinde bestellt werden können. Der offene rote Montepulciano kostet 3,20 Euro. Sodann lohnt sich der Blick auf die Bouteille-Karte, die auch einige Spezialitäten vom Roten Hang und aus Hochheim bietet und von 14,80 bis 48,80 Euro - ein neuseeländischer Sauvignon Blanc - reicht. Bemerkenswert zudem das Tableau ausschließlich mit Flaschenweinen aus Gebieten der Great Wine Capitals (16,80 bis 26,80 Euro).

Der Besuch hat sich gelohnt. Auch wenn ich nicht den von Mister X majestätisch geschwungenen Golfarm gesehen habe.

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Fazit:
Im seit kurzem unter neuer Leitung stehenden Restaurant Mainzer Golfclub haben wir mit großem Appetit gegessen. Das fing schon bei dem Budenheimer Brot an, das - in sich herrlich dicht und mit schöner, dunkler Kruste - vorweg mit Butter gereicht wurde. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal hat das Golfrestaurant aufgrund der Affinität seines Geschäftsführers zu so genannten Craft-Bieren, also handwerklich gefertigten. Jedenfalls sind diese Biere mit üblichem Gerstensaft nicht vergleichbar, sondern stellen eher eine Art High-End-Produkt dar. Dabei sind Bandbreite und Preise der von Jörn Stoll angebotenen Kreszenzen enorm: So gibt es das India Pale Ale aus der Crew Alewerkstatt München schon für 3,80 Euro in 0,33, das Firestone Walker 14th Anniversary Ale aus den USA bildet hingegen mit 12,5 Alkoholprozenten und 34,80 Euro je 0,65-Liter-Behältnis das obere Ende der Fahnenstange.

| Lou Kull