Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant


U.D.P Mainz Restaurante
  Mombacher Straße 38b
  55122 Mainz
  Tel. 0 61 31 / 37 32 14
  Fax 0 61 31 / 37 32 15
udp-restaurante@t-online.de
www.udp-mainz-restaurante.de

  Öffnungszeiten:
  Di bis Fr 18 bis 22.30 Uhr;
  Sa, So und Feiertage 12 bis 15 Uhr
  und 18 bis 22.30 Uhr; Mo Ruhetag


Wertungstabelle:

Essen 6,5
Trinken 6,5
Service 7,5
Ambiente 6,5
Preis-Leistung 8,0

Gesamturteil 35,0 : 5 = 7,0 Kochkappen

7 Kochkappen
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Restauranttest

»U.D.P Mainz Restaurante«: Urige Atmosphäre zum Wohlfühlen

Wie im Urlaub in Portugal


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»Ah ja«, kommentiert X den Anblick des hallenartigen Gebäudes, als wir mit seinem SUV auf den leicht ansteigenden Parkplatz fahren. Die wenigen Schritte von draußen nach drinnen machen den Unterschied: Jenseits der Türschwelle ist Portugal. Wir befinden uns in einem echten Clubheim, und zwar dem des Sport- und Kulturvereins aus dem westiberischen Land mit Namen »U.D.P. Mainz Restaurante«.

»Ist das nicht herrlich?«, beginne ich zu schwärmen, »diese vielen bunten Fanschals an den Wänden, die urigen Möbel und die goldigen Pfeffer- und Salzfässchen auf dem Tisch.« Mister X schaut skeptisch zu mir rüber: »Bist du dir sicher, dass dir das hier wirklich gefällt?

Soweit ich es in Erinnerung habe, hältst du so viel vom Fußball wie ich von lauwarmem Essen.« Gemein, denke ich bei mir, und kuschele mich so langsam ein in diese Atmosphäre von weißer und blauer Wandfarbe, von silberroter Riesenfußballkugel am Deckenventilator und dem grünen Spielfeld am Plafond. Konsequenterweise gehören dazu weiße Papiertischdecken, ein Kerzchen in der Tischmitte und braunbeige Stühle aus Schilfrohr.

Hausgemachte Fischsuppe

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»Eine rote, herzhafte, offensichtlich hausgemachte Fischsuppe, in der sich reichlich Meeresgetier, einschließlich Muscheln und Tintenfisch, befindet«, beschreibt Mister X sein Entree für 3,90 Euro, dem er sogleich den gemischten Vorspeisenteller (5,90 Euro) folgen lässt. Auf ihm werden fritierte Sardinen, Teigtaschen mit Krabbenfleisch, panierte Hummerbällchen sowie Stockfischkroketten, eine Lachscreme, die mächtig nach Zitrone schmeckt, und diese wundervoll schmackhafte südländische Knoblauchcreme, die wir aus Italien als Aioli kennen, gereicht. »Ordentlich, aber kein Feinschmeckergericht«, zieht X Resümee. Die Aioli ist aber derart gut, dass er sie noch als Solozwischengang für uns beide bestellt.

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Meine beiden lauwarmen Stockfischkroketten (je 1,50 Euro), die immerhin Tennisballausmaße haben, tun sich durch salzig-kräutrige Würze hervor, die sich anschließende Gambas-al-ajillo-Vorspeise (6,90 Euro), sprich Garnelen in warmer Knoblauchsoße, überzeugt durch Schärfe und einen ungeheuer intensiven Knofel-Eindruck. Das zuvor schon kostenfrei gereichte Weißbrot mit Sesamkruste eignet sich wunderbar zum Tunken.

Sehr ordentliches Rumpsteak

Mich gelüstet es nun nach Bacalhau á Casa, gratiniertem Stockfisch mit Mayonnaise und Scheibenkartoffeln (10,90 Euro). Dies ist ein nicht jedermann mundender portugiesischer Klassiker. X haut sich derweil ein Rumpsteak mit Kräuterbutter und Pommes (Rumpsteak natural com batata frita, 11,90 Euro) rein. »Dieses Gericht überzeugt mich, auch wenn das Fleisch rare und nicht medium gebraten ist«, berichtet mein Tischgegenüber durchaus zufrieden über das 2,5 bis 3 Zentimeter dicke Stück Rind auf seinem Teller.

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Da wir beide an diesem Tag extrem essfreudig sind, lassen wir jetzt noch die Paella mit Fisch und Meeresfrüchten - Paelha de peixe e marisco a partir de 2 pessoas - auffahren. Sie gibt es, wie aus dem Text unschwer zu schließen ist, ab einer Zweipersonenportion, wobei jeder Genussteilnehmer 11,90 Euro zahlt.

Auf der Speisekarte avisiert ist eine Wartezeit von 40 Minuten, was frische Zubereitung signalisiert. Und so schmeckt die Paella denn auch. Es ist alles drin und dran, was wir uns wünschen - Muscheln, Garnelen, Fischstücke und kleinstgeschnittener Oktopus; auch am Saf­ran wurde keineswegs gespart.

Mister X ungewohnt offenherzig

»Na«, spreche ich X nach all diesen portugiesischen Mahlzeiten an, »wie gefällt es dir hier?« Mein Gourmet zögert einen Moment und bringt dann eine wohlformulierte Antwort hervor. »Nun, um mit meiner Liebsten deren alljährlichen Ehrentag gebührend zu begehen, würde ich sie wohl nicht hierher einladen. Aber mal ehrlich: Um mich einfach an den gedeckten Tisch zu setzen und es mir mikro- und makroküchenfrei gut gehen zu lassen, werde ich wahrscheinlich wiederkommen.« So offenherzig kenne ich meinen Mister X gar nicht. Beachtlich, was das »U.D.P. Mainz Restaurante« bei ihm ausgelöst hat ...

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Fazit:

Das »U.D.P Mainz Restau­rante« ist ein kleines uriges Juwel. Wer sich im Süden jemals unter die Bevölkerung gemischt und deren Essgewohnheiten ausprobiert hat, wird solche hallenartigen Gastro­nomiebetriebe kennen. Hier setzt man sich hin, parliert, lässt sich bedienen und genießt. Schätzungs­weise fasst das von Agostinho da Silva betriebene Lokal um die 100 Gäste.

Alles ist einfach, sehr sauber, sympathisch, preiswürdig. Wir haben den Eindruck von Authentizität, nichts wirkt aufgesetzt. Von unserem Wohlgefühl her, das sich hier in uns ausgebreitet hat, hätten wir gerne höhere Noten gezogen, was jedoch aufgrund der Schlichtheit des Angebots und der mangelnden Rafinesse der portugiesischen Küche gegenüber anderen Gastronomiebetrieben nicht zu rechtfertigen war.

Die Weinauswahl im U.D.P ist begrenzt, gleichwohl hat uns der weiße wie der rote einfache Karaffenwein aus Portugal - der halbe Liter zu 5 Euro - sehr gut geschmeckt. Die insgesamt zehn Flaschenweine aus dem südwestlichsten Land Europas kosten zwischen 10 und 16 Euro.

Dienstags ist in dem Haus an der Mombacher Straße übrigens »Tintenfischtag«, dann kosten alle Oktopusgerichte 8,50 Euro. Mittwochs gelten 8,90 Euro für alle Garnelenmahlzeiten und donnerstags werden für die gemischte Platte mit gegrilltem Fisch lediglich 9,90 Euro berechnet.

Lou Kull