Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Das Restaurant


Restaurant Gautor Korea
  Kästrich 13
  55116 Mainz
  Tel. 0 61 31 / 22 16 00
  Fax 0 61 31 / 218 09 33


Wertungstabelle:

Essen 7,5
Trinken 6,5
Service 7,5
Ambiente 7,0
Preis-Leistung 7,5

Gesamturteil 36,0 : 5 = 7,2 Kochkappen

7 Kochkappen
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Restauranttest

»Gautor Korea«: hochwertige landestypische Küche, die gut erklärt wird

Gepflegte ostasiatische Gastlichkeit


Klopp

»Hier ist es«, weist mich Mister X unprätentiös auf das Haus hin, in dem wir heute essen werden. »Mmh«, entfährt es mir fast tonlos. Man soll sich vom ersten Eindruck ja nicht zu stark beeinflussen lassen. Und das stellt sich in diesem Falle als sehr nützlich heraus. Das alleinstehende Gebäude im Kästrich, fast an der Ecke Martinsstraße, gibt sich von außen nicht gerade attraktiv, sobald wir jedoch im Gastraum stehen, freue ich mich, die Türschwelle überschritten zu haben.

Das »Gautor Korea« wirkt innen einladend und macht die Außenfassade vergessen. Den Einrichtungsstil möchte ich als modern bezeichnen, ohne Schnickschnack und überflüssige Staubfänger-Verzierungen. Klare Linien herrschen vor, Braunschwarz und Mittelgrün sind die hauptsächlich verwendeten Farben. Auf den glattgeschliffenen Holztischen liegen dunkle Untersetzer in Bastoptik, darauf stehen rechteckige, weiße Unterteller. Insgesamt hat das »Gautor Korea« im Hauptraum und dem Thekenzimmer rund 40 Sitzgelegenheiten.

Klopp

Angenehm reduzierte Speisekarte

»Der gestalterische Rahmen überzeugt mich, nun wollen wir sehen, ob die hiesige Gastronomie diesen Eindruck bestätigt«, lässt X noch etwas reserviert vernehmen. Es fällt direkt auf, dass das »Gautor Korea« im Vergleich zu anderen asiatischen Restaurantbetrieben eine sehr reduzierte Speisekarte besitzt. Die Mittagskarte weist sechs Positionen zwischen 8,50 und 9,50 Euro auf, die alle mit dem Zusatz Deop-Bab versehen sind, was so viel wie »überdeckter Reis«, die koreanische Bezeichnung für ein schnelles und einfaches Mittagsgericht, bedeutet. Diese und einige weitere interessante Informationen über die koreanische Küche lassen sich der grafisch angenehm luftig gestalteten Speisekarte und den freundlichen Erläuterungen von Herrn Kim, dem Chef, entnehmen.

»Drei der sechs mittäglichen Speisen sind im Prinzip Lightversionen der äquivalenten abendlichen Angebote«, stellt Mister X mit seinem messerscharfen Verstand fest. Letztere sind acht an der Zahl, preislich spannt sich der Bogen von 13,90 bis 18,90 Euro. Zu jedem Gericht gibt es eine im Preis enthaltene Vorspeise, entweder Doen-Jang-Suppe aus fermentierter Sojabohnenpaste oder Kim-Chi-Suppe. Kim-Chi ist scharf eingelegter Chinakohl und gilt als eine Art koreanische Nationalspeise. Zu allen Hauptspeisen werden Reis und Banchan gereicht, eine Beilage aus verschiedenen Salaten und Gemüse. Ein Merkmal der koreanischen Küche ist übrigens, dass zahlreiche Zutaten roh mariniert und erst beim Anbraten gewürzt werden. Zu japanischen und chinesischen Kochgewohnheiten besteht Verwandschaft.

Klopp

Entenbrust mit Soja-Honig-Soße

X entscheidet sich vorweg für die scharfe Kim-Chi-Suppe, in der er noch fein zerkleinerte Peperoni entdeckt, und ist mit diesem Geschmackserlebnis durchaus zufrieden. Mir konveniert die milde Variante mit kleingeschnittener Blattpetersilie. Sodann frönt mein Begleiter seiner Vorliebe für Geflügel: Ihm wird Entenbrust, zweifach gegart mit einer Soja-Honig-Soße, serviert. In X' Gesicht stelle ich zwar keine überbordende Begeisterung bezüglich des Gun-Ori geheißenen Gerichts fest, aber wohlwollende Freude über die solide Küchenleistung scheint vorhanden. Sein »Menü« gibt es im »Gautor Korea« für 16,90 Euro.

Mir hat es beim Studieren der Karte Bul-Gogi angetan, marinierte Roastbeefscheiben mit feinen koreanischen Gewürzen und geriebenen Birnen. Alle Zutaten harmonieren, das Gesamtgeschmackserlebnis ist angenehm, allein von der Vorstellung eines rosaroten Roastbeefs gilt es sich im Angesicht der hellgrauen Fleischschnipsel in diesem Gericht zu verabschieden. Die Beilagen werden - moderner Gastronomie gerecht - auf schmalen weißen Porzellanschalen gereicht: das bereits bekannte Kim-Chi, zudem mild-würzig eingelegte Kartoffelquader sowie Sojasprossen. Mein »Menü« kostet ebenfalls 16,90 Euro.

Klopp

Meeresfrüchte rauchig-pikant

Da uns beide die Neugier auf koreanische Kulinaria nicht ruhen lässt, teilen sich X und ich anschließend noch Hemul Bokum - Garnelen und Tintenfischringe in würzig-scharfer Peperonimarinade (18,90 Euro). Immerhin fünf große Krustentiere - drei für mich, zwei für meinen Oberlehrergourmet - zieren diese Speise, die einen wunderbar rauchigen Charakter hat und deren einzelne Bestandteile wiederum minutiös und individuell für sich mariniert sind. Komplettiert wird das Tableau der acht Hauptspeisen im »Gautor Korea« durch zwei Gerichte mit Schweinefleisch, eines mit Hähnchenbrust, einen Reistopf sowie gebratene Glasnudeln mit verschiedenen Gemüsen.

»Ach sieh' mal, ist das nicht hübsch?«, weise ich Mister X beim Verlassen des Lokals voller Begeis­terung auf das Poster im Gang hin, auf dem mit bunten Blumen die Landkarte Koreas skizziert ist. »Ja, ganz nett«, quält sich mein ewiger Begleiter ein standardisiertes Kompliment ab. Das Lyrische ist halt nicht sein Fall.

Lou Kull

Fazit:

Das »Gautor Korea« ist schon eine Entdeckung. Hier versucht eine Familie aus dem ostasiatischen Land, authentische nationale Küche auf höherem Niveau zu bieten. Die Zutaten sind durchweg von guter Qualität und individuell verarbeitet. Nicht zuletzt diese Art der Detailtreue trägt dazu bei, dass wir hier mit Appetit gegessen haben. Alles zusammen rechtfertigt die etwas höhere Preisstruktur. Bei den heißen Getränken empfehlen sich grüner, Jasmin-, Ingwer- und Ginsengtee, alle zu 2,50 Euro. Bezüglich des Weins ist echtes Bemühen erkennbar, regionale Tropfen anzubieten, die Auswahl beschränkt sich allerdings auf Kreszenzen eines weniger bekannten Bodenheimer Betriebs. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs waren vier Weiß- und drei Rotweine verfügbar, die zwischen 3,20 und 3,80 Euro je 0,2-Liter-Glas kosteten, darüber hinaus stand eine rote Cuvée zu 6,50 Euro zur Disposition. Die Atmosphäre im »Gautor Korea« ist geprägt von Freundlichkeit und unaufdringlichem, wiewohl aufmerksamem Service und Auskunftsfreude. Das Ambiente ist klar und unverschnörkelt, alles wirkt sehr sauber.