Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Frühstückstest

DER MAINZER TESTET FRÜHSTÜCKSLOKALE UND CAFÉS

Auf unseren Streifzügen durch Mainzer Frühstückslokalitäten haben unsere Tester einfache Frühstücksmöglichkeiten in den Stadtteilen Finthen und Gonsenheim unter die Lupe genommen. Beeindruckt aber hat sie der Cafe in einem kleinen Cafe in der Gaustrasse, wo ein wahrer Barista am Werk ist.

Tabelle



Glocken Glocken Bäckerei Mainz-Finthen
Am Obstmarkt 17
55126 Finthen
Tel. 06131 9719227
Mo-Sa 8-22 Uhr, So 8-12 Uhr

Es war der Hunger, der mich am späten Vormittag in die Finther Glockenbäckerei getrieben hat. Die ist an den dortigen REWE-Laden angedockt. Die Glockenbäckerei ist genau betrachtet ein kleiner Backladen, eine Kombination aus Verkaufsraum und Café mit vier quadratischen Holztischen, die längst ihre Stammgäste haben. Schließlich punktet man hier über den Preis. Espresso wird zu 1,40 € offeriert, Latte Macciato für 2,20 €, ein kleiner Cappucchino für 2,00 €, die große Tasse Kaffee für 2,00 €.

Mich verführt eine große Plakattafel, die einen mit Camembert belegten »Glockenzopf» samt Getränk offeriert. Der Preis: 3,79 €. Das Getränk ist ein Cola, das ja jetzt mit Namen geschmückt ist. »Christoph» ziert meine Flasche. Zum Cola, über dessen Güte schon seit Jahrzehnten gestritten wird, hat die Bedienung mir eine Teetasse gestellt. Mal was Neues!

Der Glockenzopf ist lasch, der Käse schon trocken. Offensichtlich hat er schon eine Zeitlang in der Kühltheke gelegen. Da hilft die Creme, die statt Butter auf den Zopf geschmiert wurde, auch nicht mehr. Dazu muß man wissen, dass die Glocken Bäckerei ein konzerneigener Produktionsbetrieb der REWE Group ist. Eine Backfabrik mit jährlich fast 300 Millionen Euro Gesamtumsatz. Allein im Stammbetrieb Frankfurt werden täglich 280.000 Baguette-Brötchen, 200.000 Teiglinge, 210.000 Ciabattas, 185.000 Brote, Toastbrote und Baguettes produziert.

Das alles habe ich zwar nicht gewusst, aber geahnt. Und so reihe ich mich heute in die Schar derer ein, die die vielen Hunderttausend in Frankfurt produzierten und vor Ort aufgebackenen Teiglinge konsumiert. Und weil der Camembert-Zopf samt Cola mich nicht glücklich macht, lasse ich ihn halb stehen und gönne mir noch einen süßen Zuschlag: einen Cappucchino samt Kreppel. Jetzt ist die Welt wieder einigermaßen im Lot, auch wenn das Teiggebäck wieder aus der Backfabrik stammt.


Lüning Backhaus Lüning
Breitestr. 20
55124 Mainz-Gonsenheim
Tel. 06131 43965
www.backhaus-luening.de
Mo-Fr 6 -18.30 Uhr, Sa 6-13 Uhr, So 7-12 Uhr

»Frische Brötchen machen glücklich«, verheißt mir ein Banner auf der Suche nach einem Frühstücksplatz. Ich bin auf Gonsenheims Breiter Straße unterwegs, der mit kleinen Boutiquen, größeren Modeläden, Banken, Restaurants und Cafés gespickten Nobelmeile. Lunings Backhaus wirbt mit den frischen Brötchen für den Besuch seiner Bäckerei, die dem Frühstücksgast ein paar Tische am Fenster anbietet. Je nachdem wie man sitzt, lockt das Treiben auf der Straße - oder das an der Theke, wo sich jetzt vor Weihnachten Christstollen und süße Plätzchen türmen. »Vier Spitzweck 0,99 Cent« verheißt ein Schild, auch hier geht der Preiskampf über die Masse.

»Mit uns kommen Sie gut durch den Tag!» ist einer der Slogans mit denen Lüning den Frühstücksgast umgarnt. Also dann! Café Creme (1,70 €) und Espresso (1,70 €) locken. Schließlich fällt meine Wahl auf einen Cappucchino (2,20 €), der frisch aus dem WMF-Automaten kommt und im dickwandigen Glas serviert wird. Doch was dazu? Was Süßes - oder eher was herzhaftes? In Zellophanpapier gepackte Brote kommen in die Wahl: Käse oder Wurst? Dann aber ist es ein Ei-Brötchen, was ins Auge sticht. Ein ganzes Ei hat man dazu in Stücke zerlegt. Als Garnierung dienen ein Salatblatt und eine Tomate. Das ist in Ordnung, auch wenn man damit nicht groß punkten kann. Die Dame mir gegenüber ist gewiefter, hat sich vom Metzger gegenüber ein Brötchen mit warmer Fleischwurst und Senf belegen lassen. Die wird jetzt zu einer Tasse Cappucchino verspeist. Schließlich, erklärt sie mir, habe sie noch nichts gefrühstückt. Der Arztbesuch, zu dem sie nüchtern erscheinen musste, liegt jetzt hinter ihr. Da tut eine kräftige Stärkung gut.

In der Bäckerei gibt ein Kunde dem anderen die Klinke in die Hand. Es ist Hochbetrieb, viel Arbeit für die vier Damen im Service. Eine holt gerade frische Kreppel aus dem Backofen, packt sie neben Schockobrownies, gedeckten Apfelstreusel- oder Käserahmschnitten.


Zwei Kaffeekommune Zwei
Gaustraße 10
55116 Mainz
Tel. 06131 6930749
www.kaffeekommune.de
Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 12-18 Uhr

Köstlich, köstlich, köstlich! Wer wissen will, wie Kaffee auch noch schmecken kann, hat jetzt eine Adresse. In der immer lebendiger werdenden Gaustrasse zeigt Paul Bonna, was man aus simplen Bohnen alles machen kann. Der gebürtiger Schwabe hat dort mit viel Liebe einen kleinen Raum zur »Kaffekommune» ausgebaut und seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Ungewöhnlich wie das Angebot ist auch die Ausstattung des Frühstücksplatzes. Eine riesige Hobelbank dient als Theke. Kleine Hocker stehen vor Holzplatten, welche die Heizkörper am Fenster überdecken. Sie dienen jetzt als Tisch. Wer Bequemlichkeit sucht, nimmt auf dem alten Sofa Platz. Ihm gegenüber steht eine Musiktruhe aus den 1960er Jahren, die heute mit Musik aus dem Laptop gefüttert wird, bei unserem Besuch mit Loungeklängen von Pat Metheny.

Überzeugend ist der Service, schließlich erklärt Bonna jedem Gast, was es mit den verschiedenen Angeboten auf sich hat. Und noch mehr Freude finden unsere Koffeeinbomben: ein Espresso aus Äthopien (3,00 €), in den der Kaffeekünstler mit Milch ein kleines Kunstwerk zaubert, und ein Brühkaffee aus Guatemala (3,50 €). Da schmeckt man plötzlich Duftnoten wie Beeren oder Obst!

Bonna ist begeisterter Anhänger des Brühkaffees, der jetzt wieder neu entdeckt wird. Zucker übrigens ist in der Mainzer Kaffeekommune tabu. »Wer dem Geschmackserlebnis wirklich auf die Spur kommen will,» heißt es in der Gaustrasse, »darf keinen Zucker in den Kaffee kippen». Unser Süßersatz sind zwei Stückchen Kuchen vom Biobäcker Kaiser (2,00 € je Stück), die gut zum Kaffee passen. Natürlich hat das ganze seinen Preis, aber den hat Qualität eigentlich immer.

Die beste Nachricht zum Schluss: Im Februar wird die Kaffeekommune in den unteren Teil der Gaugasse umziehen und expandieren. Dann soll das Angebot noch größer werden, auch was die Zutaten zum Frühstückskaffee angeht.