Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Frühstückstest

DER MAINZER TESTET FRÜHSTÜCKSLOKALE UND CAFÉS

Zwei neue Lokalitäten in der Alt- und Neustadt haben unsere Frühstückstester diesmal unter die Lupe genommen. Zwei Cafés, die für eine neue Generation von Pausenstationen stehen. Ganz nostalgisch dagegen geht es in Mainz-Kastel zu, wo die Zeit stehen geblieben scheint. Dort stimmt vor allem der Preis!

Tabelle


Wildes Leben Wildes Leben
Wallaustraße 31
55118 Mainz
www.wildesleben.de
tgl. 10-22 Uhr

Frauenpower in der Mainzer Neustadt: Alexandra Döring und Nina Wansart haben in der Wallaustrasse ihr neues Café eröffnet. "Wildes Leben" heißt es. Ein Etikett, das dem Lebensgefühl vieler Neustadtbewohner entspricht. Schließlich will man in der neuen Location nicht nur für Essen und Trinken sorgen, sondern auch Konzerte anbieten und Nähkurse, die sich schon jetzt großer Beliebtheit erfreuen. Einladende Fensterfronten kontrastieren mit minimalistischer Ausstatttung.

Die Lampen sind einfache Glühbirnen, Hocker, Tische, Bänke und Stühle aus grobem Holz. Feldblumen statt Rosen oder sonstiger Schnittware unterstreichen den Stil im Wilden Leben.

Im neuen Café setzt man auf Frischware, auf Produkte aus der Region wenn möglich - und viel Selbst gemachtes. Eine Karte gibt es deshalb nicht, alles, was da ist, steht auf der großen Schiefertafel gegenüber dem Tresen. Und auch das Frühstück ist nicht genormt, sondern muss persönlich aus Bausteinen zusammengestellt werden. Brot und Brötchen schlagen so mit 1,50 € zu Buch, dazu kommen bei unserem Testbesuch Butter (0,50 €) und Marmelade (1,00 €) und zwei Eier im Glas (1,50 €).

Das Brot ist frisch gebacken, die Marmelade im kleinen Glasschälchen fein und die Eier köstlich. Das ist Mini-Frühstück de luxe! Dazu kommen ein Latte (3,00 €) und ein Milchkaffee (3,00 €), so dass das Frühstück schnell die 10-Euro-Grenze überspringt.

Wer dazu noch ein Müsli (1,50 €), etwas Obst (2,00 €) oder sein Brot mit hausgemachter Avocado-Creme (1,50 €) bestreichen will, ist schnell mehr Geld los. Denn das Ambiente und vielleicht eine nette Tischnachbarin verführen schnell im Wilden Leben, wo Selbstbedienung groß geschrieben wird.

Pluspunkte haben sich die beiden Eignerinnen verdient, weil sie Butter, Honig oder Marmelade nicht im Plastikgewand servieren, sondern in kleinen Glasschälchen.


Lönneberga Lönneberga
Gaustraße 67 · 55116 Mainz
Tel. 06131-619339
www.lönneberga-mainz.de
Di-So 9.30-18 Uhr

Kai Tietze und Markus Wehrle sind die Köpfe im neuen Café, das etwas versteckt in einem Hinterhof am Fuß der Gaustrasse liegt. Weiß ist die dominierende Farbe im großen Gastraum, der skandinavisch inspiriert ist. Schließlich absolvierte Tietze im Norden sein Studium. Das spiegelt auch die Speisekarte, auf der Rentierschinken ebenso zu finden ist wie Elchsa­lami oder Blaubeermarmelade.

Das Lönneberga wirkt wie eine große Wohnung: mit ein paar gemütlichen Tischen, einer Küche, in der man dem Service-Personal zuschauen kann, wie Essen und Trinken zubereitet werden - und einem großen Spielzimmer mit viel Spielzeug und einer ausgedienten Schulbank. Das ist Absicht, denn das Café versteht sich vor allem als Anlaufstelle für junge Familien und Alleinerziehende, die zu den Stammgästen gehören. Der Wickelraum ist ein Stock höher, und wenn's sein muss, wird auch im Café gestillt.

Wir aber sind zum Frühstück hier, das auf den Schiefertafeln gleich in mehreren Varianten angeboten wird. Schwedisch kommt wie gesagt das Lönneberga-Frühstück (9,80 €) mit Elch- und Rentierspezialitäten. »Knecht Alfred« (7,50 €) heißt die Variante mit Salami, Kalbsleberwurst, Frischkäse und Brie. »Klein Ida« (5,90 €) bietet Erdbeermarmelade, Honig, Frischkäse und Tigercreme.

Wir probieren »Mutter Alma« (7,50 €), zu der wir uns einen Cappuccino (2,60 €) und einen Latte (2,90 €) schmecken lassen. Auf einem Teller kommen wenig später 6 Scheibchen Brie, feinster Ziegengouda und Almkäse - dazu zwei Miniportiönchen Frischkäse und Marmelade. Als Zierrat dienen ein paar frisch gehobelte Karotten, die eine Olive krönt. Eine Scheibe dunkles Brot, ein einfaches Brötchen und zwei Scheiben Knäckebrot dienen der Sättigung.

Ins Geld gehen auch hier die Extrawünsche wie Müsli (3,90 €), ein Demeter-Ei (1,60 €) oder ein Apfel-Bananen-Joghurt (4,50 €). Die dezente Musik übertönt hin und wieder Kinderlachen. Und wen es nicht stört, dass hin und wieder ein Schreihals mit einem Holzroller unterwegs ist, ist im Lönneberga richtig.


Steh-Café Schmitt Steh-Café Schmitt
Conditorei und Bäckerei
Kloberstraße 3
55252 Mainz-Kastel
Mo-Fr 5-12.30 und 15-18 Uhr,
Sa 5-12 Uhr

Es gibt sie noch, die kleinen Läden, in denen die Zeit stehen geblieben scheint. Zu denen gehört das kleine Steh-Café im Herzen Kastels. Große Brote liegen hinter der Theke, in der Vitrine davor unter anderem Amerikaner, Rosinenbrötchen und Streuselkuchen.

Torten finden sich in der Kühltheke nebenan. Auch ein paar Sacher-Stückchen, von denen jedes anders aussieht. Da zeigt sich, dass hier noch mit der Hand gebacken wird. Denn das einstige Lebensmittellädchen ist eine Zweigstelle des Bäckers Schmitt aus der Innsbrucker Straße, die schon morgens um fünf ihre Pforten öffnet.

Wenig später treffen dann auch die in der Nacht frisch gebackenen Brötchen ein. Das Backwerk vom Vortag wird dann besonders preiswert. So holen sich viele morgens gern eine Tüte mit vier süßen Teilchen ab, die zum Schnäppchenpreis von 1,95 € auf der Theke liegen. Denn gerade in Kastel mit seinem hohen Ausländeranteil müssen immer mehr Menschen mit dem Cent rechnen.

Durch Zufall sind wir hierher gekommen, mit uns auch ein Herr von der Lebensmittelkontrolle, der aber keinen Grund zu Beanstandungen hat. Auch wir nicht. Das Ambiente ist von anno dunnemals, Piccolo-Fläschchen finden sich über Mehl- und Zwiebacktüten: Tante Emma lässt grüßen!

Unseren Kaffee drücken wir aus einer Thermoskanne, peppen ihn mit Zucker und Milch aus der Dose auf. Zwei belegte Brötchen sind noch da, eines aus Roggen mit Schinken, eines aus Körnern mit Kasseler. Mich aber lacht ein Muffin mit Milka-Schokolade (1,70 €) an. Kulinarisch schnell vergessen, aber an diesem Morgen passt es genau zu meiner Tasse Kaffee.

Schnell ist man mit der Dame hinter der Theke im Gespräch, plaudert über das frühmorgendliche Aufstehen (»Kein Problem!«) und über die mehr werdenden Kunden, die das Brot vom Vortag billiger kaufen. Wenig später bin ich auf dem Heimweg: mit einem fein verpackten Stück Rhabarberkuchen.