Der Mainzer - Die Stadtillustrierte


Wie wird bewertet


  • 5 Punkte - Das macht gerade mal ein bisschen satt, schmecken muss es eh nicht!
  • 6 Punkte - Das könnte besser sein! Lasche Brötchen, matter Kaffee, Billig-Belag. Das Bemühen um Qualität ist nur schwer erkennbar!
  • 7 Punkte - Das einfache und gute Frühstück: frische Brötchen oder Brot, ein oder zwei Scheiben Wurst und ein warmes Getränk, das schmeckt!
  • 8 Punkte - Höchste Bewertung für ein perfektes Frühstück, Zutaten und Zubereitung auf allerhöchstem Niveau!
  • 9 Punkte - Da stimmt einfach Alles: Die Zutaten von hoher Perfektion, absoluter Frische und Qualität. Und auch das Auge sollte hier auf seine Kosten kommen!
  • 10 Punkte - Besser kann man es kaum machen: An Frische und Güte gibt es nichts auszusetzen, nur Waren von allerhöchster Markenqualität kommen zum Einsatz! Das Frühstück wird zum Ereignis...
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Frühstückstest

Der Mainzer testet Frühstückslokale und Cafés

Frühstücken in Mainz? Diesmal hat es unsere Tester nicht nur in die Innenstadt, sondern auch ins rechtsrheinische Kastel geführt. In ein kleines Stehcafé, dessen frischer Topfkuchen noch warm serviert wurde. Frisch aus der Backstube, nicht aus einem Backautomaten wie heute sonst üblich.

Tabelle


Löw
Löw's Stehcafé
Roonstr. 8
55252 Mainz-Kastel
Tel. 06134 4998
Mo-Fr 6-18, Sa 6-13 Uhr

Sie ist ein Stück Heimat mitten in Kastel, die Bäckerei Löw. Und weil Heimat im Moment wieder im Trend liegt, ist auch das kleine Backhaus mit seinem Stehcafé wieder gefragt. Sein Ambiente stammt aus der Zeit, als der Kunde noch König war und vor einem riesigen Tresen um frisches Backwerk anstand. Den Tresen gibt es noch heute und gegenüber sechs einfachste Hochstühle mit Plastiksitzen, davor ein vor die großen Fenster montiertes Brett als Tischersatz. Kein Ort zum Verweilen jedenfalls!

Hinter dem Tresen liegt Süßes und Saures: frische Granatsplitter (1,85 €) und selbst gebackene Kreppel (1,15 €), aber auch hausgemachte Frikadellen (2,50 €) oder mit viel Fleisch belegte Brötchen. Heiße Fleischwurst (1,25 €) mit Senf verspricht ein Thekenschild. Und in großen Töpfen locken die Tagessuppen: Maronen, Graupen und Gyros, das mit viel Gemüse ebenfalls zu einer Suppe verarbeitet wird. Es ist der Renner heute! Mich freilich lacht ein frischer Zopfkuchen (1,60 €) an, der noch warm serviert wird. Ein Gedicht und in dieser Qualität einfach genial. Dazu mundet ein Cappuccino (1,60 €), dem ich einem Latte Macchiatto (1,95 €) oder einer Tasse Kaffee (1,00 €) den Vorzug gebe. Nichts auszusetzen, auch der schmeckt!

Ringsum löffeln die Gäste ihre Suppen. Auf manchen schwimmen große Fettaugen. Trotzdem ernten die Hausmacher Suppen auf meine Nachfragen nur Lob. Maggi und Tabasco stehen zum Nachwürzen neben Zucker und Kondensmilch. Es ist diese Mischung, die den Reiz des Ortes ausmacht, ganz anders als die schicken Retrocafés auf der anderen Rheinseite mit ihren Biomüslis und teuren Gesundheitsmahlzeiten. Dort liegen die Lifestyle-Zeitschriften aus, im Kasteler Stehcafé zwischen Sportbar, Pizzeria und Shisha-Lounge ein echter Mainz-Roman: »Der tote Kuttenbrunzer im Sado Maso Käfig«. Geschrieben hat ihn Dieter Schmidt, einer der Stammgäste im Löw.


basic
Basic Coffee Company
Stadthausstr. 6
(Seppel-Glückert-Passage)
55116 Mainz
www.basic-coffee.com
Mo-Sa 9.30-19.30 Uhr

Es ist einfach und gemütlich: das kleine Kaffeehaus an der Ecke zwischen CA und der Buchhandlung Wohltat - ein Treffpunkt mitten in Mainz sozusagen. Kaffee und Bagels gibt es hier, jene handtellergroßen Heferingel, die vor dem Backen kurz in Wasser gekocht werden und von osteuropäischen Einwanderern nach Amerika und von dort jetzt wieder zu uns gebracht wurden.

Sie werden in dem kleinen Laden mit Räucherlachs (4,50 €), Schinken (3,70 €), Hühnerbrust (4,40 €) oder Schnittlauch-Crème (2,90 €) frisch belegt. Auch kann man seine Bagels ganz individuell »toppen« lassen, wie das Belegen der Brötchen heute neudeutsch heißt.Überhaupt ist der Laden, der noch einen Ableger in Marburg hat, ganz auf ein jugendliches Pub­likum abgestellt, für das englische Ausdrücke inzwischen zum Alltag gehören. So heißt die Tasse Kaffee hier geschwollen »House Coffee« (1,60 €), die Bagels werden als »tasty« offeriert und auf der Rechnung heißt es »Thank you«. Englisch findet sich auch auf der Webseite des Unternehmens, das von Eat und Trink statt Essen und Trinken spricht. Kein Wunder deshalb, dass im großen Gemälde an der Wand des Kaffeehauses New Yorks Freiheitsstatue übermächtig mit einer Tasse »Basic Coffee« in der Hand erscheint, aus der die Bohnen fliegen. Wir trinken einen Cappuccino (2,80 €), der schmeckt. Nicht bitter wie oft sonst, sondern angenehm mild, was für die Qualität der Bohnen spricht. Denn darauf legt man in der Coffee Company, die ihre Kaffeespezialitäten auch im Pappbecher zum Mitnehmen anbietet, großen Wert.

Statt eines Bagels haben wir Lust auf Süßes, die wir mit einem Triple Muffin (1,99 €) stillen. Der ist zwar umwerfend süß, aber heute genau das richtige. Groß punkten kann man damit nicht, aber Feinschmecker sind ja nicht die Zielgruppe in diesem Eckladen. Eher schon die Netz-Surfer und ein paar Jugendliche, die gern hier ihre Schulpausen verbringen. Sitzen kann man auf Holzstühlen oder auf bequemen Ledersesseln.


Kamps Bäckerei
Kamps Bäckerei
Schusterstr. 26/28
55116 Mainz
Tel. 06131 210730
Mo-Fr 7-19, Sa 7-18, So 8.30-17 Uhr

Die Lage ist ideal, gehört die Schusterstrasse doch zu den meist frequentierten Mainzer Einkaufsachsen. Da gibt es genügend Laufkundschaft und auf die scheint der Backkonzern denn auch zu spekulieren. Sieben fertige Frühstücksvorschläge hat er auf einer eigenen Karte aufgelistet, die auf der Ladentheke steht. Wir entscheiden uns für das kleine Käsefrühstück (4,99 €), obwohl wir erst auch mit dem Wurstfrühstück (6,99 €) und dem Frühstück französischer Art (6,99 €) liebäugelten. Also bestellen wir, was der Mitarbeiterin hinter dem Tresen schon die ersten Schweißperlen auf die Stirn treibt. Jede Zutat wird von der Karte abgelesen und zusammengesucht, das dauert - und stimmt am Ende doch nicht, als zwei Brötchen statt wie angegeben eines und eine Scheibe frisches Brot auf dem Teller landen.

Auf das welke Salatblatt samt mattem Tomatenschnitz haben wir gleich verzichtet! Nicht auf die drei Scheiben schon etwas angehärteten Schnittkäse, drei Scheibchen Brie, ein Stück Butter in Staniolpapier und ein kleines Döschen Erdbeermarmelade, alles aus dem Großhandel. Da ist nichts zu spüren von Individualität, geht es mehr ums Füttern hungriger Einkaufsbummler.

Diesen Eindruck verstärkt auch das Ambiente, das Frühstücksgänger auf der Suche nach einem Ort der Gemütlichkeit eher abschreckt. Lieblose Holzmöbel reihen sich wahllos aneinander, manches ist fast schon reif für den Sperrmüll. Zwischendrin steht ein seelenloser Kühlschrank mit Getränken, auf der Wand gegenüber erzählt ein Gemälde, »wie das Weizenkorn in die Laugenbrezel kommt«. Kein Bild jedenfalls, das Gefühle anspricht. So hat man den Eindruck, dass dem Großbäcker Kamps eigentlich gar nichts daran liegt, dass man sich hier länger aufhält.

Nur der Kaffee, serviert in einer großen Tasse, stimmt den Frühstücksgast einigermaßen zufrieden. Da tröstet auch das kostenlose W-Lan, das man jedem Gast verspricht, wenig.