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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Habemus Bischof


Endlich, wir haben wieder einen Bischof. Professor Dr. Kohlgraf heißt er, ernannt ist er, geweiht noch nicht. Hoffentlich ist es nicht nur den Mainzer Katholiken aufgefallen: wir hatten nach dem Rücktritt von Kardinal Karl Lehmann am 16.5. 2016 eine Sedisvakanz. Das kommt aus dem Lateinischen und ich würde es mit »Unbesetztheit des Stuhls« übersetzen. Ein pseudodemokratischer Prozess wurde gestartet, das Mainzer Domkapitel hat eine Vorschlagsliste beim Papst eingereicht, aus dieser Liste hat Papst Franziskus drei benannt, also andere gestrichen. Wer oder wie viele auf der Liste standen ist, »selbstverständlich« geheim. Von den drei Kandidaten wurde vom Domkapitel in geheimer Abstimmung Peter Kohlgraf gewählt. Das Domkapitel ist ein Kollegium von Geistlichen (also Männern), das den Bischof bei der Leitung der Diözese unterstützt. Wie man Mitglied des Domkapitels wird, das hat mich sehr interessiert. Wikipedia behauptet, dass die Rechtsgrundlage des heutigen Mainzer Domkapitels immer noch das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 ist. Hoppla.

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann setzt sich das Kapitel aus den obersten Führungskräften der Diözese zusammen: Domdekan und sechs Kanonikaten. Der Domdekan und die Domkapitulare werden jeweils abwechselnd nach Anhörung und Zustimmung des Domkapitels vom Bischof ernannt. Puh, jetzt reicht es, bis auf den Hinweis, dass der Dekan und ein Kapitular seinen Verzicht auf das Amt erklären müssen, wenn sie das 75. Lebensjahr vollendet haben. In einer Zeit, in der unsere Republik, insbesondere aus der bürgerlichen Mitte heraus, mit lauten Rufen nach Transparenz, Offenheit, Information, Beteiligung, Basisentscheidungen, Mitgliederentscheidungen, Bürgerentscheid, Mitbestimmung usw. drangsaliert wird, überrascht mich die Ruhe an der katholischen Front.

Die Rolle des Papstes in dem Wahlprozess verstehe ich, wenn auch mein Kommunionsunterricht schon einige Jahre zurück liegt, warum aber niemand die Wahl des Bischofs durch die Kirchensteuerzahler fordert, das irritiert mich.

Wir diskutieren zurzeit über autoritäre Führungsstrukturen im Staat, über die in der Kirche nur in Ausnahmefällen, wie z.B. im Falle von Tebartz-van Elst. Wenn demnächst mal wieder jemand lautstark die Autorität und Kompetenz unseres Oberbürgermeisters, des Stadtrates, der Ortsvorsteher und Ortsbeiräte in Frage stellt, werde ich vielleicht fragen, ob er oder sie Katholik ist.

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