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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Gesellschaft


Horst Waldmann

Vögeln & Menschen zugetan

Er ist ein Mensch, der sich auf vielerlei Weise für das Gemeinwesen engagiert. Ganz besonders angetan hat es ihm die Vogelwelt: Horst Waldmann ist seit 25 Jahren Vorsitzender des Vereins für Vogelschutz und Vogelpflege Mainz von 1878 e.V..


»Ich bin mit Vögeln aufgewachsen«, erzählt der fast 81-Jährige, »mein Vater hat Tauben gezüchtet und schon als Bub hatte ich Vögel in einer eigenen Voliere.« Noch heute steht in seinem Garten in Bretzenheim eine Voliere, in der immer wieder Vögel aufpäppelt werden. Horst Waldmann ist seit 1987 Beauftragter für Naturschutz und Landespflege der Stadtverwaltung Mainz und unterhielt in die­ser Eigenschaft auch über 30 Jahre lang eine private Vogelauffangstation für kranke und verletzte Vögel. »Die Leute wissen, dass ich mich gut auskenne mit Vögeln und rufen mich an, wenn sie Fragen haben oder bringen mir verletzte Tiere vorbei, die, wenn sie wieder fliegen können, meistens wieder in die Natur entlassen werden.«

Wissen durch Beobachtung

Anfang April brachte ihm eine Nachbarin eine Walschnepfe - dass es sich um ein solche handelte, fand Horst Waldmann mit Hilfe seiner ornithologischen Bücher heraus. Die Waldschnepfe war wohl auf dem Rückweg von ihrem Winterquartier verunglückt. Was eine Waldschnepfe frisst konnte Waldmann nachlesen, dass sie die Mehlwürmer aber am liebsten selbst aus dem Boden scharrt, das hat er beobachtet - mit dem Feldstecher vom Schlafzimmerfenster aus! Der Schnepfenvogel ist sehr scheu und verzieht sich beim Herannahmen eines Menschen sofort ins Gebüsch. Die Beobachtung von Vögeln war für Horst Waldmann immer eine Freizeitbeschäftigung. Bis der 1936 Geborene Ende 2014 in den Ruhestand ging, arbeitete er als selbständiger Beratender Bauingenieur, baute u.a. mit Dieter Magnus die Grüne Brücke in der Mainzer Neustadt. Als SPD-Mitglied war er viele Jahre stellvertretender Ortsvorsteher in Bretzenheim, er saß zwei Legislaturperioden im Stadtrat, außerdem war er unter anderem mehr als 40 Jahre Mitglied im Mainzer Gesangverein Frauenlob. Dem ältesten Natur- und Vogelschutzverein Deutschlands, dem Verein für Vogelschutz und Vogelpflege Mainz von 1878 e.V., trat er 1964 bei, seit 1992 ist er dessen Vorsitzender. Die Hauptaufgabe des Vereins ist die Feldornithologie, also die Vogelbeobachtung und Vogelbestimmung. Der Verein ist auch Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Mainzer Naturschutzverbände (ARGE).

Die Natur und die Vogelwelt erkundet Horst Waldmann auch mit Fotoapparat oder Videokamera und stellt die Ergebnisse u.a. in den Monatsversammlungen des Vereins vor.

25 Kanarienvögel aus Waldmanns Bestand bereichern die Stadtpark-Voliere, die er als seinen Einstand zur Mitgliedschaft in den Verein »Schräge Vögel«, der Stadt Mainz gespendet hat. Dieser Verein hat die Sanierung des Vogelhauses im Stadtpark finanziell gefördert.

Den Eindruck, dass es im Mainzer Raum immer weniger Singvögel gebe, bestätigt Waldmann: »Deren natürliche Lebensräume werden immer weniger, alles wird zugebaut, zubetoniert, die Felder von Bäumen leergeräumt, Ackerkräuter 'weggespritzt', da finden die Vögel keine Kleinstlebewesen und keine Wildkräutersamen mehr«, fasst er zusammen.

Oft einen Schritt voraus

Zum eigenen Vogelbestand im Hause Waldmann zählt auch Charly, ein Graupapagei. »Wenn der ruft, 'Christa Telefon', so heißt mein Frau, wissen wir, gleich läutet das Telefon«, berichtet Horst Waldmann und verweist auf die Fähigkeit von Vögeln, den Menschen im Wissen um anstehende natürliche Ereignisse, meist einen Schritt voraus zu sein. Wobei Charly in diesem Falle vermutlich den Stromfluss in der Telefonleitung spüre, bevor es »klingelt«. Für Heiterkeit sorgt der sprachbegabte Charly insbesondere, wenn die Waldmanns abends nach Hause kommen und er sie meistens pfeifend mit der Melodie, »oner geht noch, oner geht noch noi « empfängt. | SoS | KH

Vogelkundliche FRÜH-Exkursion zum Altrheinbogen, 20.5.17, 4 Uhr, weitere Termine www.vogelschutz1878-mainz.de