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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Gesellschaft

Die Bushaltestelle & der Lieferverkehr

»Hunderte von Bussen fahren täglich das Höfchen an. Hier ist einer der wichtigsten Knotenpunkte des städtischen Busverkehrs: Jeden Tag steigen am Höfchen tausende Mainzer aus, um in die nahegelegene Innenstadt zu gelangen oder in andere Linien umzusteigen.«


So beginnt eine Meldung im Merkurist am 11.4.17. Der Autor berichtet von einem Busfahrer, der in der Einmündung von der Bushaltestelle Höfchen in die Ludwigsstraße rechts von einem Lieferfahrzeug überholt wurde, seinen Bus mit einer Vollbremsung zum Stehen bringen musste und nach Dienstschluss eine Privatanzeige wegen Nötigung bei der Polizei machte. Ein starkes Stück! Das richtig interessant wird, aufgrund der in dem Merkurist-Text zitierten Aussagen von Ralf Peterhanwahr als Pressesprecher der Stadt Mainz und von Jens Grützner als Pressesprecher der Mainzer Stadtwerke. Grützner sieht dem Merkurist-Bericht zufolge die Situation am Höfchen »entspannt«. Es käme sicher immer wieder vor, dass andere Fahrzeuge, wie zum Beispiel Paketdienste, dort die Fahrspur belegen. Ein Vorfahrtsrecht hätten die Busse hier aber generell nicht. Busse haben kein Vorfahrtsrecht in einer Bushaltestelle? Stadt-Sprecher Peterhanwahr soll dem Text zufolge gesagt haben, in der Zeit von 6 bis 11 Uhr und von 18:30 Uhr bis 19:30 Uhr dürfe der Lieferverkehr am Höfchen halten.

Am Höfchen dürfen Lieferfahrzeuge nicht nur fahren, sondern auch noch halten? Da die Verkehrsregelung (s. Foto) eindeutig ist, kann hier etwas nicht stimmen. Auf Nachfrage des MAINZERs schreiben die beiden Pressesprecher, ihre Äußerungen hätten sich auf den Bereich Ludwigsstraße/Höfchen aber nicht auf die Bushaltestelle bezogen. Tatsächlich darf die Ludwigsstraße zu den angegebenen Zeiten von Lieferfahrzeugen befahren werden. Die Bushaltestelle Höfchen ist aber immer tabu: Hier dürfen weder Fahrzeuge von Rettungsdiensten und Polizei (außer sie sind im Einsatz, was sie entsprechend kundtun müssten) fahren noch Fahrzeuge des Entsorgungsbetriebes, Apotheken-Belieferer und natürlich auch keine Privatfahrzeuge. Dass die Realität eine andere ist, wissen alle, die hier vorbeikommen, aus- und umsteigen. So lange die Verstöße nicht geahndet werden, wird sich daran auch nichts ändern und wir hoffen weiterhin, dass keine Fahrgäste unter die Räder kommen.

| SoS