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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Angeln

Petri Heil

Sie wirken ruhig und entspannt, die Angler, die entlang des Rheins und seiner Seitenarme ihre Ruten ins Wasser halten. Was für die Einen ein Hobby darstellt, ist für Andere ein sportliches Ereignis.

Am 1. Mai ist »Anfischen« beim 1. Mainzer Sportangelverein, einen Monat später schon beginnt die jährlich ausgetragene Vereinsmeisterschaft. Die Angler haben an sechs vorab bestimmten Tagen bis Oktober jeweils drei Stunden Zeit, möglichst viele, bzw. schwere Fische zu angeln. Es gewinnt, wer am Ende den meisten Fisch geangelt hat. Aber: es zählt nur der Fisch, der sein Mindestmaß erreicht hat. Hechte brauchen mindestens 50 cm, Barben und Karpfen 35 cm, Rotfeder (oder Rotauge) 15 cm und Nasen 20 cm. Alle diese Fische sind im Rhein zu finden. Das Mindestmaß dient, wie die Schonzeiten für die verschiedenen Fischarten, der Bestandserhaltung. Sind die Fische kleiner und wurden mit einem Schonhaken geangelt, müssen sie zurück ins Wasser.

Ihr Vereinsheim haben die Sportangler auf der Ingelheimer Aue, in der Gassnerallee, kurz vor der Auenspitze. Das Gelände ist idyllisch - trotz der Blickrichtung über den Industriehafen hinweg direkt auf das Blendax-Firmengelände. «Wir fischen meistens auf der anderen Seite, mit Blick auf die Bleiaue«, sagt Franz Haus (Foto). Seit 2009 ist der 72-Jährige 1. Vorsitzender des Vereins. Franz Haus angelt am liebsten mit einer Feederrute: »Das ist weniger aufwändig und kraftsparender, denn der Futterkorb hängt direkt an der Rute und der Angler muss nicht, wie bei der Stipprute, das Futter zusammenballen und zielsicher zur Angelspitze ins Wasser werfen.«

Angeln muss nicht, kann aber ein teurer Sport oder auch Hobby sein - es hänge letztlich von den Ansprüchen ab, sagt Haus. »Ich kann eine Feederrute für 100 Euro kaufen oder eine für 1000 Euro.« Klar ist, dass teures Material ohne Können und Erfahrung nicht für einen guten Fang ausreicht. Wobei Franz Haus über die Jahre beobachtet, dass es auf der Mainzer Rheinseite immer weniger Fische gibt. »Auf der anderen, der Wiesbadener Seite gibt es eindeutig mehr Fisch, wir rätseln immer wieder woran das liegt. Manche meinen bei uns sei das Wasser zu sauber oder auch zu warm.«


Nachwuchsprobleme

Allmählich scheint das Angeln im Verein aus der Mode zu kommen, sagt Haus. Von den derzeit 56 Mitgliedern im 1. Mainzer Sportangelverein sind allenfalls noch zehn aktiv. Den meisten Mitgliedern fällt das Angeln aus Altersgründen schwer. Jüngere nutzen zwar gerne das Angebot, an den (kostenpflichtigen) Vorbereitungskursen für die Fischerprüfung teilzunehmen, die der ebenfalls im Vereinsheim ansässige Bezirksverband Rheinhessen e.V des Verbands Deutscher Sportfischer zweimal jährlich anbietet. Jeweils 25-30 Teilnehmer werden in Fisch-, Geräte-, Gewässer- und Gesetzeskunde unterwiesen. Leider aber zeigten diese Angler nach erfolgreich bestandener Prüfung kein Interesse dem Verein beizutreten, bedauert Franz Haus. Andere Mainzer Angelvereine hätten ebenfalls Nachwuchsprobleme.

Die Mehrzahl der Angler entlang des Rheins frönt ihrem Hobby ohne Vereinsbindung. Aber auch sie brauchen unbedingt eine Genehmigung (siehe Kasten). Wasserschutzpolizei und Fischereiaufseher kontrollierten intensiv, weiß Haus und verhängten auch entsprechende Bußgelder.

Längerfristig wird es für den Verein schwer, seinen Standort zu halten. Der neue Pachtvertrag mit der Stadt Mainz sehe eine jährliche Anhebung der Pacht vor. »Mit den wenigen Mitgliedern werden wir uns das in ein paar Jahren nicht mehr leisten können«, befürchtet Haus und hofft zugleich, dass die Angelfreunde doch noch den Weg in den Verein finden.


Fischerprüfung

Die Fischerprüfung ist Voraussetzung, um dem Hobby legal nachgehen zu können und Bedingung für den staatlichen Angelschein (auch Fischereischein genannt). Zuständig für die Ausstellung des Fischereischeins sind die Ordnungsbehörden des Hauptwohnsitzes - in Mainz das Rechts- und Ordnungsamt.

| SoS



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