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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Gesellschaft

Dienstleistung: Verkehrte Welt

Der Router leuchtet rot. Schon wieder. Stecker ziehen, kurz warten, wieder einstecken, Internetverbindung prüfen, Telefon auch.


Schalter

Wie oft wir das in den letzten Monaten gemacht haben, weiß ich nicht. Wie häufig wir beim Telekommunikationsunternehmen angerufen haben, um endlich die vertraglich vereinbarte Dienstleistung vollumfänglich sicherzustellen, weiß ich auch nicht mehr. Die wiederkehrende Antwort: »Wir haben die Leitung geprüft, die ist in Ordnung. Das muss an ihrem Router liegen oder an der Leitung in ihrem Haus.« Ende der Durchsage. Die vertraglich vereinbarten Gebühren werden selbstverständlich pünktlich abgebucht.

Was wir schon alles unternommen haben, um zu belegen, es liegt am Anbieter, erspare ich mir hier aufzuzählen. Sonst kocht die Wut wieder hoch. Einerseits zahle ich für eine Dienstleistung. Andererseits soll ich nachweisen, dass ich nicht schuld bin, wenn die Dienstleistung nicht erbracht wird. Verkehrte Welt.

Die passt gut zur Ankündigung einer Mainzer Bank. Wir verbessern unser Dienstleistungsangebot für Sie, steht in einem Rundschreiben an die Kunden. Gefolgt von der Aufzählung, was die Bank ihren Kunden Gutes anbietet. Dann der Satz: Zu diesen Angeboten zählt auch die persönliche Beratung in unserer Filiale X. Die Filiale Y steht Ihnen künftig als SB-Standort zur Verfügung.

Was das bedeutet? Die Filiale Y wird geschlossen. Statt Menschen gibt es hier nur noch Automaten. Will ich als Bankkunde mit Bankangestellten sprechen, muss ich eine andere Filiale aufsuchen. Dargestellt wird das als »Verbesserung« des Dienstleistungsangebots. Genauso wie die Angebote von Tele- und Internetbanking, mit denen die Kunden Tag und Nacht ihre Bankgeschäfte erledigen können. Toll, so ein verbessertes Dienstleistungsangebot. Die Kunden machen alles selbst. Für alles, was sie nicht selbst erledigen können oder wollen, zahlen sie Gebühren. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig. Die Banken wissen, dass die Kunden kaum Ausweichmöglichkeiten haben. Selbst wenn sie das Ersparte unters Kopfkissen legen, müssen sie spätestens beim Abschluss des Vertrags mit einem Telekommunikationsunternehmen eine Einzugsermächtigung gewähren und landen dann doch auf einer Bank.

Funktionieren Telefon und Internet dann mal wieder nicht, kann das Konto nicht ausgeglichen werden, die Gebühren werden dennoch abgebucht und die Dispozinsen zahlt der Kunde. Verkehrte Welt.

| SoS