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Sport





Tor-Schuss mit dem Vorderrad

Mit dem Vorderrad einen Ball ins Tor schießen? Hört sich akrobatisch an - ist es auch ein wenig. Beim Radball sind aber eher Kraft, Ausdauer und Technik gefragt, um den Ball gekonnt zu spielen.


Mit dem Rad vorwärts zu fahren ist sicherlich noch einfach. Es aber auch rückwärts zu fahren, anzuhalten ohne zu bremsen und niemals die Füße auf den Boden abstellen zu dürfen, ist Können. Radball ist ein schneller Sport. Gespielt wird entweder mit zwei Personen pro Team, dann auf einer Fläche von elf mal 14 Metern in der Halle, als 5er-Radball, mit fünf Spielern pro Mannschaft auf einem Handballfeld mit Handballtoren, oder als 6er-Rasenradball mit sechs Spielern je Team auf einem Fußball-Halbfeld.

Die letztgenannten Formationen sind eher Nischenkonstellationen, meint Josef Killy vom Radfahrer-Verein 1910 e.V. Hechtsheim (RV).

Anspruchsvolle Technik

Ziel des Spiels sei es, erklärt der Radball-Trainer, den etwa 500 Gramm schweren Ball aus gepresstem Rosshaar, der fast nicht springt, ins gegnerische Tor zu schießen, und zwar einzig mit dem Vorderrad. Dem geht eine ruckartige Lenkradbewegung mit Hebelwirkung voraus. »Radball ist anspruchsvoll. Die Technik ist wirklich eine Herausforderung. Die Spieler müssen sich immer auf dem Rad befinden. Wenn sie mit den Füßen den Boden berühren, wird das abgepfiffen. Haben Sie auch noch den Ball berührt, gibt es Freistoß für die andere Mannschaft.« Nicht einmal der Torwart dürfe sich am Tor festhalten.

Zwei mal sieben Minuten dauert ein Spiel bei den Erwachsenen, dafür brauche man Kraft und Ausdauer, ergänzt RV-Geschäftsführer Sven Beller. Das Trainingsalter beginne daher erst ab sieben Jahren. Alle Kinder und Jugendlichen werden mit ihren Talenten und Möglichkeiten gefördert und nicht überfordert, sagt Beller. Seit vier Jahren dürften auch Mädchen über 14 Jahren Radball ausüben, was bisher vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) verboten war. Ein weibliches Team gebe es zwar noch nicht im Verein, aber Nachwuchs werde stets gesucht.

Erfolgreiche männliche Teams hat der RV bereits hervorgebracht: So waren Thomas Abel und Christian Hess mehrfach Weltmeister, Europameister und World-Cup-Sieger. Das derzeitige Vorzeige-Duo sind Moritz Rauch und Janis Stenner, die in der 2. Bundesliga spielen. Auch der Geschäftsführer pflegte die Leidenschaft Radball neun Jahre lang. Ihn fasziniert, dass es ein »Amateursport ist, den nicht jeder gleich ausüben kann, so wie Fußball.« Längst habe er mit dem Sport aufgehört, denn »irgendwann gibt es eine Grenze, aber die muss jeder für sich finden. Man kann jedoch spielen, so lange man fit ist, auch noch mit über 40 Jahren.«

Ausstattung und Funktion des Rads

Kennzeichnend für das im Radball übliche Fahrrad ist der U-förmige Lenker und ein langer waagerechter Sattel. Dieser liegt etwa zehn Zentimeter über dem Hinterrad. Die starre Übersetzung der Trittbewegungen auf das Hinterrad ermöglichen das Rückwärtsfahren und das Stehen im Tor. Auf dem Sattel sitzen Radballer nur kurz zum Ausruhen. Für vorwärtsbeschleunigenden Antritt bleiben die Sportler tief und ziehen sich nahe zu den hohen Lenkergriffholmen nach vorne, um das Vorderrad am Boden zu halten. Sitzend wird das Lenkrad unter dem Knick gegriffen, stehend darüber. Sowohl vorne als auch hinten wird über den Ball gesprungen, gespielt wird er vor allem mit dem unteren hinteren Teil des Vorderrades.

| KH


4.3.17, 14 Uhr: Spieltag Jugend/Schüler
17.3.17, 19.30 Uhr: Spieltag Oberliga
Radsporthalle in der Heuerstraße, Mz-Hechtsheim
www.rv-hechtsheim.de
technische Infos z.T. Wikipedia