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Wohl gemein oder Gemeinwohl?


Seit Wochen dominiert die Mainzelbahn die Seiten unserer einzigen Tageszeitung. Die allgemeinen Klagen über Verspätungen, fehlende Ampelsteuerungen und neue Linienführungen werden seit einiger Zeit abgelöst von den Beschwerden der Bewohner an der Tramtrasse.

Ich bin auch der Meinung, dass bei allem Verständnis über den Zeit- und Kostendruck, unter dem gebaut werden muss, einige Dinge befremdlich sind. Im Zeitalter der Digitalisierung sind für mich unglaubliche Dinge realisierbar. Zum Beispiel kann ich meinem Staubsauger in meiner Ferienwohnung auf Mallorca von meinem Mainzer Sofa aus befehlen, für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen. Der hört aufs Wort und kann sogar auf meine Anforderung hin bellen, wahlweise wie ein Schäferhund oder Rottweiler.

Ein Elektronikbauteil zur Umstellung einer Weiche hingegen scheint eine technologische Herausforderung zu sein. Das kann man nicht verstehen und findet hoffentlich bald ein Ende. Kein Ende nehmen die Klagen der Anwohner an der Trasse. Die Klagen der Anwohner? Ich habe mich erkundigt, es liegen Beschwerden von Eigentümern/Mietern von ca. 50 Häusern am Rande der Mainzelbahnstrecke vor. Damit war doch zu rechnen, oder? Wer in Marienborn oder Bretzenheim an den Schienen wohnt, sieht/hört/fühlt die Bahn genauso an seinem Haus vorbeifahren wie die Finther, Gonsenheimer, Hechtsheimer und nicht zuletzt Gaustraßen-Bewohner. Wenn es Baumängel etc. gibt, sind die abzustellen. Alle anderen Forderungen finde ich absurd. Zum Beispiel soll die Bahn nicht mehr nachts fahren dürfen, nur noch mit 30 km/h und möglichst nicht alle Bahntypen zum Einsatz kommen usw.

Da fällt mir das Wort »Gemeinwohl« ein, dieses schön deutsche Wort bezeichnet das Wohl eines Gemeinwesens und ist damit der Gegenbegriff zu bloßen Einzelinteressen. Aristoteles mag anderer Meinung sein, für mich gehört der Betrieb einer Straßenbahn zum Gemeinwohl und da müssen individuelle Interessen auch mal zurückstehen.

Ob man es aus philosophischer, liberaler, sozialistischer oder christlicher Sicht betrachten will, Menschen leben in einer Stadt auf engem Raum zusammen und in diesem urbanen Umfeld muss es auch möglich sein, Projekte zu verwirklichen die der Bürgerschaft dienen.

| Mogunzius