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Gesellschaft

Frauenpolitik muss sein

Am 8. März ist Internationaler Frauentag: Braucht es heutzutage noch derlei Symbole, um die Interessen von Frauen durchzusetzen? »Auf jeden Fall«, meint Regine Hungershausen.


Regine Hungershausen

Seit 22 Jahren leitet die 55-Jährige das Mainzer Frauenzentrum. Wobei der Begriff »leiten« den Strukturen des autonomen Vereins nicht entspricht. Regine Hungershausen ist mit einer Kollegin für die Organisation und Abwicklung der Angebote des Frauenzentrums verantwortlich. Dafür wird sie bezahlt, 24 Stunden in der Woche. Darüber hinaus engagiert sie sich insbesondere bei Kulturveranstaltungen ehrenamtlich im Verein, der hinter dem Frauenzentrum steht.

Regine Hungershausen stammt aus dem Ruhrgebiet, ein klein wenig ist die entsprechende Sprachmelodie noch zu hören. 1983 kam sie aufgrund der Ausbildung zur Fotografin nach Mainz und studierte im Anschluss Kommunikationsdesign an der Mainzer Fachhochschule. Veränderungen von unten »Es war für mich völlig klar, dass ich mich ehrenamtlich und frauenpolitisch engagiere und zwar im Frauenzentrum.« Warum das so klar war, erklärt sie teils mit Erlebnissen aus ihrem Elternhaus: »Sich für andere einzusetzen, sich zu engagieren in sozialen Belangen, das war bei uns immer ein Thema.« Gleichzeitig erlebte sie, dass ihre Mutter, die in den 60er/70er Jahren nicht nur Hausarbeit machen, sondern unbedingt einer Erwerbsarbeit nachgehen wollte, sich mit diesem Wunsch dem Vater gegenüber durchsetzen musste. (Zur Erinnerung: Bis 1976 hatten Männer das Recht, ihren Ehefrauen die Aufnahme einer bezahlten Arbeit zu verbieten.)

Zudem, sagt Regine Hungershausen, ist die Arbeit in einem Frauenzentrum sehr praktisch, nicht allein auf die Formulierung und Vertretung von politischen Forderungen orientiert. »Mich in der Politik für die Belange von Frauen zu engagieren, würde mir nicht entsprechen.« Sie bevorzugt die Veränderung von unten, à la Graswurzelrevolution von der Basis aus: Im direkten Kontakt mit den Frauen etwas zu verändern und gleichzeitig aufzunehmen und in die Arbeit einfließen zu lassen, was die Frauen mitbringen.

Dass es nach wie vor dezidierter Frauenförderung bedarf, erlebt Hungershausen im Berufs- wie im Alltagsleben. Ungleiche Bezahlung, die auch immer wieder dazu führe, dass bei der Entscheidung, ob Vater oder Mutter die Elternzeit in Anspruch nehme, die oft geringer entlohnte Mutter zuhause bleibe. Außerdem zeige die Nachfrage nach konkreter Beratung und Unterstützung bspw. zu Trennung und Scheidung, wie dringlich solche Beratungsangebote immer noch sind.

Ähnlich die Probleme, die junge Frauen und Mädchen bei ihrem lesbischen Coming- out haben: »Die Umgebung reagiert in solchen Situationen auch heute noch nicht immer mit Verständnis«, weiß Hungershausen und verweist auf »gorizi«, ein vom Mainzer Frauenzentrum initiiertes bundesweites Junglesbenportal.


Mehr Öffentlichkeit

Eher politisch-ideologischer Natur sind Anfeindungen von rechts außen gegen die Frauenbewegung, ein Thema, das in Mainz am diesjährigen Internationalen Frauentag auf dem Programm steht. »Diese international zelebrierten Tage sind geeignet, frauenspezifische Themen einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen«, begründet Regine Hungershausen den Nutzen solcher Rituale.

Ist die Frauenbewegte ganz privat unterwegs, nimmt sie gerne den Pinsel in die Hand: Malen tauge zum Entspannen ebenso wie Radtouren oder die Planung der nächsten Urlaubsreise. Regine Hungershausen ist gerne unterwegs in fremden Gefilden, in den Nationalparks in Amerika, an der großen Mauer in China, oder in Israel. Kuba und die Mongolei stehen u.a. auf ihrem Reisezielwunschprogramm und eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn.

| SoS

www.frauenzentrum-mainz.de