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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Gesellschaft

Feierstunden zu philosophischen Themen

Freie Religion hat kein fest gefügtes Lehrgebäude, kennt keine Offenbarung und keine heiligen Schriften. Freie Religion ist eine Religion ohne Kirche.


Gemeindezentrum

Ohne festes Glaubensbekenntnis begreift sich die Freireligiöse Gemeinde Mainz als überkonfessionell. Sie orientiert sich an der menschlichen Vernunft und will in religiöser Hinsicht zum eigenen Denken und Urteilen aufrufen. Dabei betont sie die Einbindung des Menschen in die Natur und weiß um die Begrenztheit des menschlichen Erkenntnisvermögens. Bei alledem betont sie, dass es keine religiöse Wahrheit gibt, diese ist vielmehr persönlicher Besitz des religiösen Menschen.

Im Gemeindezentrum in der Mainzer Neustadt (Foto) finden einmal im Monat so genannte Feierstunden statt, die ohne Gebet oder Musik, wohl aber von Gesang begleitet werden. Pfarrerin Elke Gensler spricht bei diesen über philosophische Themen oder Personen. Zu ihren weiteren Amtshandlungen gehören Taufen, Hochzeiten und Bestattungen. Seit 25 Jahren betreut sie die Gemeinde mit 400 Mitgliedern und sagt von sich: »Ich persönlich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. Ich glaube nicht, dass es einen persönlichen Gott gibt und gehöre zu den glücklichen Menschen, die eine bestimmte Form Goethe'scher Weltfrömmigkeit haben«. Es gehe dabei um die »lebensfrohe Diesseitigkeit«, erklärt sie, »mit der Ehrfurcht vor dem was über, neben und unter uns ist.«

In Mainz gibt es die Freireligiöse Gemeinde seit 170 Jahren. Sie ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit den großen Konfessionen gleichgestellt, erhält daher auch Kirchensteuer.

Die Freireligiöse Bewegung gründete sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aufgeklärte Männer und Frauen rebellierten damals gegen das Kirchenchristentum und schufen eigene Gemeinden, in denen geistige Freiheit, der Gebrauch der Vernunft und Duldsamkeit gegenüber anderen Religions- und Weisheitsformen im Mittelpunkt standen.

| KH

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