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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Gesellschaft

Frauen: unterrepräsentiert?

Frauen in Führungspositionen - ein Thema, über das sich auf unterschiedlichste Art und Weise streiten lässt. Sind die Mainzer in Sachen »Frauen in Führungspositionen« vorn oder hinken sie hinterher? Eine MAINZER-Spurensuche.


Frauen
V.o.n.u.: Anja Obermann, Eva Kreienkamp, Eva Weickert

Beim ersten Blick fällt auf, in vielen Bereichen sind in Mainz Frauen am Werk. Angefangen in der Politik: zwei von fünf Beigeordnete sind weiblich (Marianne Grosse und Katrin Eder). Unter den 28 Amtsleitern in der Stadtverwaltung sind derzeit vier Frauen zu finden: Hauptamt: Diana Spengler, Verkehrsüberwachung Elke Schmitt, Gutenbergmuseum Dr. Annette Ludwig, Standes- und Versicherungsamt: Sybille Hanspach (die Schulamts-Leitung ist zurzeit vakant).

Bei den Stadtnahen Gesellschaften und Eigenbetrieben verantworten zwei Frauen jeweils einen Geschäftsbereich: Jeanette Wetterling ist Vorstand des Wirtschaftsbetriebs AöR, Eva Kreienkamp ist Geschäftsführerin der MVG. Sowohl in der Mainzer Universität als auch in der Mainzer Hochschule amtiert jeweils eine Vizepräsidentin: Univ.-Prof. Dr. Mechthild Dreyer, Vizepräsidentin für Studium und Lehre, JGU und Prof. Dr. Andrea Beyer, Vizepräsidentin HS Mainz.

Die Unimedizin der JGU wartet mit drei Frauen an vorderster Stelle auf: Vorstandsvorsitzende und Medizinischer Vorstand: Prof. Dr. Babette Simon, Kaufmännischer Vorstand: Dr. Elke Frank, Pflegevorstand: Marion Hahn. In der Handwerkskammer Rheinhessen ist Anja Obermann die Hauptgeschäftsführerin, Dr. Elena Wiezorek ist die Hauptgeschäftsführerin der Architektenkammer RLP mit Sitz in Mainz. Im Medienbereich steht Dr. Simone Schelberg als Sendedirektorin dem SWR-Funkhaus vor und Monika Nellessen ist die Lokalchefin Mainz der Allgemeinen Zeitung Mainz (ich selbst bin auch weiblich und Redaktionsleiterin des MAINZERs: Dr. Marion Diehl).


Abgrenzungsprobleme

Diese Aufzählung entstand spontan, die genannten Frauen sind aufgrund ihrer Funktionen bekannt. Wie aber steht es mit den Team- und Abteilungsleiterinnen, mit den Geschäftsführerinnen und Unternehmerinnen? Bzw. was genau bedeutet »Führungsposition« und was zählt zu den Aufgaben einer Führungskraft?

»Meines Wissens nach, existiert keine einheitliche Definition«, sagt Eva Weickart. Die Leiterin des Mainzer Frauenbüros weist auf Abgrenzungsprobleme hin: Beinhalten Führungsaufgaben die Personalverantwortung - für wie viele Mitarbeiter/innen? Wie steht es um zeitlich befristet Führungsaufgaben, z.B. im Rahmen einer Projektleitung? Da es hierzu keine Verständigung gebe, sei es weder möglich, eine vollständige Liste von Frauen in Führungspositionen zu erstellen, noch die Anzahl weiblicher Führungskräfte in verschiedenen Städten und Regionen miteinander zu vergleichen. Das Statistische Bundesamt formuliert allerdings aufgrund der Ergebnisse des Zensus 2011 die Aussage, »Männer doppelt so häufig in Führungspositionen wie Frauen« (Pressemitteilung, Mai 2014). Laut Auskunft des Amtes wurden die Führungsaufgaben für jeden Wirtschaftszweig einzeln definiert, die Berufe nach der nationalen Klassifikation der Berufe (KldB 2010) kodiert und hochgerechnet. Die gesamte KldB 2010 wiederum stammt von der Bundesagentur für Arbeit, die Führungspositionen u.a. anhand von Berufsbezeichnungen, z.B. »Leiter/in«, »Geschäftsführer/in«, »Manager/in« und dem Fach- bzw. Führungskompetenzen des Kompetenzkatalogs der Bundesagentur ermittelt.


Verdienstabstand

Nicht einbezogen sind die sogenannten Aufsichtskräfte, zu denen Meisterberufe oder Berufe wie zum Beispiel Team- oder Büroleiter zählen, ausgeklammert wurde zudem der Militärbereich. Eine allgemeine Definition für Führungsaufgaben bezogen auf alle Berufe existiert nicht.

Auch das Statistische Landesamt von Rheinland Pfalz kennt keine klare Festlegung für »Führungsaufgaben«. Jürgen Hammerl, Referatsleiter Presse, verweist auf die Verdienststrukturerhebung, die als Grundlage für die Berechnung des Gender Pay Gap, des Verdienstabstands zwischen Frauen und Männern, genutzt wird. Sie liefert im vierjährigen Turnus umfassende Strukturdaten zu Verdiensten in der Industrie und in den Dienstleistungsbereichen. Die Beschäftigten werden in fünf sog. Leistungsgruppen eingeteilt. Eine eindeutige Abgrenzung von Führungsaufgaben ist damit aber nicht möglich. An Forderungen nach der Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen mangelt es nicht. Ohne zu konkretisieren, welche Positionen damit konkret gemeint sind, ist die gezielte Förderung kaum möglich.

| SoS

Das Zentrum für Wissenschaftliche Weiterbildung der Mainzer Uni
startet am 16.3.2017 die 5. Staffel des Entwicklungsprogramms »Führungskompetenz -
weibliche Nachwuchsführungskräfte fördern, Unternehmen stärken«.
wwww.zww.uni-mainz.de/fuehrungskompetenz.php