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Wirtschaft

Fluglärm löst Gefäßschäden aus

In mehreren Studien konnte Prof. Dr. Thomas Münzel belegen, dass Fluglärm langfristig zu mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Nun hat der Mainzer Kardiologe mit seinem Team entschlüsselt, welche Mechanismen dafür verantwortlich sind.

Ausganspunkt der Studie war der bereits 2013 erbrachte Nachweis, dass simulierter Nachtfluglärm das Stresshormon Adrenalin erhöht und eine endotheliale Dysfunktion (Gefäßschaden) auslöst. Welche molekularen Ursachen diese Gefäßschäden verursachen, untersuchten Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Univ.-Prof. Dr. Andreas Daiber und Prof. Dr. Erwin Schmidt. Die Wissenschaftler stellten in einem Tiermodell messbar fest, dass Fluglärm eine deutliche Erhöhung der Stresshormone, eine Gefäßfunktionsstörung, erhöhten oxidativen Stress in den Gefäßen und eine deutliche Änderung der Expression von Genen in der Gefäßwand nach sich zieht.


Mehr freie Radikale

Vereinfachend lässt sich die Studie wie folgt beschreiben: Fluglärm führt zu einer vermehrten Bildung von sogenannten freien Radikalen, die wiederum das körpereigene Nitroglycerin angreifen und dessen Funktion für die Flexibilität des Endothels in den Gefäßen mindern. Durch diesen oxidativen Stress werden die Gefäße starr - es entsteht Bluthochdruck, mit der Gefahr von Schlaganfall und Herzinfarkt.

In der Studie wurden die Erbanlagen (Gene) in den Gefäßen analysiert, die durch den Lärm entweder hoch- oder herunterreguliert werden. Im Vordergrund standen die Gene, die für den Spannungszustand der Gefäße, die Gefäßwandstruktur und den Gefäßzelltod verantwortlich sind.



Das Kernteam der neuen Fluglärmstudie (vlnr.): Univ.-Prof. Dr. Andreas Daiber, Leiter der Arbeitsgruppe für Mole­kulare Kardiologie, Zentrum für Kardiologie, Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor der Kardiologie I im Zentrum für Kardiologie, Universitätsmedizin Mainz, Dr. Swenja Kröller-Schön, Arbeitsgruppe für Molekulare Kardiologie, Zentrum für Kardiologie, Universitätsmedizin Mainz und Prof. Dr. Erwin Schmidt, Institut für Organismische und Molekulare Evolutionsbiologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Strategien gegen Gefäßschäden

Nach Auffassung der Wissenschaftler bedeuten die Ergebnisse einen Durchbruch in der Lärmforschung, erstmalig könnten spezifische Strategien entwickelt werden, um die durch Lärm ausgelösten negativen Konsequenzen für Gefäße abzuschwächen. Möglich sei es bspw. zu testen, inwieweit Herz- und Kreislaufwirksame Medikamente Fluglärm-induzierte Schäden an Gefäßen verhindern können. Münzel kündigte zudem an, in naher Zukunft auch die Effekte von Straßen- und Schienenlärm untersuchen zu wollen.

Eine andere Möglichkeit, Gesundheitsschäden zu minimieren, wäre die Reduzierung des Fluglärms und die Ausweitung des Nachtflugverbots von 22 bis 6 Uhr.

| WHO/SoS