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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Mehr Informationen finden Sie auf der Seite Verlosung.

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Titelstory

Sturm im Wasserglas?

Aufgeschreckt sind die Besucher, der Dezernent hält sich bedeckt, die Mehrheitsfraktionen im Stadtrat sehen keinen politischen Handlungsbedarf, der »Instandhaltungsstau« wächst: Geht das Mainzer Taubertsbergbad »baden«?


»Vernachlässigt« und »heruntergekommen« als Zustands­beschreibungen von Badegästen, die immer wiederkehrende Frage, ob die Kontrollen seitens der Stadt Mainz ausreichend sind, wann der Instandhaltungs- zum Sanierungsstau wird: Seit 2009 berichtet DER MAINZER über den Zustand des Taubertsbergbades. Schon fünf Jahre nach der Eröffnung war eine erhebliche Liste an offensichtlichen Mängeln festgestellt worden - im Sportbad. Die Thermen- und Saunalandschaft spielte in der MAINZER-Berichterstattung nie eine Rolle.

DER MAINZER Titel zum Thema Taubertsbergbad

Die Stadt Mainz zahlt einen jährlichen Betriebskostenzuschuss, d.h. Steuergelder für die Bahnenstunden von Schulen und Vereinen im Sportbad.

Der rote Faden unserer Berichterstattung sind die dokumen­tierten Schäden: nicht funktionierende Duschen, fehlende Spindschlüssel, Löcher in Boden und Deckenplatten, schadhafte und fehlende Kacheln, sowie Verschmutzungen unterschiedlichster Art.

Gewundert haben wir uns immer über die als »sozial­verträg­lich« bezeichneten Eintrittspreise: Erwachsene zahlen aktuell 4,10 € für 90 Min Sportbad, und 3,70 € für einen ganzen Tag Freibad (in Mombach 3,50 € sowohl für Hallen- als auch Freibad ohne Zeitlimit).

Außerdem stellte DER MAINZER jedes Mal die Frage: Was passiert wenn der Stuttgarter Unternehmer Uwe Deyle, Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft des Taubertsbergbades, nach Ablauf des Vertrags das Bad in einem heruntergekommenen Zustand an den Eigentümer Stadt zurückgibt?

Diese Frage ist von den Mehrheitsfraktionen im Mainzer Stadtrat nicht aufgegriffen worden, die unzureichenden Instandhaltungsmaßnahmen ebenso wenig. Auch aktuell schweigen die Fraktionen zum Thema Taubertsbergbad. Einzig Die Linken äußerten sich und fordern ein »Bad in kommunaler Hand«.

Den Vertrag kündigen?

Mit dem zuständigen Sportdezernenten, Günter Beck (GRÜNE) nahm DER MAINZER 2013 im Juli die Mängel im Sportbad in Augenschein. Beck sagte damals »von einem Sanierungsstau kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesprochen werden. Wir befinden uns mit dem Betreiber im offenen Austausch, was die großen Mängel angeht.« Auf die Frage, ob man dem Betreiber wegen nicht erfolgter Instandhaltung kündigen könne, antwortete Beck 2013: »Grundsätzlich ist, wie in den meisten Verträgen, unter bestimmten Voraussetzungen eine Kündigung möglich. Diese liegen hier zum aktuellen Zeitpunkt bei weitem nicht vor. Deshalb denken wir derzeit auch gar nicht in diese Richtung.«

Auch in diesem Jahr, am 9. März, wurden, laut Beck bei einer Begehung mit dem Betreiber »eine Vielzahl erheblicher Mängel festgestellt und die umgehende Beseitigung seitens des Betreibers gefordert.« Dennoch, so der GRÜNE, denke er nicht an eine Kündigung des Vertrags mit Deyle.

Anfragen des MAINZERs an die Taubertsbergbad Mainz Betriebsgesellschaft mbH & Co. KG nach Instandhaltungs­maßnahmen und deren Kosten wurden zwar beantwortet, blieben aber im Ungefähren:

2010 wurde, so die damalige Auskunft von Elke Brugger, Prokuristin der Deyle-Gruppe in Stuttgart für die Instandhaltung »weit über 1 Million Euro« ausgegeben. Welche Instandhaltungsmaßnahmen damit finanziert wurden, erläu­terte sie nicht: »Eine Aufzählung würde sowohl inhaltlich als auch vom Platz her den Rahmen sprengen.«

Im Mai 2016 wollte DER MAINZER erneut von der Prokuristin wissen: Wie viel Euro hat die Betreibergesellschaft 2015 in die Instandhaltung des Sportbades investiert? Antwort: Auch in 2015 haben wir einen 6-stelligen Betrag in Bau und Technik investiert.

Als Instandhaltungsmaßnahmen, die 2015 im Sportbad durchgeführt wurden, nennt Brugger die Überholung des Wasseraufbereitungssystems »sowie diverse Ausbesserungsarbeiten«. Den aktuellen Investitionsbedarf, um Mängel im Sportbad zu beseitigen, beziffert die Prokuristin nicht.

Dazu muss man wissen, der Privatunternehmer Deyle ist nicht verpflichtet, der Öffentlichkeit Auskunft zu geben. Auch darf der Mainzer Sportdezernent Bestandteile des Vertrages zwischen der Stadt Mainz und der Betreibergesellschaft nicht offenlegen. Wobei der Vertrag nun nicht mehr, wie noch vor drei Jahren verlautbart wurde, nach zehnjähriger Laufzeit um weitere zehn Jahre (bis 2024 verlängert wurde. Beck ließ wissen »der Vertrag wurde nicht verlängert und läuft ganz regulär weiter.

Klar ist immerhin, dass der Kredit von 11,7 Mio. €, den die Stadt Mainz aufnahm, um den Bau des Bades zu finanzieren (Gesamtkosten: 22 Mio. Euro, mit MwSt., die Sportförderung RLP steuerte 4 Mio. Euro bei) noch nicht getilgt ist.

WER arbeitet den Instandhaltungsstau ab?

Dass Schwimmbäder keine Rendite-Objekte sind, dürfte sich herum gesprochen haben. Ohne Herrn Deyle böses zu unterstellen, ist die Logik, immer nur so viel zu investieren, wie für den Betrieb unbedingt erforderlich, ökonomisch nachvollziehbar. Deyle kann nach Ablauf des Vertrages sagen: Tschüß, das wars. Die Stadt Mainz säße dann auf einem Schwimmbad mit Thermen und Saunenlandschaft, die irgendjemand weiter betreiben müsste und dabei sukzessive den »Instandhaltungsstau« abarbeitet. Vorausgesetzt, es ist nicht mittlerweile ein »Sanierungsstau« aufgetreten (wie im Falle des Mainzer Rathauses).

Derweil brodelt es in der Gerüchteküche. Mal werden der Taubertsberg-Betreibergesellschaft vier Wochen bis zur Insolvenz gegeben, mal sind es nur noch zwei Wochen. Garniert werden derlei Spekulationen mit der These, die Stadt Mainz sei vermutlich besser bedient, würde Deyle Insolvenz anmelden, denn aus dem bestehenden Pachtvertrag auszusteigen ohne nicht auch noch, wie im Falle des Titania Bads in Neusäß auf ausstehende Zahlungen verzichten zu müssen, sei kein leichtes Unterfangen.

| SoS