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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
V E R L O S U N G !

omara portuondo Open Air in Mainz
DER MAINZER verlost zweimal zwei Karten für das Konzert von GLEN HANSARD
am 1. Juli 2016 und zweimal zwei Karten für das Konzert von OMARA PORTUONDO & DIEGO EL CIGALA
am 6. Juli 2016.

Mehr Informationen finden Sie auf der Seite Verlosung.

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Essen & Trinken

Wenn es in den Gärten qualmt

Es gibt Grillenthusiasten bei denen jeder Handgriff sitzt, das Grillgut immer perfekt ist und auf die Minute pünktlich auf den Tisch kommt. Und es gibt Menschen, die nach unzähligen vergeblichen Anzündversuchen völlig entnervt den Pizzaservice anrufen. Klar, dass sich auch der MAINZER zum Thema »Grillen« so seine Gedanken macht.


© alexander raths - fotolia.com4

Zu den Vorboten des Sommers werden die unterschiedlichsten Erscheinungen gerechnet - vom Aufblühen bestimmter Pflanzen über das Öffnen saisonaler Eis-Salons bis hin zum Erscheinen der ersten Cabrios mit offenem Verdeck.

In Bau- und Supermärkten ist das Ende der kalten Zeit meistens daran zu erkennen, dass Meisenknödel und Schneeschieber auf den Sonderangebotstischen landen und die neuen Grill-Modelle zielsicher in die stärker frequentierten Zonen geschoben werden.

Die neue Grillsaison hat begonnen und halb Deutschland belädt sich mit den notwendigen Utensilien um im eigenen Garten oder öffentlichen Anlagen Fleisch, Fisch und/oder Gemüse mehr oder weniger fachgerecht über offener Flamme zu garen.

Grillprofis werden jetzt natürlich schon indigniert mit dem Kopf schütteln, denn die »wahren Griller« kennen keine Jahreszeiten und fürchten keine Minus-Temperaturen. Sie hantieren auch dann noch graziös mit Grillzange und Fleischwender, wenn ihren Gästen der Glühwein im Becher gefriert.

Diskussionswürdiges

Zahlreiche Bücher und unzählige Artikel sind schon über das Grillen geschrieben worden:

  • über die Relikte des Urmenschen der noch immer in uns steckt und die Menschen des 21. Jahrhunderts in regelmäßigen Abständen zur archaischen Garmethode drängt
  • über die Diskussion, was alles auf einem Grill zubereitet werden kann oder darf: Wobei die Frage nach dem »kann« sehr schnell mit »fast alles« beantwortet werden kann - bei einschlägigen Weltmeisterschaften bekommt auch das Eis-Dessert erst auf dem Grill das »gewisse Etwas«. Das »darf« ist dagegen eher eine familieninterne Angelegenheit. Kaum ein Griller, der noch wie einst der legendäre Al Bundy jeden heimlich aufgelegten Fisch von seinem Grill riss und in Nachbars Garten schleuderte. Vegane und vegetarische Gerichte sind auf dem Vormarsch.
  • über das richtige Marinieren und die damit verbundene Frage ob man vor-mariniertes Fleisch überhaupt - und wenn ja: in welcher Form - erwerben sollte
  • über den »richtigen« Grill und das entsprechende System: Gas oder Kohle? Einweg für 4,95 € oder Profi-Modell für 8.000,00 € »Plus«?
  • über die passenden Getränke: Sind Pro Secco und Fruchtee »in«, »o.k.« oder »no go«?
  • über die juristische Seite des Vergnügens: Wer darf überhaupt wann und wie und wo? Und wie lange und in welchem Abstand? Muss der Nachbar ertragen, wenn ich jeden Samstag auf dem Balkon brutzele?
  • und schließlich: über die Gefahren des Grillens. Welche Nahrungsmittel können, wenn (falsch) gegrillt, gesundheitsgefährdend sein und welche fehlerhaften Handhabungen können lebensgefährliche Folgen haben.

  • Seit der Entwicklung des Brennspiritus wird davor gewarnt, ihn in eine offene Flamme zu spritzen - und jedes Jahr passieren noch zahlreiche Unfälle, weil einige Narren glauben, die Naturgesetze unter Kontrolle zu haben. »Wenn man das richtig macht, passiert gar nichts!«

    Roh oder verkohlt?

    Besonders Anfänger - und ja: es soll Leute geben die noch nie selbst gegrillt haben und es in diesem Jahr erstmals versuchen wollen - durchforsten das Internet verzweifelt nach der Antwort auf die Frage: »Wie lange soll/darf/muss ein Stück Fleisch auf dem Grill liegen bis es gut ist« Oder - noch profaner, aber recht dicht an der Realität: »Wieso ist mein Fleisch außen oft schon verkohlt und innen noch völlig roh?« Nun ist Grillen keine eindimensionale Angelegenheit und ein »gutes« Resultat abhängig von zahlreichen Faktoren: Fleischart und -qualität, Grillsituation, Geschmack der Gäste etc. Schwein muss durch, Rind und Lamm dürfen noch rosa bis rot sein. Die Struktur der Stücke spielt eine Rolle und natürlich ihre Dicke. Wichtig auch der Abstand des Grills von der Glut bzw. die Einstellung des Brenners. Und wenn das Steak am Ende perfekt medium ist, bleibt nur zu hoffen, dass der Gast es nicht lieber »richtig gut durch« mag. Hier hilft nur eines: probieren, probieren, probieren - und auf gute Nachbarschaft hoffen!

    Vorsicht! Ungesund!

    Wesentlich eindeutiger ist dagegen die Liste der Dinge, die auf einem Grill absolut nichts verloren haben. Zunächst das Brennmaterial: Selbst gesammeltes Holz, Tannenzapfen und Kartonage bergen immer die Gefahr von Schadstoffen, die beim Verbrennen entstehen oder freigesetzt werden können. Mit Holzkohlebriketts oder Holzkohle ist man da auf der sicheren Seite.

    Beim Grillgut hat die in Deutschland so beliebte Bockwurst nichts verloren. Sie enthalten Pökelsalz, das bei den hohen Grill-Temperaturen mit Eiweißbestandteilen in Wurst und Fleisch reagieren kann. Dabei können geringe Mengen an krebserregenden Nitrosaminen entstehen. Gepökelte Fleisch- und Wurstwaren wie Kasseler oder Wiener Würstchen sind deshalb für den Grill generell tabu. Ihr Metzger berät Sie hier gerne. Und auch das sollte eigentlich jedem klar sein: Das rohe Grillgut darf erst kurz vor dem Grillen aus dem Kühlschrank genommen werden. Wenn man in freier Natur oder öffentlichen Anlagen grillen möchte, müssen alle leicht verderblichen Nahrungsmittel und das Grillgut in Kühltaschen transportiert werden. (Lieber kein eiskaltes Bier und dafür frisches Fleisch!)

    Schließlich sollte man auch beachten, dass gegrilltes Fleisch und andere Lebensmittel nicht auf Tellern oder Platten serviert werden, auf denen vorher das rohe Grillgut lag.

    Und bitte den Müll nicht vergessen!

    Eigentlich sollte es auch selbstverständlich sein, dass man nach dem Grillen in der Öffentlichkeit, Reste, Müll und Leergut nicht liegen lässt oder neben überquellende Abfallkörbe wirft. Leider wird man auch in Mainz öfters den Eindruck nicht los, dass die Grillkünste einiger Mitmenschen in dieser Beziehung noch nicht sehr ausgeprägt sind.

    | MDL