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Titelstory

Kardinal Lehmann: Der Kommunikator

Am Pfingstmontag wird Kardinal Lehmann 80 Jahre alt. Der Ehrentag wird gebührend gefeiert. In die Glück- und Segenswünsche mischen sich Töne der Trauer: einen Tag nach seinem 80. Geburtstag wird Prof. Dr. Dr. Karl Lehmann sein Amt als Bischof der Stadt Mainz aufgeben.


Kardinal Karl Lehmann
Kardinal Karl Lehmann
Foto: WHO 2013

Lange war darüber spekuliert worden, Mitte April 2016 wurde es zur Gewissheit: Kardinal Lehmann hatte bei Papst Franziskus sein Rücktrittgesuch vom Amt des Mainzer Bischofs eingereicht. Vermutlich gibt es keinen Mainzer und keine Mainzerin, die ihrem Bischof nicht den wohlverdienten Ruhestand gönnen würden. Doch alle werden diesen Priester, Philosophen und Theologen vermissen. Kardinal Lehmann »gilt heute vielen als die Personifikation einer lebensnahen, dialogbereiten, weltoffenen und menschenfreundlichen Kirche«, schreibt Markus Schächter in der Werkbeschreibung zu seinem jüngsten Buch.

Markus Schächter, Intendant des ZDF von 2002 bis 2012, ist »aus nachbarschaftlich-journalistischer Beobachtung« seit einigen Jahrzehnten mit Kardinal Lehmann im Gespräch und blickt für den MAINZER auf diese Gespräche zurück.

Zum ersten Mal, erinnert sich Markus Schächter, erlebte er Prof. Dr. Dr. Karl Lehmann 1971 an der Mainzer Uni. Schächter studierte Geschichte, Politikwissenschaft, Publizistik und Religionswissenschaften und besuchte als Gasthörer die Abschiedsvorlesung des wie er sagt »akademischen Jungstars«. Der spätere Kardinal, erinnert sich der spätere ZDF-Intendant, sei als Wissenschaftler sehr gefragt gewesen, eine Reihe von Universitäten hätten ihn gerne in ihren Lehrkörper aufgenommen. (1)

Schon ein Jahr später begegnete Schächter, damals ZDF-Reporter, Karl Lehmann 1972 auf der »legendären Würzburger Synode«. Der Kirchenmann blieb ihm als »der große Meister der Diplomatie« in Erinnerung. (2)

Nachdem Schächter im März 2002 zum Intendanten des ZDF gewählt worden war verstetigten sich die Begegnungen mit dem Bischof von Mainz und späteren Kardinal Lehmann. Zweimal im Jahr trafen sich die Intendanten von ARD und dem ZDF mit den Spitzen der katholischen Kirche der beiden christlichen Kirchen, um über die Bedeutung der Kirche in der Gesellschaft und die Rolle von Religion im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und im Fernsehen zu diskutieren. (3)

2001, als Johannes Paul II Bischof Karl Lehmann im Vatikan die Kardinalswürde verlieh, gehörte Markus Schächter zu seinen Wegbegleitern und Freunden in Rom. Schächter war mit seiner Frau dabei, als der Mainzer Bischof seine erste Messe als Kardinal in der Kirche San Saba in Rom hielt, in derselben Kirche, in der Karl Lehmann 1963 seine erste Messe als Priester gehalten hatte. »Es war ein sehr bewegender Moment für Karl Lehmann und für uns Alle«, erinnert sich Schächter. (4)

zu 1: Kardinal Lehmann studierte zwischen 1956 und 1964 Philosophie und Theologie in Freiburg und Rom, 1962 und 1967 erwarb Karl Lehmann seine Doktortitel in Philosophie und Theologie. Als Assistent von Karl Rahner zwischen 1964 und 1967 arbeitete er an den Universitäten von München und Münster, erlebte aber auch das Zweite Vatikanische Konzil in Rom (1962-1965) aus nächster Nähe mit. Als »der große Meister des Dialogs« (Schächter) hat er großen Anteil an den Erfolgen dieser Synode. Mit 32 Jahren (1968) wurde er auf den Lehrstuhl für katholische Dogmatik und Theologische Propädeutik in Mainz berufen; drei Jahre später übernahm er in Freiburg/Breisgau die Professur für Dogmatik und Ökumenische Theologie.
zu 2: Legendär ist die Würzburger Synode insofern, als die »Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland«, so der offizielle Titel der Würzburger Synode, zwischen 1971 und 1975 die Verwirklichung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) fördern sollte.
zu 3: Karl Lehmann wurde am 10. Oktober 1963 in Rom von Kardinal Julius Döpfner zum Priester geweiht. Knapp zwanzig Jahre später, am 23. Juni 1983 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Mainz. Sein Vorgänger, Kardinal Hermann Volk, weihte ihn am 2. Oktober 1983 im Mainzer Dom zum Bischof. 1985 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt, zwei Jahre später zu deren Vorsitzenden und in dieser Funktion 1993, 1999 und 2005 bestätigt. 2008 trat er aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zurück.
zu 4: Besondere Höhepunkte in Lehmanns Amtszeit waren die Teilnahme am Konklave im April 2005, aus dem Kardinal Joseph Ratzinger als Papst Benedikt XVI. hervorging, sowie am Konklave im März 2013, das Papst Franziskus (Kardinal Jorge Mario Bergoglio) zu seinem Nachfolger wählte.

(Quelle für die biographischen Daten: http://bischof.bistummainz.de)

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