Kontakt + Impressum
Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
G E W I N N S P I E L !

Gewinnspiel-Button Machen Sie mit beim
Frühlings-
Gewinnspiel
des Mainzer Einzelhandels
und gewinnen Sie
attaktive Preise!!!

Mehr Informationen hierzu finden Sie auf der Seite Gewinnspiel -->

Werbung

Mainzer Staatstheater

Laufend arbeiten

Im April stellt Markus Müller mit seinem Team den Plan für die Spielzeit 2016/17 vor. DER MAINZER sprach mit dem Intendanten des einzigen Staatstheaters in Rheinland-Pfalz vorab über die Ansprüche und die Herausforderungen, die seine Arbeit begleiten.


Theaterintendant Markus Müller Das Persönliche

Markus Müller ist 1973 in Kempten geboren, hat in Bamberg, Erlangen und Mannheim studiert, in Mannheim in der Intendanz und in Oldenburg als Generalintendant gearbeitet, dazu diverse Festivals und Theaterprojekte geleitet.

Ist er in Mainz angekommen?

»Die Mainzer machen es einem so leicht«, kommt die Antwort prompt. Sie seien offen, begeisterungsfähig und sagten außerdem, was sie denken. Gut eingelebt habe sich auch seine Tochter, die teils bei ihm teils bei ihrer Mutter lebt. Die Zehnjährige verfügt, »im Gegensatz zu mir«, über ein musikalisches Talent und lebt es u.a. im Mainzer Domchor aus.

Markus Müller hat in seiner Oldenburger Intendantenzeit 2006 bis 2014 einen Theaterhype in dieser Stadt entfacht und auf dem Höhepunkt dieser Erfolge der Stadt den Rücken gekehrt, um in Mainz das Staatstheater durch schwierige finanzielle Zeiten zu lotsen.

Warum?

»Ich habe in den acht Jahren in Oldenburg eine wunderbare, anregende Theaterzeit erlebt und gemeinsam haben wir sicher einiges erreicht. Aber Theatermachen lebt von Veränderungen, was mir sehr entspricht. Und ich brauche Herausforderungen. Wir wollen in Mainz das Theater, die Aufführungen zum Stadtgespräch machen, die Stoffe auf der Bühne sollen die Menschen etwas angehen und Auseinandersetzungen mit unseren Aufführungen gerne überall Thema sein - beim Sport, auf der Straße, in den Kneipen.«

Apropos Sport: Der Arbeitsalltag von Markus Müller ist dicht gedrängt, und Sport ist zwar gesund, verbraucht aber Zeit: Also verbringt der Intendant des Mainzer Staatstheaters einige wöchentliche Arbeitsgespräche laufend. Das beschert ihm drei Joggingtermine pro Woche während die grundlegenden Abläufe besprochen werden und der Kreislauf auf Touren kommt.

Das Künstlerische

Markus Müller ist kein Intendant, der selbst inszeniert.

Warum nicht?

»Meine Arbeit umfasst alles, was die künstlerische Leitung des Hauses erfordert: Ich führe die Vorgespräche und engagiere die Künstler, entwickle gemeinsam mit der Dramaturgie die Spielpläne und Besetzungen und begleite die Produktionen in den Endproben.«

Selbst inszeniert hat Müller bis 1997 und hörte auf, als er seine erste Tätigkeit in der Intendanz in Mannheim übernahm. »Ich vermisse das nicht, die Leitung eines Mehrspartenhauses ist so komplex, darin steckt so viel Arbeit, die mir Freude macht - ich könnte mich unter diesen Voraussetzungen auch nicht auf die Proben für eine eigene Inszenierung konzentrieren.« Müller erweckt den Eindruck und bezeichnet sich auch selbst als guten Kommunikator. Als einer, der die richtigen Menschen zusammenbringt, der Themen setzt und deren Umsetzung verfolgt, der gerne und intensiv inhaltlich mit anderen arbeitet.

»Wir haben schon mehr als 60 Premieren in anderthalb Jahren auf die Bühne gebracht, das ist ein enormes Pensum.« Mindestens ein halbes Jahr vor einer Premiere gehe es los, mit allen Beteiligten. »Wir ringen oft Stunden um Inhalte und Besetzung, alle zusammen, es ist ein sehr engagierter Dialog.« Sind die Grundlagen für eine Produktion vereinbart, übernehmen die Produktionsdramaturgen. Bei den Hauptproben ist Müller wieder mit dabei. »Wir haben eine intensive dramaturgische Begleitung, mit viel Herzblut, das spüren die Zuschauer.«

Die Aufgaben eines Intendanten haben sich im Vergleich zu früher geweitet, stellt Müller fest: »Die Theater müssen sich heute im Kontext einer völlig veränderten Medienlandschaft behaupten - das ist eine große Herausforderung, aber auch eine Chance, denn wir haben das Alleinstellungsmerkmal, immer analog und ,dreidimensional' zu sein. Aber wir müssen auch sehr viel mehr auf Menschen zugehen, um Unterstützung und um Unterstützer werben. Ich mache das gerne.«

Viel Kommunikation sei aber auch nach Innen nötig: »Alle Menschen, die hier arbeiten, sollen das Gefühl haben, dass sie genau in diesem Theater am richtigen Ort sind, dass sie, auch wenn sie nicht ihre Lieblingsrolle im Stück spielen, wichtig sind. Wir arbeiten als ein großes Team, in dem jeder Einzelne seine Aufgabe übernimmt und wesentlich ist.« Gleichzeitig müsse einer die Konturen vorgeben, die Rahmen setzen: »Ich bin entscheidungsfreudig«, sagt Müller von sich selbst, »aber der beste Ansatz gewinnt, egal von wem er kommt.« Es sei Teil seiner Persönlichkeit, Dinge in Angriff zu nehmen, auch solche, von denen er nicht weiß, ob sie funktionieren.

Das Programm ist sehr vielseitig, die Darstellungsformen ebenfalls - verfolgen Sie mit ihren Regisseuren und Dramaturgen so etwas wie einen roten Faden?

»Bei aller Vielfalt, die ein Mehrspartenaus ausmacht und auszeichnet, sehe ich unsere Schwerpunkte zum einen in der Auseinandersetzung mit der Stadt und der Region - durch Stücke wie 'Schinderhannes' und mit Projekten wie 'In Zukunft: Mainz'- zudem in der steten Suche nach dem aktuellen Bezug der Stoffe und klaren Regiekonzepten. Vor allem aber machen ein festes Ensemble, die kontinuierliche Zusammenarbeit mit unseren Hausregisseuren, zeitgenössischer internationaler Tanz und eine Oper, die von eindrucksvollen Sängerdarstellern geprägt wird, unser Theater aus.«

Ein roter Faden, den Markus Müller nicht so bezeichnet, der aber seine Intendanz in Mainz bislang begleitet, sind Auszeichnungen und Theaterpreise, u.a. für die Inszenierung der Oper »Perelà«, für die Schauspielsparte, aber auch Designpreise für das Erscheinungsbild.

Das liebe Geld

Das Interview findet vor den für die Spielzeit 2016/17 entscheidenden Aufsichtsrats-Sitzungen und vor der Sitzung mit dem Theaterbeirat statt. Markus Müller kann nicht und will auch gar nicht vorher Details zur finanziellen Situation und zum neuen Spielplan sagen.

Einige Fakten sind aber kein Geheimnis: Die Besucherzahlen sind um mehr als 10% gestiegen, ohne Orchester hat das Staatstheater 320, mit Orchester, das ja formal selbstständig ist, knapp 400 Mitarbeiter. »Was die Anzahl der Mitarbeiter betrifft, sind wir das kleinste Mehrsparten-Staatstheater in ganz Deutschland«, stellt Müller fest. Mit Blick auf den Kartenverkauf sind die erfolgreichsten Aufführungen die so genannten Familienveranstaltungen, in der 2015/2016er Spielzeit »Eine Woche voller Samstage«, die erfolgreichste Abendveranstaltung ist »Monty Python's Spamalot«. »Im Schnitt haben wir eine Auslastung von gut 80 Prozent«, bilanziert Müller.

Das Politische

Am 21. November 2015 intonierte ein Chor mit Markus Müller im Staatstheater lautstark Beethovens Ode an die Freude, was eine Kundgebung der AFD beeinträchtigte. Markus Müller weiß, dass er als Hausherr im Staatstheater deshalb wegen »grober Störung« der Kundgebung von der Polizei angezeigt wurde. Nur vorgetragen habe ihm diese Anzeige noch niemand.

Müller meint, Theater müsse eine eigenen Haltung zu aktuellen politischen wie gesellschaftlichen Ereignissen entwickeln: »Wir müssen natürlich auf unsere Weise reagieren, mit den Mitteln des Theaters und seiner ganz eigenen Sprache einen intensiven, anderen Blick auf gesellschaftliche Themen anbieten. Aber wir sind auch Teil der kritischen Öffentlichkeit und sollten nicht haltungslos bleiben.« Nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo bot die Montagsreihe »Das Wort ist stärker als das Schwert« Gelegenheit, sich lesend, spielend und diskutierend mit den Hintergründen auseinanderzusetzen. »Es reicht nicht, als Haltung ein T-Shirt mit der Aufschrift ,Je suis Charlie' zu tragen, jedenfalls nicht für ein Theater. Wir wollen eine Plattform bieten, auf der kommuniziert und interagiert wird, um einen Mehrwert für alle Beteiligten, insbesondere für die Zuschauer zu erreichen.«

| SoS