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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
V E R L O S U N G !

RLP-Ausstellung DER MAINZER verlost
5x 2 Eintrittskarten zur
Rheinland-Pfalz-
Ausstellung
Vom 12. bis 20. März 2016
Beantworten Sie folgende Frage: Zum wievielten Male findet die Rheinland-Pfalz-Ausstellung statt?

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eine E-Mail an
verlosungen@dermainzer.net
Stichwort: RLP-Ausstellung
Einsendeschluss: 10.3.2016

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Sport

Der »Karnevalsverein« feiert seinen 111. Geburtstag

Um Dauergast in der ersten Liga zu sein und an der Europaquali schnuppern zu dürfen, braucht es sicher mehr als ein paar Pappnasen und die richtigen Stimmungslieder. Andererseits sind die rot-weißen der erste Bundesligist, der einen närrischen Geburtstag feiert: vor 111 Jahren wurde der Verein 1. FSV Mainz 05 gegründet.


Mainz 05
von links: Julian Baumgartlinger, Yoshinori Muto, Christian Clemens © Renè Vigneron

Zu diesem Anlass wurde auch ein spezielles »Fastnachtstrikot« entworfen, das am 29. Januar im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (Endstand: 1-0) getragen wurde: Auf der Brust das mit einer Narrenkappe verzierte Vereinslogo und die Ärmel in den Fastnachtsfarben. Ob rot-gelb-blau-weiß dabei die »richtige« Reihenfolge ist, wurde von den Spezialisten heftig diskutiert.(Immerhin bekam es bessere Kritiken als das diesjährige Kölner Fastnachtstrikot, dem sogar die Wochenzeitschrift Die ZEIT attestierte, »dass es sich um das schauderlichste Trikot handelt, das je von einem Bundesligisten getragen werden musste.« Helau!)

Pech für die Mainzer: Die Fahrt mit dem eigens gebauten Jubiläumswagen an Rosenmontag entfiel wetterbedingt - wie der gesamte Zug. Ob man nun am neuen Termin (8. Mai) teilnimmt, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Am Tag zuvor findet das letzte Auswärtsspiel der Saison (33. Spieltag) in Stuttgart statt. Am 16. März, dem eigentlichen »Geburtstag«, startet eine große Party mit 1500 geladenen Gästen im VIP-Bereich der Arena und beim Heimspiel gegen den FC Augsburg (erstes April-Wochenende) ist ein großer Familientag geplant.

Mit dem schon traditionellen Fan-Fest in der Innenstadt wird das närrische Jubiläum dann beendet.

Das Mädel, sein Liebhaber und die Presse

Närrisch ging es im Umfeld des Vereins immer mal wieder zu und auch die Presse zeigte sich nicht immer zimperlich: ». man braucht sich nur auf das Spielfeld zu stellen, warten, bis der Ball einem so ganz zufällig vor die Füße läuft, braucht nur das Bein mit dem Ball zu heben und - bumms - sitzt er im Tornetz. Laufen? Das ist für die anderen. »So denkt nicht nur der eine, so denkt mancher in der Mannschaft .« So schimpfte Ende der Zwanziger Jahre der 05-Reporter Stüwer nach einer Niederlage bei Hassia Bingen. Leider hat er nicht mehr erlebt, dass die Mainzer inzwischen das laufstärkste Team der Liga sind.

Vor einem vorentscheidenden Spiel lästerte die Wormser Presse über eine scheinbar angeschlagene Mainzer Mannschaft: »Siegen! Ein Tor genügt! Mainz ist so entzückend fassungslos, so derangiert wie ein junges Mädel, das den stürmischen Angriffen seines Liebhabers so gar keinen Widerstand mehr entgegensetzen kann.« Mainz siegte 4:1, eine »moralische Ohrfeige«, so Herr Stüwer, die das Mädel dem Liebhaber verpasste. Klare Worte waren auch von der lokalen Presse 1962 zu hören: »Die Vereinsführung ist klug genug, nicht mit unerfüllbaren Plänen zu spielen. Wenn sich die Verhältnisse in und um Mainz nicht wesentlich ändern, wird es in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt niemals einen Verein in der Fußball-Bundesliga geben.«

Vom Pokalschreck zum Trainerschreck

In der Folgezeit machten die Mainzer als Pokalschreck Furore: 1965 warf man erst den kommenden Meister Werder Bremen aus dem Pokal. Dabei mussten die Spieler auch noch ein Tor reparieren, weil ein Pfosten den Zusammenprall mit einem Bremer Spieler nicht überlebte und in der nächsten Runde musste sich Titelverteidiger 1860 geschlagen geben.

Kurios dagegen eine Szene aus der ersten Mainzer Bundesligaaufstiegsrunde 1973. Der Mainzer Scheller bemerkt im entscheidenden Spiel in Köln nicht, dass der Schiedsrichter ihn vom Platz gestellt hat und auch sonst fällt es keinem der Beteiligten auf, dass der Sünder weiter mitspielt. Erst beim Anpfiff zur zweiten Halbzeit zählt der Mann in Schwarz dann genauer durch: Mainz verlor 3:0.

Ungewöhnlich auch der Abschied von Trainer Klimaschefski 1974. Die Vereinsspitze stellt ihn zur Abwahl, weil er am Tag nach einer Mainzer Niederlage den Ligakonkurrenten FC Homburg inoffiziell coacht. Die Spieler sprechen sich 16:0 gegen ihn aus.

Und noch ein Novum produziert man im Schatten des Doms. Der Verein gibt aus wirtschaftlichen Gründen als erster deutscher Profiverein seine Lizenz zurück und geht freiwillig aus der 2. Liga in den Amateurbereich zurück.

Der Cowboy und die Disziplin

Unvergessen auch die Saison 1995/96: Ziemer schießt im ersten Saisonspiel ein Tor, stand aber nicht auf der Spielberechtigungsliste: Punktabzug. Nach sieben Spielen Tabellenletzter mit einem Punkt, dann muss Trainer Horst Franz gehen - ein Disziplinfanatiker, der Guido Schäfer beibrachte, nicht mit Cowboystiefel und Jeans zum Essen zu gehen und sich auch durch die Entlassung von Betreuern und dem Busfahrer in die Annalen eintrug.

Zuletzt das Spiel in Nürnberg, Klassenerhalt dank eines Siegtreffers mit zwei Mann in Unterzahl und einem Feldspieler im Tor. Aspekte einer 111 Jahre alten Mannschaft, deren Kapitän Julian Baumgartlinger ebenso viele Bundesligaspiele torlos blieb, um dann im 112. unter Flutlicht gegen Schalke endlich traf. - Eben doch viel mehr als »nur ein Karnevalsverein«!

| MDL