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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
V E R L O S U N G !

RLP-Ausstellung DER MAINZER verlost
5x 2 Eintrittskarten zur
Rheinland-Pfalz-
Ausstellung
Vom 12. bis 20. März 2016
Bitte senden Sie uns
eine E-Mail an
verlosungen@dermainzer.net
Stichwort: RLP-Ausstellung
Einsendeschluss: 1.3.2016

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Spitzfindig

Deutschsein

Es ist ein Reflex. Ich mag ihn nicht. Sobald irgendeine Betonung auf »deutsch« gelegt wird, ist mir unbehaglich.


Wegweiser Deutsches Restaurant

Ich möchte dieses Unbehagen loswerden, es rationalisieren, finde es völlig normal, eine Deutsche zu sein, habe mich dessen noch nie geschämt und war auch nie stolz darauf. Nationalitäten interessieren mich per se nicht. Alltagskultur schon eher. Die entwickelt sich aus den jeweiligen Lebensumständen, wird geprägt von der Herkunft, der Gemeinschaft, in der Menschen leben. Klar spielen Religion und kulturelle Identität dabei eine Rolle. Aber diesen ganzen Mischmasch kann man nicht auf Nationalitäten reduzieren. Vor allem sollten die (Weiter-) Entwicklungsfähigkeiten der Individuen wie der Gesellschaften nicht unterschätzt werden.

»Deutschsein« wird immer wieder benutzt, um sich gegenüber anderen abzugrenzen, um andere auszusortieren. Im und nach dem Sommermärchen von 2006 schien es eine Weile normal zu sein, sich als Deutsche zu fühlen, ohne das irgendwie erklären zu müssen. Spätestens seit Pegida ist klar, rechtspopulistische Gruppierungen und Parteien haben »Deutschsein« für sich okkupiert und schon wieder geht der ganze Abgrenzungsmist von vorne los.

In einer Zeit, in der immer weniger Interesse besteht, gesprochene und geschriebene Sätze auf ihren Inhalt zu überprüfen, ist es noch schwieriger geworden, Populisten nicht auf den Leim zu gehen. Parteien wie der AFD zum Beispiel. In deren Parteiprogramm steht, »Einwanderung kann für Deutschland ein Gewinn sein, wenn sie im deutschen Interesse gesteuert wird.« Da ist es wieder, dieses »deutsch«. Was bedeutet es? Was bedeutet es in Verbindung mit »Interesse«?

Entspricht das »deutsche Interesse« dem »Leitbild der Familie aus Vater, Mutter und Kindern«, das ebenfalls im AFD-Parteiprogramm steht? Im Umkehrschluss entspricht es also NICHT dem »deutschen Interesse«, wenn eine Familie aus einer alleinerziehenden Mutter und zwei Kindern besteht? Oder gar aus zwei Männern oder zwei Frauen mit Kindern?

Um das auseinanderzuklamüsern braucht es seitens der Printjournalisten viele Zeilen und seitens der Leser viel Interesse, um alles zu lesen. Wir hätten die aktuelle Titelgeschichte komplett dieser Auseinandersetzung widmen können. In der Diskussion darüber wurde aber klar, es gibt so viele Themen, die in unserer Alltagskultur vor der Frage rangieren, wie »deutsche Interessen« zu definieren sind.

| SoS